"Das ,C' ist ein zu hoher Anspruch"

„Sternberg ist keine kirchliche Autorität“: Pater Ockenfels weist ZdK-Kritik an seiner Mitarbeit bei der AfD-Stiftung zurück. Von Oliver Maksan
Eucharistischer Kongress
Foto: KNA | Pater Wolfgang Ockenfels ist Leiter des Instituts für Gesellschaftswissenschaften Walberberg und Chefredakteur der „Neuen Ordnung“.

Pater Ockenfels, Sie sind Mitglied im Kuratorium der AfD-nahen Parteistiftung. ZdK-Chef Sternberg kritisiert, dass Sie sich als Priester im Rahmen einer rechtsradikalen Partei engagieren. Tatsächlich gibt es einen völkischen Flügel um Höcke. Stellt Sie das nicht vor Gewissensprobleme?

Herr Sternberg ist für mich keine kirchliche Autorität, sondern ein Parteiinteressenvertreter, der die Merkel-Politik absegnet. Sein „Zentralkomitee“ ist nicht repräsentativ für „die“ deutschen Katholiken, wird aber durch die Kirchensteuer finanziert. Schon die Bezeichnung ist anmaßend, sie erinnert an die unseligen Zeiten des SED-Zentralkomitees. Herr Steinberg diffamiert eine demokratische konservative Partei als „rechtsradikal“ und unterstellt mir ein Engagement „im Kontext“ dieser Partei.

 

Dabei führe ich lediglich Gespräche mit einer Partei und ihrer Stiftung, die das programmatische Defizit der CDU zu kompensieren versucht. Übrigens habe ich auch schon mit Gregor Gysi ein interessantes Gespräch geführt, das hat die Zeitschrift „Cicero“ ausführlich dokumentiert.

Ich praktiziere jene Dialogbereitschaft, die andere nur proklamieren. Und was den sogenannten Höcke-Flügel betrifft, stellt der mich nicht vor ein Gewissensproblem, sondern vor die sachliche Frage, ob und wie weit Begriffe wie Volk und Nation mit der katholischen Soziallehre kompatibel und sozialethisch relevant sind.

Was wollen Sie als katholischer Sozialethiker in die Stiftungsarbeit einbringen?

Ich trete dort nicht als Missionar auf, sondern freue mich auf viele anregende Diskussionen. Freilich werde ich versuchen, argumentativ und offensiv die klassischen Prinzipien der katholischen Soziallehre geltend zu machen.

Das Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg, dem Sie vorstehen, ist eine christdemokratische Institution. Begehen Sie keinen Verrat an den Idealen Ihres Hauses? Oder ist die AfD die neue CDU?

Da muss ich Sie korrigieren: Das „Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg“ ist keine CDU-Institution. Die rheinische CDU wurde zwar Ende 1945 im Kloster Walberberg gegründet, und die geistigen Väter waren zwei Dominikaner namens Eberhard Welty und Laurentius Siemer. Die haben damals einen „christlichen Sozialismus“ vertreten, der sich aber in der CDU programmatisch nicht durchgesetzt hat. Auch waren die Vorsitzenden des Instituts keineswegs alle CDU-Mitglieder. Mein Vorgänger, Pater Basilius Streithofen, war zwar engagiertes Mitglied, hat aber seiner Partei oft die Leviten gelesen. Das war unter Helmut Kohl noch möglich und sogar erwünscht. Seit über fünfzig Jahren bin ich Mitglied dieser Partei, allerdings mit wachsendem Missvergnügen. Ich habe dieser Partei einiges ins Stammbuch geschrieben. Aber Kritik an der Merkel-Linie ist nicht erwünscht. Gründung und Erfolg der AfD kamen nicht überraschend, sie sind die Konsequenz aus den Mängeln der CDU-Politik.

Die AfD ist laut Parteichef Gauland explizit keine christliche Partei. Warum engagieren Sie sich nicht bei der CSU, wenn Ihnen die CDU zu mainstreamig ist?

Das „C“ ist ein allzu hoher Anspruch, den eine politische Partei kaum erfüllen kann. Das gilt auch für die CSU, die freilich ihr Profil, ihre Identität, besser bewahren konnte als die CDU. Die AfD ist – wie auch die grün-rot-liberalen Parteien – nicht ausdrücklich „christlich“, aber sie vertritt naturrechtliche Positionen, die sie auch für Christen attraktiv machen. Etwa in Fragen des Lebensschutzes, der Familienpolitik, der Islamkritik und Genderproblematik.

Mit dem atheistischen Biologieprofessor Kutschera oder dem Homosexuellen-Aktivisten David Berger sind Personen Ihre Kollegen im Kuratorium, deren Ideen oder Lebenswandel nicht unbedingt katholisch ist. Kein Problem für Sie?

Die beiden genannten Persönlichkeiten sind jedenfalls sehr anregende, kompetente Gesprächspartner. Und die sucht man sich nicht nach sexuellen Präferenzen und religiösen Bekenntnissen aus. Und wer heute nicht einmal als „umstritten“ gilt, ist meist auch belanglos.

Kirche und AfD finden keinen Zugang zueinander. An wem liegt das? Und wie lässt es sich ändern?

Vielleicht sollten beide Seiten zunächst einmal verbal abrüsten. Das bedeutet den Verzicht auf primitive Polemik, Diffamierung und Denunziation. Den sonst stets von ihnen geforderten Dialog sollten besonders die Kirchen ernstnehmen und dann auch beherzt wahrnehmen. Und umgekehrt sollten die AfD-Vertreter zu vernünftigen Gesprächen bereit sein. Gute Umgangsformen sind eine Voraussetzung für gegenseitiges Verständnis. Dann wird man auch zu Fragen des Kirche-Staat-Verhältnisses neue Antworten finden können.

 

Hintergrund

Die Desiderius Erasmus Stiftung ist seit dem vergangenen Parteitag der AfD die politische Stiftung der Partei. Vorsitzende ist die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach. Dem Kuratorium gehören neben Pater Wolfgang Ockenfels unter anderem der Historiker Karlheinz Weißmann, der Publizist David Berger, Biologieprofessor Ulrich Kutschera oder die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Angelika Barbe ab. Ockenfels ist für seinen Eintritt in das Gremium kritisiert worden: „Wie kann ein Dominikanerpater und früherer Berater der CDU sich dazu hergeben, sich im Kontext einer rechtsradikalen Partei zu engagieren“, so ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

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