London

Die Tories stehen vor einem Neuanfang

Die britischen Konservativen suchen nach dem Abgang von Johnson nach einem Nachfolger. Der übernimmt ein Land in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage, meint Philipp Plickert. Ein Gastbeitrag.
Ehemaliger Finanzminister von Großbritannien Sunak
Foto: Jonathan Brady (PA Wire) | Nachdem der britischen Premierministers Johnson seinen Rücktritt als Parteichef der britischen Konservativen verkündet hatte, will Sunak auf das Amt des Vorsitzenden seine Kandidatur abgeben.

Nach dem unrühmlichen Ende von Boris Johnson ist das Rennen um den Vorsitz der britischen Konservativen Partei entbrannt. Der smarte Ex-Schatzkanzler Rishi Sunak liegt derzeit vorne. Er warnt vor schuldenfinanzierten „Märchen“, andere Kandidaten versprechen rasche Steuersenkungen, ohne die Gegenfinanzierung zu klären. In der Stichwahl wird Sunak wohl auf die Handelsstaatssekretärin Penny Mordaunt oder auf Außenministerin Liz Truss treffen, die von Parteirechten und Brexiteers unterstützt wird. Falls Sunak sich durchsetzt, wäre der Sohn indischstämmiger Immigranten der erste Hindu in der Downing Street 10.

Millionen Haushalte in Finanznot

Wer immer es  wird, der künftige Premierminister übernimmt ein Land in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage: Die höchste Inflation seit 40 Jahren, mit rasant steigenden Energiepreisen und Lebenshaltungskosten, bringt Millionen Haushalte in Finanznot. Die Tories sind in Umfragen weit hinter Labour zurückgefallen. Das ist Boris Johnsons Affärensumpf und Charakterdefiziten zu verdanken. Er hat es nicht vermocht, den triumphalen Wahlsieg vom Dezember 2019 für eine konservative Erneuerung des Landes zu nutzen. Jenseits des „Get Brexit Done“ fehlte ihm eine Vision dafür. Der Regierungskurs eierte zwischen Interventionismus, hohen Ausgaben und verbalen Bekenntnissen zum schlanken Staat und zu Innovationen. Von einer wertkonservativen Wende keine Spur. Großbritannien wird wie alle westlichen Länder von einer Welle linken „woken“ Aktivismus überflutet, der sich gegen die (Meinungs-)Freiheit, gegen Geschichte, Kultur und Tradition richtet.

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Der Autor ist Wirtschaftskorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in London.

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