Der Papst gab den Impuls

Seit 25 Jahren baut Renovabis „lebendige Brücken“ nach Mittel-und Osteuropa. Von Sebastian Sasse
Papst Johannes Paul II. reist nach Polen
Foto: dpa | „Das Antlitz der Erde wird neu“: Papst Johanes Paul II. zitierte bei seinem Besuch 1979 in Polen den Psalm 104. Diesen Impuls nahmen die Gründer von Renovabis im Namen des Hilfswerkes auf.

Sende aus Deinen Geist.“ Johannes Paul II. besucht seine Heimat Polen. Hundertausende sind gekommen, um ihren Landsmann zu sehen, der wie kein anderer für die Widerstandskraft gegen das kommunistische Regime steht. Nun predigt er zu seinen Landsleuten: „Sende aus Deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu.“ – „Dieser Erde.“ Der Papst stößt wie zur Bestätigung dieses Verses aus Psalm 104 mit seinem Hirtenstab auf den Boden. Das war 1979 – zehn Jahre später brach tatsächlich der Kommunismus zusammen und schon wenige Zeit später dachten in dem frisch vereinigten Deutschland Katholiken darüber nach, wie sie diesen Umbruchprozess unterstützen könnten. So entstand die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, gegründet von der Bischofskonferenz, angeregt durch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Der Name ist Programm: „Renovabis“ (Renovabis faciem terrae – Du (Gott) wirst das Antlitz der Erde erneuern.) So nahmen die Initiatoren ganz bewusst Bezug auf den Psalm 104 und die Sätze Johannes Pauls: Er hatte damals die Erneuerung erbeten – nun war sie eingetreten und musste gestaltet werden. Gerade von Katholiken.

Dankbarkeit gegenüber den deutschen Katholiken

Das ist nun 25 Jahre her: Am vergangenen Wochenende feierte Renovabis in der Katholischen Akademie in Berlin Jubiläum: Mit einer Festmesse, einem Festakt, mit einem Kongress – vor allem aber mit ganz vielen Möglichkeiten der Teilnehmer, die aus ganz Osteuropa angereist waren, einander zu begegnen. „Familiär“, so erklärte denn auch der Geschäftsführer des Hilfswerkes, Pfarrer Christian Hartl, sei die Atmosphäre immer bei Renovabis-Projekten, zugleich aber auch „höchst kompetent“ in der Durchführung. Das belegen auch die Zahlen: In 29 Staaten Mittel-, Ost- und Südosteuropas hat das Hilfswerk mit einem Gesamtvolumen von 715 Millionen Euro seit der Gründung rund 23 000 Projekte mitverwirklicht. Der größte Teil des Geldes stammt aus Spenden. Er kommt von den deutschen Katholiken also selbst. Ihnen dankte Christian Hartl daher auch ausdrücklich. Ohne diese große Unterstützung sei die Arbeit des Hilfswerkes nicht möglich. Das Werk orientiert sich in seiner Arbeit an den Prinzipien der Katholischen Soziallehre: Solidarität, Subsidiarität und Partnerschaft. Der Grundgedanke dahinter lautet dabei immer: Hilfe zur Selbsthilfe.“

Unterstützt wird etwa der Bau von Kirchen und Gemeindezentren. Das Werk investiert in die Ausstattung von Familien-, Frauen- und Jugendzentren und sichert den Unterhalt von Heimen für Waisen- und Straßenkinder. Renovabis beteiligt sich aber auch an der Ausbildung von Priestern, Ordensleuten und in der Seelsorge tätigen Laien. Auch das katholische Schulwesen und zahlreiche Ausbildungsprojekte stehen auf der Förderliste des Hilfswerkes.

Wichtig ist aber immer die persönliche Begegnung: Sie wird vor allem durch die vielen hundert Partnerschaften möglich, die Renovabis zwischen Menschen in der östlichen und der westlichen Hälfte Europas vermittelt. Rund 1 200 solcher Partnerschaftsgruppen werden durch Renovabis unterstützt. So ermöglicht man persönlichen Erfahrungsaustausch: Die Partnerschaftsgruppen werden zu „lebendigen Brücken der Verständigung“.

Eine „Zivilisation der Liebe“ – dieses Ziel zeigte Reinhard Kardinal Marx in seiner Predigt in der Heiligen Messe zum Jubiläum auf. Auch er bezog sich dabei auf den heiligen Johannes Paul II. Denn genau diese Vorstellung von der Zukunft des Kontinentes hatte dieser während seines Pontifikates entwickelt. Es komme einerseits darauf an, „die Zeichen der Zeit“ zu erkennen. Dies hätten die deutschen Katholiken getan, indem sie Renovabis gründeten und so auf den historischen Umbruch in Mittel- und Osteuropa reagierten. Wichtig sei, so Marx, dass man die historische Aufgabe nicht darin erkenne, alte Zustände wiederherzustellen. Die Geschichte sei offen. Aufgabe der Christen sei es, sie zu gestalten. Und zwar aus dem Geist des Evangeliums.

„Ich empfinde es als ein besonderes Geschenk, dass es in Namen des Hilfswerkes heißt: ,Du wirst das Antlitz der Erde erneuern‘“, hob der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg während des Festaktes hervor. Denn so werde deutlich, dass trotz alle Notwendigkeit, die Herausforderungen selbst zu gestalten, doch der Impuls immer von Gott ausginge. Er sei es eben, der seinen Geist aussende.

Im letzten Jahr betrug das Projektbudget von Renovabis etwa 29,13 Millionen Euro. 691 Projekte wurden davon gefördert. Der Etat setzt sich unter anderem vor allem aus Kirchensteuermitteln, der Pfingstkollekte, aus Spenden, Stiftungserträgen, Erbschaften und Nachlässe sowie öffentlichen Mitteln zusammen.

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