Berlin

Die Hoffnungen der CDU

Seit letztem Samstag können die CDU-Mitglieder darüber abstimmen, wer ihr neuer Parteivorsitzender werden soll. Die Katholischen Arbeitskreise schauen aufmerksam auf den Wahlkampf zwischen Helge Braun, Norbert Röttgen und Friedrich Merz.
CDU-Vorsitz - Townhall mit den Kandidaten
Foto: Michael Kappeler (dpa) | Sie wollen alle neuer CDU-Vorsitzender werden: Helge Braun, Norbert Röttgen und Friedrich Merz (v.l.n.r.)

Der Ball liegt seit dem 4. Dezember bei den Mitgliedern: Sie können nun darüber abstimmen, wer der neue Vorsitzende der CDU werden soll. Dabei geht es nicht nur um eine Personalie, sondern auch um den künftigen inhaltlichen Kurs der deutschen Christdemokratie. Wie schauen die Katholischen Arbeitskreise, die  in den CDU-Landesverbänden in Niedersachsen, Sachsen und Thüringen bestehen, auf den Wahlkampf zwischen Helge Braun, Norbert Röttgen und Friedrich Merz?

Die Union muss in die Offensive gehen

„Als katholischer Arbeitskreis der CDU freuen wir uns, dass abermals drei Katholiken im Rennen um den Vorsitz sind. Allerdings hätten wir erwartet, dass bioethische und familienpolitische Fragen beim Wettbewerb um den Parteivorsitz größeren Raum einnehmen und die Kandidaten zu ihren Positionen befragt werden“, sagt Mirco Weiß, der Vorsitzende des niedersächsischen Arbeitskreises, gegenüber dieser Zeitung. „Von Norbert Röttgen wissen wir, dass er die beabsichtigte Streichung des § 219a ablehnt“, berichtet er. Auf eine Anfrage der Gruppe hatte Röttgen direkt reagiert und mitgeteilt, dass eine Streichung „unserer Position im Hinblick auf den Schutz des Lebens diametral entgegensteht".

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Claudia Heber, die dem Thüringer Arbeitskreis vorsitzt, betont, die Positionsbestimmung der Partei könne ein Vorsitzender alleine nicht klären. „Wir müssen hier gegenüber der neuen Ampelregierung, die den Lebensschutz gerade über Bord wirft und Schwangere in Konfliktsituationen sich selbst überlassen und Hilfsstrukturen abschaffen wird, klare Kante zeigen. Ein neuer Vorsitzender muss diese inhaltlichen Debatten moderieren und alle Mitglieder einbeziehen. Und da gehört mittlerweile auch ein dem Evangelischen Arbeitskreis gleichberechtigter katholischer Arbeitskreis dazu“, hebt sie gegenüber dieser Zeitung hervor. Ihr Kollege aus Sachsen, Mathias Kretschmer, mahnt ebenfalls, die Union müsse in die Offensive gehen: „Wir müssen weg vom Mainstream und deutlich eigene Akzente aus dem starken ,C' heraus setzen.  Gender abschaffen, Familien stärken, ein klares Ja zur Pflege und ein deutliches Nein zu Abtreibung und zum assistierten Suizid. Das wäre mit dem Begriff ,Bewahrung der Schöpfung' in all seinen Facetten statt Klimakrise ein sensationeller Aufbruch für uns.“

Die Säulen des katholischen Propriums positiv herausstellen

Kretschmer ist optimistisch, dass über seinen Arbeitskreis gerade auch im Osten Katholiken angesprochen werden könnten: „Hinter dem ,C' steht jahrzehntelanges Vertrauen auch und gerade hier im ehemaligen Diktaturgebiet. Das ,C' war die Heimat vieler Katholiken und Garant für die Wahlerfolge in den 1990er Jahren und die Umbrüche davor.“ Er setzt darauf, dass eine neue Parteiführung dieses Potenzial zu schätzen weiß. Bereits 2019 habe man Gespräche mit Friedrich Merz geführt, Norbert Röttgen hat für einen Austausch im Frühjahr zugesagt.

Sehen die Vorsitzenden Chancen, dass sich auch auf der Bundesebene ein Katholischer Arbeitskreis gründen könnte? „Die Gründung eines Katholischen Arbeitskreises auf Bundesebene ist angesichts der Ampel-Koalition und den damit einhergehenden glaubensfernen Politikansätzen von großer Bedeutung. Aufgabe des Katholischen Arbeitskreises wird es sein, in einem sich immer weiter säkularisierenden Land die Säulen des katholischen Propriums positiv herauszustellen. Dass der Evangelische Arbeitskreis eine offizielle Parteigliederung ist, es aber kein katholisches Pendant gibt, ist aus der Zeit gefallen“, meint Mirco Weiß aus Niedersachsen.

Und auch seine Kollegen aus Thüringen und Sachsen sind in dieser Frage zuversichtlich. „Von Norbert Röttgen und Friedrich Merz weiß ich, dass sie dem Thema aufgeschlossen gegenüberstehen“, sagt Claudia Heber. Mit Merz habe sie auch schon einmal darüber gesprochen, berichtet die 45-Jährige. Und auch Mathias Kretschmer setzt darauf, in den geplanten Gesprächen mit Merz und Röttgen diesem Ziel näher zu kommen.

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