Saporischja

Die GAU-Waffe

Russlands Streitkräfte halten seit März das Gelände des Atomkraftwerks in Saporischja besetzt. Putin bietet sich einmal mehr die Gelegenheit, sich drohend als Herr über Leben und Tod zu gebärden. Ein Kommentar.
Atomkraftwerk Saporischja
Foto: IMAGO/Dmytro Smolyenko (www.imago-images.de) | Mit einem GAU zu kokettieren, zeugt einmal mehr davon, wes Geistes Kind der selbsternannte russische "Wertekonservative" und "fromme Christ" Putin ist.

Nach der einstweilig entschärften Hungerwaffe hat Russlands Diktator Wladimir Putin neben seines vor allem über Deutschland kreisenden Energie-Damoklesschwertes ein weiteres potenzielles Druckmittel im Ukraine-Krieg gefunden: Russlands Streitkräfte halten seit März das Gelände des Atomkraftwerks in Saporischja mit etwa 500 Soldaten besetzt und behindern einen Schichtwechsel der Mitarbeiter des AKW. Diesen wurde lediglich mitgeteilt, dass sie nun für den russischen Atomenergie-Konzern Rosenergoatom arbeiteten.

Die Lage am Atomkraftwerk spitzt sich weiter zu

Und die Lage am Atomkraftwerk spitzt sich weiter zu: Nach Angriffen auf dem Gelände warnte UN-Generalsekretär Antonio Guterres eindringlich vor "selbstmörderischen" Attacken auf Nuklearanlagen und Rafael Mariano Grossi, Vorsitzender der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, rief beide Seiten zu Zurückhaltung auf, sprach sich allerdings für die "volle Souveränität der Ukraine über ihr Territorium und ihre Infrastruktur" aus.

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42 Länder und die EU forderten in einer Erklärung zudem den sofortigen Abzug der russischen Truppen vom Kraftwerksgelände und die Übergabe der Kontrolle an ukrainische Behörden. Natürlich wird Russland dieser Aufforderung nicht nachkommen   bietet sie doch Wladimir Putin einmal mehr die Gelegenheit, sich drohend als Herr über Leben und Tod zu gebärden und Zugeständnisse von der Ukraine und deren Verbündeten abzutrotzen.

Klar ist: Die Hebel der Eskalation hält Russland in der Hand und wie im Falle Putins nicht nur gegenüber der Ukraine, sondern auch gegenüber der EU und anderen Staaten mit einem GAU zu kokettieren, zeugt einmal mehr davon, wes Geistes Kind der selbsternannte russische "Wertekonservative" und "fromme Christ" ist. Zwar liegt ein GAU im besetzten Kraftwerk nicht im Interesse des Kremls   denn ähnlich wie Tschernobyl würde ein ernster Atomunfall in Saporischschja nicht zuletzt auch russisches Staatsgebiet in Gefahr bringen. Doch auch die Reaktorunfälle in Tschernobyl und Fukushima waren weder beabsichtigt noch geplant   und gerade dies sollte dem mit dem Feuer spielenden Russendiktator zu denken geben.

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