Kongress

Aufbruch für das Leben

Beim 1000plus-Kongress 2017 stand die „Kultur des Lebens“ im Vordergrund.
Weihbischof Thomas Maria Renz
Foto: 1000plus | Weihbischof Thomas Maria Renz gehört zu den Unterstützern.

Wie viele Köpfe braucht es, um die Welt zu verändern? Wenn man sich beim Kongress von 1000plus umhört, bekommt man den Eindruck: Vielleicht reicht es ja, wenn sich einige Hundert zusammentun. Denn so viele Menschen haben sich am vergangenen Wochenende in Fürstenfeldbruck bei München versammelt, um eines zu feiern: das Leben.

Das Projekt 1000plus hilft seit acht Jahren Schwangeren in Not. Gemeinsam mit den Frauen werden Lösungen gesucht, damit keine sich für eine Abtreibung entscheiden muss. Der zweitägige Kongress stand unter dem Motto „Kultur des Lebens“ – eine Formulierung, die Papst Johannes Paul II. mit seiner Enzyklika „Evangelium vitae“ zu einer Kernidee seines Pontifikats gemacht hat. Dass diese Gedanken vom Wert des Lebens heute vielleicht aktueller denn je sind, wollten die Veranstalter im gesamten Verlauf des Kongresses deutlich machen. Die Teilnehmer stammen aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz und Slowenien.

Kristijan Aufiero ist der Initiator von 1000plus. Er freut sich, zahlreiche Unterstützer zu begrüßen, ohne die das Wachstum der Organisation nicht möglich gewesen wäre, die mittlerweile Tausende von Frauen im Jahr berät. Zu den Unterstützern gehört auch Thomas Maria Renz, Weihbischof im Bistum Rottenburg-Stuttgart. Er stellt die Aktualität der Thesen von „Evangelium Vitae“ heraus – und zeigt sich gleichzeitig nachdenklich darüber, warum sie dennoch nicht in der nötigen Breite rezipiert werden. Auch aus eigener Erfahrung weiß Renz: „Wert des Lebens“ – bei diesem Thema siege oft das Vorurteil über Wissen. Auch gebe es ein Problem, sagt Renz, wenn Bischöfe über das Thema Abtreibung sprechen: Als Männer würde man ihnen oft nicht zutrauen, die Sache ganz aus eigener Perspektive verstehen zu können. Deswegen würden Frauen benötigt, die mit ihrer Meinung für den Wert des Lebens bürgen.

Eine solche Frau ist Schwester Anna Franziska Kindermann, die Generaloberin der Franziskanerinnen von Sießen. Sie stehen mit ihrer Spiritualität für die Schönheit jedes Lebens ein – und dafür, diese Einstellung in ihren Schulen an die nächste Generation weiterzugeben. Aber Anna Franziska Kindermann kennt das Thema nicht bloß aus geistlicher Sicht: Sie hat vor ihrem Eintritt in den Orden als Fachärztin für Psychotherapie gearbeitet und dort gemerkt, welche tiefe Wunden eine Abtreibung reißen kann. Dafür, dass es diese Wunden immer seltener geben muss, steht Cornelia Lassay. Sie leitet die Heidelberger Beratungsstelle von 1000plus und hat in über fünfzehn Jahren Beratungstätigkeit viel Erfahrung gesammelt. Wenn der Freund Druck zur Abtreibung macht und das ganze Umfeld sich gegen das Leben ausspricht, dann sind es Beraterinnen wie Lassay, die ein erster Ansprechpartner sind und helfen, gerade in der Bedrängnis noch eine positive Lebenseinstellung zu finden.

Herausforderung annehmen statt verzweifeln

Dafür steht auch Markus Rode. Er ist Vorsitzender der Hilfsorganisation Open Doors Deutschland, die sich weltweit für verfolgte Christen einsetzt. Rode zeigt, wie diese Christen auch in der größten Angst noch Freude an ihrem Glauben haben. Rode schildert, wie stark das Christentum unter Verfolgung leidet – und er weiß, was den Verfolgten am meisten hilft: das Gebet. Welchen Grundsätzen die Beratung folgt, unterstreicht der Logotherapeut Harald Schätz. Er folgt den Ideen des Wiener Psychiaters Viktor Frankl, in ihnen steckt der gesamte Ansatz und das Menschenbild, das der 1000plus-Beratung zugrunde liegt. Frankl musste als Jude eine Odyssee durch verschiedene Konzentrationslager durchmachen, verlor seine Familie – aber stand stets für eine positive Lebenssicht, die Herausforderungen auch in der größten Not annimmt, anstatt vor ihnen zu verzweifeln.

Drei Mitarbeiterinnen von 1000plus nehmen die Teilnehmer des Kongress mit in das Herzstück der Organisation: mitten hinein in die konkreten Fälle, in die Telefonate, Gespräche und E-Mails, die die Beraterinnen von 1000plus mit den Schwangeren führen. Es ist nicht ein bestimmter Typus Frau, der Hilfe sucht in der Schwangerschaft. Frauen jeden Alters, jeder Nationalität wenden sich an 1000plus und sind auf der Suche nach einer Stimme, die hilft anstatt zu verurteilen. Da gibt es die schon zweifache Mutter, die so hohe Ansprüche an die Erziehung ihrer Kinder hat, dass sie nicht weiß, ob sie einem dritten Kind gerecht werden kann. Da gibt es die Frau, die schon einmal abgetrieben hat und die es nie mehr tun will – und dann doch in den Zweifel gerät. Da gibt es die 15-Jährige, die von ihrem Umfeld eingeredet bekommt, dass ein Kind das Ende ihrer Zukunft wäre.

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