Einreiseverbot für Jugendliche

Deutsch-afrikanische Jugendarbeit wird blockiert

Jugendliche aus Nairobi bekamen kein Visum für ein Treffen in Deutschland. Missio-Pressesprecher Johannes Seibel sieht darin eine diskriminierende Praxis des Auswärtigen Amts.
Armenviertel Nairobis
Foto: Gonzales Photo/Simon Skipper via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Pater Serge Patrick Mabou, wollte mit sieben jungen Menschen aus dem Armenviertel Nairobis nach Deutschland kommen. Doch die deutschen Botschaften lehnten dies ab.

Die Versöhnung Deutschlands mit der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg verdankt sich auch der persönlichen Begegnung junger Menschen aus ehemals verfeindeten Staaten. Der deutsch-französische Jugendaustausch ist dafür das beste Beispiel. Aus früher sogenannten „Erzfeinden“ wurden Freunde.

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Diese geschichtliche Erfahrung ist eine bleibende Verpflichtung der Bundesrepublik, internationale Jugendbegegnung überall zu ermöglichen. Zumal die Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen eine wertebasierte Außenpolitik versprochen hat.

Pauschale Unterstellungen durch deutsche Botschaften

Das Versprechen ist längst nicht eingelöst. Diese ernüchternde Erfahrung macht gerade das katholische Hilfswerk missio Aachen. Zum Monat der Weltmission im Oktober lud das Hilfswerk eine Delegation der katholischen Jugendorganisation YOUNIB aus den Armenvierteln Nairobis ein. Der Leiter, Pater Serge Patrick Mabou, wollte mit sieben jungen, ehrenamtlich bei YOUNIB Engagierten im Alter zwischen 21 und 28 Jahren kommen. Sie freuten sich auf das persönliche Gespräch in Deutschland über ihren Glauben, moderne Jugendarbeit, soziale Gerechtigkeit oder weltkirchliche Solidarität.

Allein: Pater Serge erhielt als einziger von YOUNIB das Visum, seine sieben jungen Mitstreiterinnen und Mitstreiter dagegen nicht. Die deutschen Botschaften unterstellen den jungen Antragstellern pauschal, nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren zu wollen, da sie keine Ehepartner, Kinder oder Immobilien nachweisen können. Aber wer hat das alles als junger Mensch in Nairobi schon?

Wenn das Auswärtige Amt diese diskriminierende Praxis der Botschaften in Afrika nicht unterbindet, wird es keine Zukunft mehr für die weltkirchliche Jugendbegegnung mit Afrika in Deutschland geben. Das können wir uns in dieser friedlosen Zeit aber nicht leisten. Haben wir aus unserer Geschichte nicht gelernt?


Der Autor ist Pressesprecher von „missio - Internationales Katholisches Hilfswerk“.

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