Berlin

Die CDU muss denken

Friedrich Merz will seine Partei intellektuell unterfüttern. Jetzt kann er zeigen, was er sich darunter vorstellt. Ein Kommentar.
CDU-Parteitag
Foto: Michael Kappeler (dpa) | Friedrich Merz, Kandidat für das Amt des CDU Bundesvorsitzenden, spricht beim Bundesparteitag der CDU im Konrad-Adenauer-Haus.

Eine bessere intellektuelle Unterfütterung der CDU-Politik hat Friedrich Merz in einem Interview kurz vor seiner Wahl gefordert. Jetzt kann er zeigen, was er sich darunter vorstellt. Merz hat Recht, wenn er beklagt, dass die Union der Gegenwart ziemlich weit entfernt zu sein scheint von jener Dekade, als Generalsekretäre wie Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler, das waren tatsächlich Intellektuelle und keine Parteifunktionäre, Antworten auf die Fragen der Gegenwart christdemokratisch ausbuchstabierten. Solche Antworten können nicht Allerweltsantworten sein, sondern sie müssen spezifisch ausfallen.

Christliche Intellektuelle müssen sich einbringen

Da kommt es zur Unzeit, dass der Historiker Andreas Rödder nun angeregt hat, die CDU solle darüber nachdenken, das „C“ aus ihrem Namen zu streichen. Vielleicht wollte Rödder, der ein kluger Kopf ist und sich in der Vergangenheit lesenswerte Gedanken darüber gemacht, was man heute eigentlich unter Konservativismus verstehen kann, mit seiner Provokation nur seine träge und traditionell denkfaule Partei etwas aufscheuchen.

Lesen Sie auch:

Aber im Moment hat die größte Oppositionspartei keine Zeit für Glasperlenspiele aus dem Hauptseminar. Sie ist gefordert, und zwar gerade von dem „C“ in ihrem Namen aus. Sie steht in der Verantwortung, aus dieser Grundierung heraus der Ampel-Koalition und deren Agenda in Sachen Lebensschutz und Familienpolitik entgegenzutreten. Und mit Blick auf die Frage, wie man das am besten macht, ist tatsächlich alle intellektuelle Anstrengung nötig und gefragt.

Womit sich ein zweites Problem zeigt: Wo sind eigentlich die christlich geprägten Intellektuellen, die bereit sind, sich politisch einzubringen? Dass die nicht so leicht aufzuzählen sind, ist nicht allein die Schuld der Union. Sie hat schließlich weder die Aufgabe, noch die Möglichkeiten, solche Personen heranzubilden. Aber: Die, die da sind und an ihre Tür klopfen, denen sollte auch aufgetan werden.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
In Berlin hat die Sommerpause begonnen. Doch alle schauen panisch auf den Winter. Schlägt jetzt die Stunde von Merz oder von Söder?
15.07.2022, 18  Uhr
Sebastian Sasse
Kurt Biedenkopf, von 1990 bis 2002 sächsischer Ministerpräsident, ist gestern im Alter von 91 Jahren in Dresden gestorben. Er gehörte zu den Ausnahmepolitikern seiner Generation.
13.08.2021, 14  Uhr
Sebastian Sasse
Nach 18 Jahren Angela Merkel und drei weiteren Jahren mit zwei verschlissenen Interims-Parteivorsitzenden, braucht die CDU endlich wieder klare Inhalte – stattdessen redet man über die ...
13.11.2021, 07  Uhr
Birgit Kelle
Themen & Autoren
Sebastian Sasse CDU Friedrich Merz Heiner Geißler Kurt Biedenkopf

Kirche

Beeindruckendes Buch: Andreas Sturm beschreibt seinen Weg zum Austritt aus der katholischen Kirche mit schonungsloser Ehrlichkeit. Ein Spiegel der Kirche unserer Tage.
06.08.2022, 07 Uhr
Peter Winnemöller
Die Mehrheit der Katholiken ist gegen sie. Die Abgabe ist längst nicht mehr zeitgemäß und schon gar nicht zukunftsfähig. Die jüngste Umfrage ist nur ein Warnschuss.
05.08.2022, 11 Uhr
Peter Winnemöller