Daniel Ortega bekennt sich nun ganz offen zur Diktatur: „Sie können es vergessen, hier in Nicaragua wird es keine Wahlen mehr geben, bei denen sie versuchen könnten, die Regierung zu übernehmen und die Macht an sich zu reißen.“ Die Macht hat Ortega längst an sich gerissen und äußerst blutig gegen Oppositionelle, Kritiker, Journalisten und Demonstranten verteidigt. Er teilt sie lediglich mit Rosario Murillo – seiner Lebensgefährtin seit 1978 und Ehefrau seit 2005 –, die er verfassungswidrig zur Ko-Präsidentin erhob.
Wie alle Diktatoren bemüht auch Ortega ein externes Feindbild, um den totalitären Ausbau seiner Macht und das brutale Vorgehen gegen Dissidenten aller Art zu rechtfertigen: Die USA würden finstere Kräfte in Nicaragua fördern, um die Macht zu ergreifen. Gleichzeitig baut die Familientyrannei Ortega-Murillo, die ihre sieben Kinder in Schlüsselpositionen verankert und finanziell ausgestattet hat, wirtschaftlich und militärisch auf zwei Weltmächte: Russland und China.
Linke in Europa priesen das „Modell Nicaragua“
All das ist wenig überraschend, wenn man Ortegas kommunistisches Menschen- und Weltbild kennt und ernst nimmt. Angesichts der vielen, die Ortegas Terrorherrschaft ins Exil getrieben, zu Opfern seines Willkürregimes gemacht oder schlicht getötet hat, wäre jedoch bei den Linken in Europa Umkehr und Schuldbekenntnis angesagt. In Deutschland und Österreich feierten einst Dutzende „Solidaritätskomitees Nicaragua“ die Machtergreifung der Sandinisten, Intellektuelle priesen das „Modell Nicaragua“.
In kirchlichen Kreisen lauschte man mit glänzenden Augen und offener Bewunderung dem irrlichternden Dichtertheologen Ernesto Cardenal, den die Sandinisten zum Kulturminister machten und der behauptete, in Nicaragua werde der neue Mensch geboren. „Die neue Gesellschaft ist das Gleiche wie das Reich Gottes auf Erden“, sagte der Befreiungstheologe und suspendierte Priester Ernesto Cardenal, und: „Das Evangelium hat mich zum Marxisten gemacht.“
Ratzinger hatte Recht
So mancher erklärte einst in linkskatholischer Verzückung Nicaragua zum Prototyp befreiungstheologischer Visionen, verklärte die Sandinisten zu Erlösergestalten und vertrat die These, das Reich Gottes könne tatsächlich im Hier und Heute – gerne auch mit ein wenig Gewalt – verwirklicht werden. Wer sich angesprochen fühlt, ist jetzt herzlich eingeladen, zu bekennen, dass Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation bereits in den 1980er Jahren prophetisch vor solchen Illusionen warnte. Die Gewaltorgien, unter denen Nicaragua seit vielen Jahren leidet, waren im Menschenbild Ortegas immer schon angelegt.
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