Moskau/Kiew

Die Welt ringt um einen Frieden

Putins Eroberungskrieg geht blutig weiter, der Wirtschaftskrieg zwischen Russland und dem Westen eskaliert. Es gibt aber Vermittlungsbemühungen.
Ukraine-Konflikt - Friedensdenkmal in Hanau
Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) | Immer mehr politische Akteure vor und hinter den Kulissen suchen nach diplomatischen Auswegen aus dem Krieg gegen die Ukraine.

Während der russische Krieg gegen die Ukraine unvermindert andauert und die Flüchtlingsströme Richtung Westen anschwellen, suchen immer mehr politische Akteure vor und hinter den Kulissen nach diplomatischen Auswegen. Auch der Vatikan: Hatte Papst Franziskus bereits zu Beginn des Kriegs den russischen Botschafter in Rom aufgesucht und mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert, so sprach am Dienstag Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Telefon mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Russischen Angaben zufolge ging es dabei um Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew über ein Ende der Kampfhandlungen, um den Schutz von Zivilisten und humanitäre Korridore. Nach vatikanischen Angaben forderte Parolin ein Ende der bewaffneten Angriffe und bekundete die Bereitschaft des Heiligen Stuhls, sich an jeder Art von Vermittlung zu beteiligen.

Papst schickt über diplomatische Kanäle Hilfe

Am Dienstag traf der vom Papst in die Ukraine entsandte Kurienkardinal Konrad Krajewski in Lemberg (Lviv) ein, wo er vom griechisch-katholischen Großerzbischof Schewtschuk und vom römisch-katholischen Erzbischof Mokrzycki empfangen wurde. Sein Kommen sei ein Zeichen dafür, dass der Papst an die Ukrainer, die für ihre Freiheit kämpfen, denke und ihnen über diplomatische Kanäle konkrete Hilfe schicke, sagte Krajewski.

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Den vom türkischen Außenminister Mevlüt  Cavusoglu vermittelten Gesprächen zwischen den Außenministern Russlands und der Ukraine in Antalya traut man in Paris offenbar nicht viel zu. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron konferierte jedenfalls am Dienstag mit Chinas Präsident Xi Jinping und dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz per Video eineinhalb Stunden lang über eine diplomatische Lösung. Die Außenminister Chinas, Frankreichs und Deutschlands sollen sich nun um ein Ende des Krieges bemühen.

China, dessen Außenminister Wang Yi sich zuletzt zur Fortentwicklung der "strategischen Partnerschaft" mit Russland bekannt hatte, soll in der Videokonferenz die territoriale Integrität und Souveränität der Staaten im Sinn der UN-Charta betont haben. Xi Jinping habe die Sorge geäußert, der Konflikt wirke sich stark auf die Weltwirtschaft aus. Im chinesischen Staatsfernsehen sagte Chinas mächtigster Mann: "Die betreffenden Sanktionen haben Auswirkungen weltweit auf Finanzen, Energie, Transport sowie Lieferkettenstabilität und ziehen die unter der Pandemie leidende Weltwirtschaft zum Nachteil aller herunter." Etwa zum Nachteil Chinas, das enge Handelsbeziehungen zu Moskau wie zu Kiew unterhält.

Bennets Besuch in Moskau bleibt ohne Ergebnisse

Ohne erkennbare Ergebnisse blieb am vergangenen Samstag eine Mission des israelischen Premiers Naftali Bennet, der zu Gesprächen in Moskau seinen im ukrainischen Charkiw geborenen Wohnbauminister Zeev Elkin als Dolmetscher mitbrachte. Der ukrainische Präsident Selenskyj ist das einzige Staatsoberhaupt jüdischen Glaubens in Europa; mehrere Brüder seines Urgroßvaters wurden von den Nazis ermordet. Als Vermittler im Krieg Russlands gegen die Ukraine hat sich zwischenzeitlich auch Indiens Regierungschef Nerenda Modi angeboten, nachdem ein indischer Student in Charkiw von einer russischen Rakete getötet wurde. Modi pflegt enge Beziehungen zu Moskau, insbesondere in Rüstungsfragen, doch die indische Öffentlichkeit ist nervös, weil mehr als 9.000 junge Inder als Studenden in den ukrainischen Kampfgebieten leben.

Die ukrainische Regierung zeigt sich auch zwei Wochen nach Kriegsbeginn bereit, ihr Land um jeden Preis weiter zu verteidigen. Gleichzeitig deutete die Partei des Präsidenten, "Sluha Naroda" (Diener des Volkes), am Dienstag die Bereitschaft an, zumindest für die nächsten 15 Jahre auf eine NATO-Mitgliedschaft zu verzichten, wenn es stattdessen Sicherheitsgarantien für die Ukraine gibt. "Garantiestaaten könnten die USA, die Türkei und die Nachbarstaaten der Ukraine werden", heißt es in einer Mitteilung der Partei. Selenskyj selbst zeigte sich zu Gesprächen über den Status der Krim wie der Separatistengebiete im Donbass bereit.

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