Das Nordkorea Afrikas

Eritrea leidet unter einer marxistischen Diktatur – Der Druck auf die Kirche verschärft sich. Von Carl-Heinz Pierk
Flüchtlinge kommen in Europa an
Foto: dpa | Für viele Eritreer der einzige Ausweg aus der Diktatur: Die Flucht aus ihrer Heimat. Sie nehmen dafür auch die Gefahren des Fluchtweges in Kauf.

Nordkorea liegt in Afrika: Eritrea, der kleine Staat im Osten des Kontinents, ist von der Welt ähnlich abgeschottet wie das totalitäre System von Kim Il-sung, die eritreische Diktatur ist auch ähnlich brutal. Das Regime unterdrückt Meinungs- und Religionsfreiheit, Männer und Frauen werden zu unbegrenztem Wehrdienst eingezogen. Es gibt zahlreiche Zwangsrekrutierungen, in Polizeigewahrsam wird gefoltert. Ein Viertel der 10 000 politischen Gefangenen ist aus religiösen Gründen inhaftiert. Mehr als 300 000 der fünf Millionen Eritreer sind bereits aus ihrer Heimat geflüchtet.

In Erinnerung sind die schockierenden Fotos mit den Leichensäcken von fast 400 Flüchtlingen, die am 3. Oktober 2013 vor der italienischen Insel Lampedusa ertranken. Es waren hauptsächlich Menschen aus Eritrea. Papst Franziskus verurteilte damals „die Gleichgültigkeit gegenüber jenen, welche die Sklaverei, den Hunger fliehen, um die Freiheit zu suchen, doch stattdessen den Tod finden“.

Die Repressionen des Regimes richten sich in jüngster Zeit verstärkt gegen die katholische Kirche, wie Hans-Peter Hecking, Afrika-Referent des katholischen Hilfswerks missio in Aachen, gegenüber dieser Zeitung berichtet. Das Regime beruft sich dabei auf ein Gesetz aus dem Jahr 1995, demzufolge der Staat alle sozialen Aktivitäten für sich beansprucht. Diese dürften nicht von privaten Institutionen oder gar von religiösen Einrichtungen durchgeführt werden. Mit dieser laut Hecking „lächerlichen Begründung“ wurde eine seit 60 Jahren bestehende katholische Schule in der Hauptstadt Asmara nun für einige Tage geschlossen. Und nicht nur das: Die Generalsekretärin des Bistums und der Direktor der Schule kamen für mehrere Tage in Haft. Nach langen Verhandlungen mit Regierungsbeamten konnte die Schule wieder geöffnet werden. Hintergrund der Aktion seien vermeintliche „Unregelmäßigkeiten“ an islamischen und orthodoxen Schulen gewesen, erläutert Hecking. Der Staat habe diesen Anlass als Vorwand genutzt, seine Daumenschrauben auch gegenüber den Katholiken anzuziehen.

Ein Dorn im Auge des Regimes sind zudem die katholischen Kliniken. Von den 28 Krankenhäusern mussten mehrere schließen, weil sie sich angeblich dem staatlichen Gesundheitssystem widersetzten. Unverhohlen hatten bereits vor Jahren die staatlichen Behörden mit der Verstaatlichung kirchlicher Schulen und Kliniken gedroht, mit der Enteignung von Kirchenland und dem Entzug von Arbeitsgenehmigungen.

Seit 1993 ist Eritrea eine unabhängige Nation, in der die marxistische People's Front for Democracy and Justice (PFDJ) unter der Führung von Präsident Isaias Afewerki uneingeschränkte Macht ausübt. Christen wurden seither verhaftet, angegriffen und getötet, weil sie als „Agenten des Westens“ gesehen werden. Die 1997 verabschiedete Verfassung garantiert zwar Religionsfreiheit, ist jedoch noch nicht in Kraft getreten. Staatlich anerkannt sind die Eritreische Koptisch-Orthodoxe Kirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche Eritreas, die Katholische Kirche und der sunnitische Islam. Alle anderen Religionsgemeinschaften müssen detaillierte Auskünfte über ihre Finanzen, Mitglieder und Aktivitäten geben. Manche der verhafteten Christen sind noch nach zwölf Jahren im Gefängnis. Einige der Gefangenenlager sind die Polizeistationen in der Hauptstadt Asmara, teilte das Hilfswerk „Open Doors“ dieser Zeitung mit. Häftlinge müssten jahrelang in Metallcontainern in der Wüste bei Hitze und Kälte verbringen, ohne ausreichend Raum, Nahrung und Wasser.

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