Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Gastkommentar

Christenverfolgung findet statt

Nur wechselseitige Gewalt zwischen Hirten und Bauern? Eine Faktensuche zur Christenverfolgung in Nigeria.
Geköpfte Statue in Nigeria
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Seit Jahren werden Christen in Nigeria verfolgt. Im Bild eine geköpfte St.-Patrick-Statue nach einem Boko-Haram-Angriff 2015.

Nigeria spielt eine Schlüsselrolle. Schon heute werden dort jährlich mehr Kinder geboren als in Europa und den USA zusammen. Stabilität in Nigeria ist wichtig für alle. Dazu gehört auch, dass Christen frei und sicher leben können. In einem viertägigen Besuch mit dem früheren slowakischen Premierminister Eduard Heger und dem Schweizer Abgeordneten Marc Jost ermutigten wir die nigerianischen Christen und unterstützten sie politisch.

Lesen Sie auch:

Die Gewalt in Nigeria hat viele Ursachen. Doch die häufig von liberalen Politikern vertretene These, es gebe keine gezielte Christenverfolgung, ist falsch. Meine Analyse ergab, dass erstens die Christen einen überproportional hohen Anteil der Gewaltopfer stellen. Zwar sind auch Muslime betroffen, etwa durch ethnische Konflikte, Ausrichtungsstreit oder wirtschaftliche Interessen. Dennoch bleibt festzuhalten: Christen sind besonders häufig Ziel. Straflosigkeit verstärkt den Kreislauf der Gewalt. Zweitens stammen die Täter laut Experten nahezu ausschließlich aus islamistischem Kontext, etwa bei Gruppen wie Boko Haram. Ein christliches Gegenstück existiert nicht. Religiös begründete Gewalt geht nicht von Christen aus.

Drittens zeigen Betroffenenberichte klare Muster: zerstörte Kirchen, verschonte Moscheen, gezielte Angriffe auf christliche Häuser. Viertens verweisen Experten zudem auf einen globalen dschihadistischen Kontext. Seit rund 20 Jahren wenden zwölf Bundesstaaten die Scharia an. Fälle von Repression und struktureller Diskriminierung von Christen sind öffentlich bekannt und dokumentiert. Ja, nicht jeder Gewaltausbruch ist christenfeindlich. Und ja, die Spannungen haben auch historische Ursachen wie koloniale Strukturen, Armut, mangelnde Bildung und die Ausdehnung der trockenen Gebiete, die zum Beispiel Fulani-Hirten zu Räubern werden lassen.

Was tun? Nötig sind funktionierende Sicherheitsstrukturen, eine strenge Justiz und vor allem Bildung und Perspektiven sowie Aufarbeitung und Versöhnungsprozesse. Wir Europäer müssen die Realität deutlich benennen und keinen Zweifel daran lassen, dass wir die Gewalt, insbesondere gegen Christen, nicht akzeptieren.

Die Autorin ist Abgeordnete im österreichischen Parlament und Sprecherin für Menschenrechte, Entwicklungszusammenarbeit und Internationale Entwicklung für die ÖVP.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Gudrun Kugler Boko Haram Österreichische Volkspartei Österreichisches Parlament

Weitere Artikel

Am RedWednesday erstrahlen überall auf der Welt prominente Gebäude. Um auf das Schicksal der Verfolgten aufmerksam zu machen. Wie sehen die christlichen Hilfwerke die Lage?
16.11.2025, 09 Uhr
Thomas Müller Sebastian Sasse
Im Europaparlament schildert Bischof Wilfred Chikpa  Anagbe die brutale Christenverfolgung. Seine Warnung: Wer nicht handele, riskiere die Flüchtlings- und Terrorkrise von morgen.
29.11.2025, 09 Uhr
José García
US-Präsident Donald Trump will die Christenverfolgung im Norden Nigerias mit der Androhung eines Militärschlags stoppen. Hilfsorganisationen äußern sich zurückhaltender zur Lage.
06.11.2025, 09 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Bereits 14.000 Anmeldungen für die traditionelle Wallfahrt von Paris nach Chartres. Organisatoren sprechen von Aufwärtstrend.
08.04.2026, 18 Uhr
Meldung
Über 21.000 Jugendliche und Erwachsene wurden in Frankreich in der Osternacht getauft. Auch anderorts nehmen die Täuflinge zu, doch Zahlen sind nicht alles.
08.04.2026, 17 Uhr
Franziska Harter
Papst Leo besucht Kamerun: In dem mehrheitlich christlichen Land erwartet ihn eine lebendige Ortskirche.
08.04.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
Hat die Kirche jahrhundertelang die eigene Botschaft verraten? Weihbischof Ludger Schepers warnt vor Tradwifes und betont, sexuelle Vielfalt sei „kein modernes Konstrukt“.
07.04.2026, 18 Uhr
Meldung
Vielfältig, lebendig, bedroht: Der nigerianische Priester Ezekiel Oko schildert Freud und Leid der afrikanischen Christen in Kamerun und im angrenzenden Nigeria.
07.04.2026, 17 Uhr
Esther von Krosigk