Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar

Die Nordsee-NATO ist Realität

Energie und Verteidigung müssen zusammen gedacht werden. Der Gipfel der Nordsee-Anrainerstaaten setzte genau das richtige Zeichen.
Friedrich Merz spricht beim Nordseegipfel
Foto: IMAGO / Chris Emil Janßen | Als die Nordsee-Initiative 2022 aus der Taufe gehoben wurde, hatte man vor allem die russische Aggression vor Augen und blickte folgerichtig nach Osten. Das hat sich geändert.

In Hamburg kamen die Nordsee-Anrainerstaaten zum hochrangig besetzten Gipfel zusammen. Dabei geht es nach außen zwar vorrangig um abgestimmte Offshore-Energiekonzepte, doch sind diese angesichts der aktuellen Entwicklungen nicht mehr ohne ein integriertes, schlüssiges Sicherheitskonzept zu denken. Schon jetzt stellen russische Cyberangriffe eine akute Bedrohung der Energie-Infrastruktur dar. Spionage-Drohnen, waghalsig operierende Kampfflugzeuge mit russischen Hoheitsabzeichen und Tanker der Schattenflotte sind zu einer ständigen, militärischen Bedrohung geworden.

Sie könnte zu einer großen Lösung heranwachsen

Als die Nordsee-Initiative 2022 aus der Taufe gehoben wurde, hatte man vor allem die russische Aggression vor Augen und blickte folgerichtig nach Osten. Das hat sich geändert. Auf den amerikanischen Energie-und Sicherheitspartner ist nur noch bedingt Verlass. Der ehemals stolze Weißkopfadler scheint in einem abenteuerlichen Zoomorphismus binnen kürzester Zeit zu einer Art fliegendem Wolpertinger mutiert. Immerhin zehn Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie ist Flüssiggas aus amerikanischen Tankern. Um diesen US-Anteil bei sinkendem Einsatz von eigener Braunkohle und importierter Steinkohle nicht steigern zu müssen, ist die nachhaltige und vor der Haustür erwirtschaftete Offshore-Energie die derzeit wichtigste Option. 

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Weil die eigenen Windparks auf dem Meer aber auch mit eigenen Mitteln geschützt werden müssen, ist eine kleine Nordsee-NATO seit Montag unausgesprochene Realität. Ob sie sich zu einer großen Lösung auswächst, hängt von der weiteren Entwicklung ab. Diesmal sind der Franzose Emmanuel Macron und der Brite Keir Starmer noch zu Hause geblieben. Doch die Häppchen für die anwesenden 36 Spitzenpolitiker waren bereits französische Canapés. Künftig könnte der Nordseegipfel im Bedarfsfall bei Regierungschefs wie Häppchen noch nachlegen. Als starkes Signal über den großen Teich war dieses Treffen genau richtig.

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