Nigeria spielt eine Schlüsselrolle. Schon heute werden dort jährlich mehr Kinder geboren als in Europa und den USA zusammen. Stabilität in Nigeria ist wichtig für alle. Dazu gehört auch, dass Christen frei und sicher leben können. In einem viertägigen Besuch mit dem früheren slowakischen Premierminister Eduard Heger und dem Schweizer Abgeordneten Marc Jost ermutigten wir die nigerianischen Christen und unterstützten sie politisch.
Die Gewalt in Nigeria hat viele Ursachen. Doch die häufig von liberalen Politikern vertretene These, es gebe keine gezielte Christenverfolgung, ist falsch. Meine Analyse ergab, dass erstens die Christen einen überproportional hohen Anteil der Gewaltopfer stellen. Zwar sind auch Muslime betroffen, etwa durch ethnische Konflikte, Ausrichtungsstreit oder wirtschaftliche Interessen. Dennoch bleibt festzuhalten: Christen sind besonders häufig Ziel. Straflosigkeit verstärkt den Kreislauf der Gewalt. Zweitens stammen die Täter laut Experten nahezu ausschließlich aus islamistischem Kontext, etwa bei Gruppen wie Boko Haram. Ein christliches Gegenstück existiert nicht. Religiös begründete Gewalt geht nicht von Christen aus.
Drittens zeigen Betroffenenberichte klare Muster: zerstörte Kirchen, verschonte Moscheen, gezielte Angriffe auf christliche Häuser. Viertens verweisen Experten zudem auf einen globalen dschihadistischen Kontext. Seit rund 20 Jahren wenden zwölf Bundesstaaten die Scharia an. Fälle von Repression und struktureller Diskriminierung von Christen sind öffentlich bekannt und dokumentiert. Ja, nicht jeder Gewaltausbruch ist christenfeindlich. Und ja, die Spannungen haben auch historische Ursachen wie koloniale Strukturen, Armut, mangelnde Bildung und die Ausdehnung der trockenen Gebiete, die zum Beispiel Fulani-Hirten zu Räubern werden lassen.
Was tun? Nötig sind funktionierende Sicherheitsstrukturen, eine strenge Justiz und vor allem Bildung und Perspektiven sowie Aufarbeitung und Versöhnungsprozesse. Wir Europäer müssen die Realität deutlich benennen und keinen Zweifel daran lassen, dass wir die Gewalt, insbesondere gegen Christen, nicht akzeptieren.
Die Autorin ist Abgeordnete im österreichischen Parlament und Sprecherin für Menschenrechte, Entwicklungszusammenarbeit und Internationale Entwicklung für die ÖVP.
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