Corona-Management

Aus Fehlern lernen

Der sich weitende Blick auf die Pandemie sollte nicht dazu verleiten, Schuldige ausfindig machen und abstrafen zu wollen. Es darum gehen, Fehler zu identifizieren und zu benennen, um aus ihnen zu lernen. Ein Kommentar.
Ethikrats-Vorsitzende Alena Buyx
Foto: Christian Ditsch via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Alena Buyx nennt im Gespräch mit der Tagespost auch Fehler im Management der Pandemie. Nicht plakativ und anklagend, sondern differenziert und wertschätzend, um die Monstrosität der Aufgabe wissend.

Die Spirale der Angst ist nicht endlos. Über weite Strecken der Pandemie schien das anders. Doch in dem Maße, in dem die Angst vor der Virusvariante Omikron schwindet, weitet sich nun der Blick, beginnt anderes ins Sichtfeld zu drängen. Dinge, die vorher auch schon da waren, aber ausgeblendet wurden. Ob geflissentlich, fahrlässig oder - in der Hitze des Gefechts - versehentlich, wer vermag das schon mit Bestimmtheit zu sagen? Zu dem neu Gesehenen und öffentlich Bedachten gehören nun auch die Kollateralschäden. Allen voran die sekundäre Krankheitslast, die bei Kindern und Jugendlichen besonders schwer wiegt.

Wo noch "Luft nach oben" ist

Im Interview mit der Tagespost äußert sich dazu auch die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx. Dabei benennt die Medizinethikerin, Philosophin und Soziologin, die im vergangenen Jahr "für ihren Einsatz für den gesellschaftlichen Zusammenhalt während der Coronakrise" mit dem "Deutschen Nationalpreis" geehrt wurde, auch Fehler im Management der Pandemie. Nicht plakativ und anklagend, sondern differenziert und wertschätzend, um die Monstrosität der Aufgabe wissend. Wer das Interview aufmerksam liest, wird feststellen, dass die Kommunikation einzelner Sachverhalte nicht das Einzige ist, was aus Sicht der gebürtigen Münsterländerin, zu deren Natur offenbar gehört, um Ausgleich bemüht zu sein, noch "Luft nach oben" hat.

"Wir werden in ein paar Monaten einander wahrscheinlich viel verzeihen müssen", orakelte im Frühjahr 2020 mit dem damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn ein anderer Münsterländer. Ein Satz, der sich als durch und durch wahr erwiesen hat und daher auch zu denen zählt, die die Pandemie überdauern werden.

Und in der Tat: Der sich weitende Blick sollte nicht dazu verleiten, nun Schuldige ausfindig machen und abstrafen zu wollen. Stattdessen muss es darum gehen, Fehler zu identifizieren und zu benennen, um aus ihnen zu lernen und sie nicht wiederholen zu müssen. Christen, die von ihrem Namensgeber zur Nächsten- und sogar Feindesliebe gerufen sind, könnten hier mit gutem Beispiel vorangehen.

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Stefan Rehder Jens Spahn Medizinethiker

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