Burkard Dregger

Der Erbe. Von Sebastian Sasse
Burkard Dregger

Politik ist nicht nur kalte Rationalität, Politik braucht auch Mythen. Im Zentrum dieser Mythen stehen Helden. Die politische Linke hat solche Heldengestalten (Willy Brandt, Rudi Dutschke, Joschka Fischer), die Konservativen in der Bundesrepublik aber auch. In ihrer Galerie hängen die Porträts von Konrad Adenauer, Franz Josef Strauß, Helmut Kohl – und von Alfred Dregger. Ist es leicht, Sohn einer solchen Heldengestalt zu sein? Die Beispiele Kohl und Strauß scheinen eine negative Antwort nahezulegen. Bei Burkard Dregger aber, der den Vorsitz der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus gestern übernommen hat, kann man von so einer Last nichts spüren. Im Gegenteil: Der 54-Jährige bekennt sich stolz zu dem politischen Erbe seines Vaters. Gerade auch dann, wenn er der Meinung ist, dass es von falscher Seite für sich reklamiert wird. So hat Dregger junior deutlich herausgestellt: Die AfD wäre für seinen Vater keine Alternative gewesen. Nicht nur, weil der leidenschaftlicher Patriot und gleichzeitig leidenschaftlicher Europäer gewesen ist. Eine Rolle spielt hier auch die feste Verwurzelung im katholischen Glauben – sie gilt für den Vater wie für den Sohn.

Burkard Dregger kann deswegen selbstbewusst auftreten, weil er längst bewiesen hat, dass er Politiker aus eigenem Recht ist. Profil zeigte der 54-jährige Jurist etwa in den letzten Monaten als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses im Fall Anis Amri. Trotzdem: Dregger – der Name ruft noch immer bei vielen Anhängern der Union Sehnsucht, gleichzeitig aber auch Hoffnung hervor. Dregger senior verkörperte alles das, was die Union unter Merkel nicht mehr ist, vielleicht nicht mehr sein kann, oft einfach nicht mehr sein will. Alfred Dregger gilt auch 16 Jahre nach seinem Tod als der Konservative in der Union schlechthin, der übrigens immer deutlich hervorhob, dass die Wurzel dieser konservativen Grundhaltung, zu der ganz selbstverständlich auch Vaterlandsliebe gehört, im „C“ wurzelt. Ihn störte es auch nicht, wenn seine Gegner, von denen es auch einige in der eigenen Partei gab, sein öffentliches Bild verzerrten und ihn als „Stahlhelmer“, „Django“ oder „Schwarzen Sheriff“ verspotteten. Solche standfesten Konservativen in der Union werden heute von vielen schmerzhaft vermisst. Können sie nun auf den Sohn hoffen? Zunächst steht Burkard Dregger erst einmal vor anderen Herausforderungen: Die ziemlich desolate Hauptstadt-CDU braucht dringend eine Erneuerung. Sollte er diese Herkules-Aufgabe lösen – unzählige Vorgänger sind in den letzten 20 Jahren gescheitert – dann wäre das allerdings eine gute Voraussetzung, auch bundespolitisch durchzustarten.

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