Folgen des Ukrainekriegs

Die Gunst der Stunde für Diktatoren

Während Putin seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, nutzen in anderen Teilen der Welt Autokraten die Situation, um Minderheiten noch stärker zu verfolgen. Ein Gastkommentar.
Chinas Machthaber Xi Jinping
Foto: Bob Martin For Ois (PA Media) | Während in der Ukraine der Krieg tobt, lässt die Kommunistische Partei Chinas tibetische Buddha-Statuen zerstören und führt ihren Völkermord gegen die Uiguren und die Unterdrückung von Christen fort.

Die Welt schaut gebannt auf Wladimir Putins Angriffskrieg gegen die demokratische Ukraine. Anderswo auf der Welt nutzen Autokraten die Situation, um Minderheiten noch stärker verfolgen zu können.

Auch auf dem europäischen Kontinent droht Eskalation

So lässt die Kommunistische Partei Chinas tibetische Buddha-Statuen zerstören, führt ihren Völkermord gegen die Uiguren und die Unterdrückung von Christen fort. Katar bereitet sich darauf vor, die Fußball-Weltmeisterschaft im November und Dezember glanzvoll zu inszenieren und davon abzulenken, dass das Emirat islamistische Bewegungen in aller Welt finanziert. Diese Gruppen unterdrücken Christen, Jesiden und andere. Aus Brasilien berichten unsere indigenen Partner, wie die dortige Regierung den Ukraine-Krieg offen als Vorwand nutzt, um ohne öffentliche Debatte und gegen geltendes Recht Bergbau auf indigenem Land voranzutreiben.

Lesen Sie auch:

Auch auf dem europäischen Kontinent droht Eskalation: In Bosnien-Herzegowina ist es der russische Staat selbst, der mit der Unterstützung des Nationalisten Milorad Dodik den jungen Staat vollends spalten will. Wir befürchten, dass die Separatisten einen neuen Krieg entfachen wollen, den das Nachbarland Serbien im Auftrag Russlands unterstützen würde.

Fest steht: Wladimir Putin muss eines Tages für seine Verbrechen im eigenen Land und gegenüber der Ukraine vor den Internationalen Strafgerichtshof. Zugleich muss die Politik aufmerksam in andere Regionen und Staaten schauen. Denn Potentaten überall versuchen, die Gunst der Stunde zu nutzen. Und wir dürfen die Menschen in Russland nicht vergessen, über die in diesen Tagen gar nicht berichtet wird: Partner aus Sibirien berichten uns, wie der russische Staat indigene Aktivisten einschüchtert, die sich gegen Rohstoffabbau und Umweltzerstörung in der Arktis einsetzen. Auch sie brauchen unsere Aufmerksamkeit.


Der Autor ist Referent für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung bei der Gesellschaft für bedrohte Völker.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Der G7-Gipfel im bayerischen Elmau versuchte Einigkeit gegenüber Russland zu demonstrieren – angesichts des BRICS-Konkurrenzgipfels in Peking war dies auch bitter nötig.
01.07.2022, 07  Uhr
Stefan Ahrens
„Nur Minderung, nicht Ausrottung des Bösen ist möglich“, beschreibt der Moraltheologe Peter Schallenberg in seiner Kolumne.
14.03.2022, 05  Uhr
Peter Schallenberg
Themen & Autoren
Hanno Schedler Angriffskriege Christen Demokratie Ukraine Völkermord Wladimir Wladimirowitsch Putin

Kirche

Auch für die Ukraine kann man das Undenkbare denken. Die Liturgie und der Papst, der Umbau der Gesellschaft und eine Philosophie des Weines finden sich in der neuen Ausgabe der Tagespost.
06.07.2022, 17 Uhr
Redaktion
Eine Franziskanerinnenkongregation aus Kamerun ist bereit, ins Berliner Kloster St. Gabriel einzuziehen. Dadurch würde die Umwidmung der Anlage für säkulare Zwecke verhindert.
06.07.2022, 14 Uhr
Vorabmeldung
Der heilige Anselm von Canterbury (1033–1109 wollte die Vernünftigkeit des Glaubens der Kirche erweisen. 
06.07.2022, 07 Uhr
Marius Menke
Der vom Synodalem Weg geplante Synodale Rat stößt auf dezidierte Kritik. Laut Kardinal Kasper zerstört ein solches Gremium die Struktur, „die Christus für seine Kirche gewollt hat“.  
05.07.2022, 10 Uhr
Dorothea Schmidt