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Argumente gegen einen naiven Pazifismus

Die Vorstellung, Frieden wäre am besten ohne Waffen zu schaffen, scheitert an der Realität.
Soldaten des Heeres
Foto: IMAGO/Juliane Sonntag (www.imago-images.de) | Der Glaube, Frieden ohne Waffen schaffen zu können, erweist sich in der Realität als eine Täuschung.

„Frieden schaffen ohne Waffen“ – wenn man den Pazifismus in einem Motto zusammenfassen würde, das wäre es. Eine Welt ohne Krieg, Gewalt oder Waffen ist das Idealbild, das Pazifisten anstreben. Gerade in einer Zeit, in der die grauenhaften Bilder aus dem Krieg in der Ukraine und dem Krieg in Israel und Gaza regelmäßig über unsere Bildschirme flimmern, eine schöne Vorstellung, nach der sich viele Menschen sehnen. Wer, außer blutrünstigen Sadisten, könnte da schon etwas dagegen haben?

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Zweifellos ist es heutzutage beliebt, für den Frieden zu sein. Als Bertha von Suttners Roman „Die Waffen nieder“ Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlicht wurde, traf er auf eine militarisierte Gesellschaft. Zwei Weltkriege und über ein Jahrhundert Friedensbewegung später leben wir in Deutschland mittlerweile in einer Gesellschaft, die man durchaus als pazifiziert bezeichnen kann. Die Wehrpflicht wurde abgeschafft und die Bundeswehr befindet sich, was ihre militärischen Kapazitäten betrifft, trotz Zeitenwende wahrscheinlich immer noch in einem, höflich ausgedrückt, suboptimalen Zustand. Genau darin liegt auch eine Gefahr.

Wunsch statt Wirklichkeit

Aber der Glaube, Frieden wäre am besten ohne Waffen zu erreichen, muss wohl beim ersten Kontakt mit der Realität scheitern. Sobald ein Feind Waffen hat, wird man, wenn man selber davon keine oder weniger oder schlechtere besitzt, den Krieg bekommen oder sich ergeben müssen.

Damit gerät man in die Situation, die der Philosoph Ludwig Marcuse einmal so beschrieben hat: „Ein Friedlicher ist einer, der sich totschießen lässt, um zu beweisen, dass der Andere der Aggressor gewesen ist.“

Problematisch ist außerdem, dass sich die Vorstellung von einer friedlichen Welt an einem Wunsch und nicht an der Wirklichkeit orientiert. Selbst äußerst kleine Anlässe lassen Menschen regelmäßig miteinander in Konflikt geraten. Warum sollte das bei großen Scharen von Menschen, aus denen Staaten schließlich bestehen, anders sein? Wenn beide Seiten auf ihrem Standpunkt beharren, wird es zu Gewalt kommen, weil es das einzige Mittel ist, das noch übrig bleibt. Und selbst in einer Welt, in der alle Waffen vom Schwert bis zum Maschinengewehr abgeschafft und verboten wären, würde man eben mit Fäusten kämpfen. So ist die Natur des Menschen nun einmal, ob einem das gefällt oder nicht.

Auch andere Rechte sind wichtig

Schließlich ist es fragwürdig, warum gerade der Frieden das oberste Ziel sein sollte. Genauso wichtig, wenn nicht wichtiger, sind Höchstpersönliches wie Leben, Eigentum, und Familie. Ebenfalls wichtig sind Grundrechte wie zum Beispiel das Recht auf Glaubensfreiheit, die Pressefreiheit oder das allgemeine Wahlrecht, die unser Land erst lebenswert machen und die mitunter in blutigen Revolutionen erstritten worden sind. Gleichsam sind das die Dinge, auf die es bei einem Friedensschluss besonders ankommt.

Instinktiv ist den meisten Menschen wohl klar, dass der Pazifismus ein Irrweg ist. Gäbe es eine ernsthafte Bedrohung von außen, wäre es mit der Friedlichkeit schnell vorbei und man würde sich mit Waffengewalt verteidigen. Um in einem solchen Ernstfall die eigenen Interessen besser wahren und Menschenleben retten zu können, wäre man gut beraten, sich ein lateinisches Sprichwort öfter in Erinnerung zu rufen: „Si vis pacem para bellum.“ Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor.

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