Leitartikel

COP 26 – unsere (letzte) Chance?

Einer, der genau verstanden hat, worum es bei der Klimakonferenz in Glasgow geht, ist Papst Franziskus. Er ist aber nicht dabei.
nördlicher Bereich der Erde, Arktis, mit Sonne im Hintergrund
Foto: visdia (32258612) | COP26 ist eine Klimakonferenz, die kaum erfolgreich enden kann.

Es ist bereits die 26. Konferenz ihrer Art, die UN-Klimakonferenz in Glasgow, kurz: COP26. Nach Inkrafttreten der Klimarahmenkonvention als eines der Ergebnisse der Konferenz von Rio 1992 trifft sich die Weltgemeinschaft Jahr für Jahr, um konkrete Konsequenzen zu beschließen. Die Meilensteine kennen wir: Kyoto (1997) und Paris (2015). Nun soll in Glasgow ein weiteres Kapitel folgen.

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Letzte Chance

Aufgeschoben wegen der Corona-Pandemie, überfrachtet mit angestauten Erwartungen und unter dem Druck aktueller Forschungsergebnisse, die ziemlich eindeutig besagen, dass alles noch viel schlimmer ist als gedacht, sprechen einige von der „letzten Chance“ der Menschheit, das Ruder doch noch herumzureißen. Das klingt alarmistisch, entspricht aber den jüngsten wissenschaftlichen Befunden.

Jemand, der ganz genau begriffen hat, worum es bei der COP26 geht, ist in Glasgow leider nicht dabei: Papst Franziskus. Der Heilige Vater hat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Vatikan aus mit deutlichen Worten ermahnt, eine „unbewohnbare Welt“ durch „radikale Entscheidungen“ zu verhindern.

Kohlekraftwerke abschalten

Druck aus der Wissenschaft, Forderungen aus dem Vatikan, lautstarke Proteste auf der Straße – COP26 ist eine Klimakonferenz, die ob dieser Vorzeichen kaum erfolgreich enden kann, es sei denn die USA schaffen den Ein-Auto-Haushalt, China und Indien schalten ihre Kohlekraftwerke ab und die EU verpflichtet sich, den Flugverkehr einzustellen. Das alles ist jedoch nicht zu erwarten.

Was kann erwartet werden? Das Minimalziel besteht in der konsequenten Fortschreibung des Abkommens von Paris, das heißt der Konkretisierung von Maßnahmen, die von den Staaten verbindlich einzuhalten sind, um das ambitionierte „deutlich unter 2-Grad“-Ziel doch noch zu erreichen. Dazu ist es unerlässlich, dass alle Staaten die gegebene „Netto-Null“-Zusage für 2050 einhalten, also nur noch so viel Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre blasen wie dies von natürlichen Senken kompensiert werden kann.

Dekarbonisierte Wirtschaft

Zurzeit steuern wir auf eine Erwärmung von 2,7 Grad zu. Die Differenz scheint geringfügig, doch der Einsatz lohnt sich. Wir wissen, dass ein beträchtlicher Teil der Klimaprobleme einer „deutlich über 2-Grad“-Welt, die zu erwarten ist, wenn Glasgow scheitert und infolgedessen zu wenig geschieht, in einer „deutlich unter 2-Grad“-Welt nicht auftreten werden.

Es geht in Glasgow aber nicht nur um Kohlenstoffdioxid, sondern auch um Kohle, denn Klimaschutz kostet erst einmal Geld, obgleich wir wissen, dass sich die Investition lohnt und langfristig einen großen Nutzen für die Volkswirtschaften hat; eine aktuelle Studie prognostiziert allein für die USA bei konsequentem Klimaschutz 163 Billionen US-Dollar Einsparung bis zum Jahr 2050. Doch zunächst muss investiert werden, weltweit. Damit steht die globale Gerechtigkeit ganz oben auf der Agenda. Es muss sichergestellt sein, dass die Industrieländer ihr Versprechen aus 2009 (COP15, Kopenhagen) einhalten, den ärmeren Ländern jährlich 100 Milliarden US-Dollar bereitzustellen. Wird das nicht erreicht – die faire Aufteilung der Lasten der Transformation zur dekarbonisierten Wirtschafts- und Lebensweise –, wäre die COP26 gescheitert und eine große Chance vertan. Ob es tatsächlich die letzte ist, weiß niemand. Dass die Zeit drängt, sollte jeder wissen.

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