Berlin/Kiew

Deutschland sollte der Ukraine Waffen liefern

Auch Deutschland sollte der Ukraine Waffen zur Verteidigung liefern und härteste Sanktionen mittragen, meint Michael Gahler. Im Angesicht des Krieges kämpfen wir für Frieden und Freiheit.
USA und Europäer rufen Russland zur Deeskalation auf
Foto: Andriy Dubchak (AP) | Ukrainische Soldaten gehen an der Trennlinie zu den prorussischen Rebellen in der Nähe von Katerinivka, Region Donezk.

Wir Europäer müssen die unbequeme Wirklichkeit annehmen und langen Atem haben. Der russische Präsident Putin ist ein autoritärer Herrscher, der halb Europa unterdrücken und auch unsere europäische Lebensweise fremdbestimmen will. Deshalb sieht er das auf Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und freien Märkten gründende westliche Bündnis von Europäern und Amerikanern als Gegner. Deshalb will der Machthaber im Kreml die Ukraine wieder seiner Herrschaft einverleiben.

Bis an die Schwelle einer EU-Mitgliedschaft

Die Ukraine hat sich aber auf der Grundlage gemeinsamer Geschichte und gemeinsamer Werte mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu einer Assoziation verbunden. Diese Verbindung nimmt stetig an Tiefe und Intensität zu. Sie ist heute enger als unsere Verbindung mit Großbritannien, der Türkei oder Kanada und soll bis an die Schwelle einer EU-Mitgliedschaft führen. Im Rückblick erkennen wir die großartigen und historischen Schritte der Ukrainer auf dem Weg in eine freie Zukunft: Von der Sowjetrepublik mit Rüstungsschmiede über Abgabe der Atomwaffen und zwei friedliche Revolutionen zu einem reformorientierten Staat im politischen Westen.

Lesen Sie auch:

Die EU wird der Ukraine ebenso die Treue halten, sie weiterhin beim Aufbau einer modernen Verwaltung und sozialen Volkswirtschaft unterstützen. In den kommenden Monaten müssen wir aber erst die notwendige Robustheit gegenüber Russland zeigen. Auch Deutschland sollte der Ukraine Waffen zur Verteidigung liefern und härteste Sanktionen mittragen. Die Kosten eines Krieges für die angriffslustige russische Führung müssen gesteigert werden, damit sie ihre Angriffspläne aufgibt. Europa und Deutschland fehlt es nicht am Willen zur Entspannung mit Russland – wenn Russland sich dazu bereitfindet. Aber im Angesicht des Krieges kämpfen wir für Frieden und Freiheit!


Der Autor ist Außenpolitischer Sprecher der christdemokratischen Fraktion (EVP) im Europäischen Parlament und dessen Ständiger Berichterstatter für die Ukraine.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Michael Gahler CDU Frieden und Friedenspolitik Russlands Krieg gegen die Ukraine Russische Regierung Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Putin fordert zu einer Entscheidung heraus: Für welche Werte steht der Westen? Und ist er bereit, für die Verteidigung der Freiheit auch Opfer zu bringen? Ein Kommentar.
10.03.2022, 07 Uhr
Guido Horst
Kiew fürchtet den Wintereinbruch mehr als die Kampfkraft der russischen Armee. Putin droht weiter mit dem Einsatz von Atomwaffen.
05.10.2022, 19 Uhr
Stephan Baier
Nicht nur die Ukraine muss sich bedroht fühlen: Wladimir Putin glaubt an mächtige, starke Staaten, die die neue Weltordnung schmieden. Alle anderen seien rechtlose Kolonien. Ein Kommentar.
25.06.2022, 11 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Bei zwei Begegnungen spricht sich der Papst für den Frieden und die Bekämpfung der Armut im Kongo aus. Hass und Gewalt seien niemals zu rechtfertigen, sagte er.
01.02.2023, 21 Uhr
José García
Man erhoffe sich von der Führung im Südsudan ein erneutes Bekenntnis zum Frieden und Bemühungen, das Friedensabkommen umzusetzen, so der Vatikanvertreter bei der UNO.
01.02.2023, 16 Uhr
Meldung
Mit heldenhafter Hartnäckigkeit hat Colombos Kardinal die Aufklärung der Oster-Anschläge vorangetrieben und die politische Klasse besiegt.
01.02.2023, 11 Uhr
Stephan Baier