16. Juni: Die Wochenheiligen

Die selige Maria Paschalis Jahn und neun Gefährtinnen

Als ein Soldat sie bedrohte, sagte Maria Paschalis Jahn: „Ich gehöre Christus, er ist mein Bräutigam, du kannst mich ruhig erschießen.“ Daraufhin beendete er ihr Leben mit einem Gewehrschuss.
Selige Maria Paschalis Jahn
| Maria Paschalis Jahn wurde am 7. April 1916 im böhmischen Nysa geboren und trat 1938 bei den Elisabeth-Schwestern ein.

Am 11. Juni wurden im Dom zu Wroclaw, dem ehemaligen Breslau, zehn Schwestern von der heiligen Elisabeth seliggesprochen. Alle erlitten ihr Martyrium im Jahr 1945 bei der Machtübernahme durch sowjetische Truppen, als sie sich gegen Vergewaltigungen wehrten und Schwächere schützten.

Maria Paschalis Jahn wurde am 7. April 1916 im böhmischen Nysa geboren und trat 1938 bei den Elisabeth-Schwestern ein. Als die Rote Armee 1945 in Nysa einmarschierte, floh sie zusammen mit einer Mitschwester nach Sobotin in der Tschechischen Republik, wo sie in einer Schule Zuflucht fanden. Am 11. Mai sah ein Soldat die 29-Jährige, verfolgte sie und drohte ihr mit dem Tod, wenn sie ihm nicht zu Willen wäre. In Todesangst nahm Schwester Maria Paschalis das Kreuz ihres Rosenkranzes in die Hand und antwortete: „Ich trage ein heiliges Kleid und werde niemals mit dir gehen!“ Als der Soldat sie noch einmal bedrohte, sagte sie: „Ich gehöre Christus, er ist mein Bräutigam, du kannst mich ruhig erschießen.“ Daraufhin beendete er ihr Leben mit einem Gewehrschuss.

Am 20. Februar wurde die 1905 geborene Schwester Maria Edelburgis Kubitzki ermordet. Sie arbeitete in der ambulanten Krankenpflege, als sie von einem Soldaten bedrängt und schließlich erschossen wurde.

Durch 30 Soldaten vergewaltigt

Nicht der Vergewaltigung entgehen konnte die 37-jährige Schwester Maria Rosaria Schilling. In Nowogrodziec befand sie sich am 22. Februar in einem Luftschutzbunker, aus dem sie gewaltsam herausgezerrt wurde. Nach einer brutalen Vergewaltigung durch etwa 30 Soldaten konnte sie sich halbtot zu ihren Mitschwestern schleppen. Diese gingen am folgenden Tag zum Büro des Kommandanten, um Beschwerde einzulegen. Schwester Maria Rosaria ging mit ihnen. Auf dem Weg wurde sie von einer Kugel getroffen. Sie starb mit den Worten: „Jesus, Maria!“

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Die 60-jährige Schwester Maria Adela Schramm war Oberin der Gemeinschaft von Godzieszów. Als die Rote Armee das Dorf einnahm, fand sie Zuflucht bei Bauern. Am 25. Februar stürmten Soldaten das Bauernhaus und erschossen die Schwester zusammen mit dem Bauernehepaar. Ihre Mitschwester Maria Acutina Goldberg starb, als sie eine Schar Waisenmädchen vor betrunkenen Soldaten schützte.

In Lubán waren Soldaten der Roten Armee im Konvent untergebracht und hatten es auf die 36-jährige Schwester Maria Sabina Thienel abgesehen. Als diese am 1. März auf Knien in der Kapelle betete, wurde sie durch die Tür von einer Kugel ins Herz getroffen.

Gnadenlose Rote Armee

Auch im Konvent von Nysa hausten Soldaten der Roten Armee. Am 24. März erlitten drei Schwestern hier das Martyrium. Die 40-jährige Maria Melusja Rybka wurde erschossen, als sie ein Mädchen vor einem Rotarmisten in Schutz nahm. Ein Soldat wollte eine junge Schwester aus dem Refektorium zerren, als die 70-jährige Maria Sapientia Heymann dagegen einschritt und sofort erschossen wurde. Die „gute Seele“ des Konvents war Maria Adelheidis Töpfer. Sie kümmerte sich um Alte und Kranke, die im Kloster Zuflucht gefunden hatten. Unter dem Vorwand, einer ihrer Schützlinge habe ihn angegriffen, erschoss ein Soldat Schwester Maria Adelheidis. Ein brutales Ende nahm am nächsten Tag auch die aus Grafing in Bayern stammende Schwester Maria Felicitas Ellmerer. Als die Oberin die Soldaten aufforderte, die Schwestern in Ruhe zu lassen, schlug einer ihr mit dem Gewehrkolben über den Kopf. Schwester Felicitas eilte ihr zu Hilfe, wurde aber von einem Soldaten ins Freie gezerrt. Sie wehrte sich heftig, und er gab einen Warnschuss ab. Da stellte sich Schwester Felicitas mit dem Rücken gegen die Wand mit ausgestreckten Armen und rief: „Lang lebe der gekreuzigte Christus!“ Mitten im Satz wurde sie erschossen; anschließend zertrat der Angreifer ihren Kopf und ihren Brustkorb.

„Es ist gut, dass die Erinnerung wachgehalten wird“, sagt Schwester Maria Dominika Kinder, die ehemalige Oberin der deutschen Ordensprovinz der Elisabeth-Schwestern. Durch den Ukrainekrieg habe das Thema eine „unheimliche Aktualität“ bekommen. „Auch in diesem Krieg werden gerade wieder unzählige Frauen Opfer von Vergewaltigungen. Wir dürfen solche Geschehnisse nicht ad acta legen!“

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