Wien

Porträt der Woche: Christian Fiala

Zu den Faulen zählt der Wiener Arzt Christian Fiala wohl nicht. Was er tut, das tut er mit vollem Einsatz. Abtreiben etwa, denn das ist sein Job.
Wiener Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch
Foto: Sandra Walder (dpa) | Christian Fiala, „Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe“ und Gründer des „Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch“ (MUVS) ist nicht irgendein Abtreibungsarzt, sondern Österreichs bekanntester.

Es gibt keine faulen Heiligen. Aber auch der Teufel schläft nie. Faulheit und Müßiggang scheinen den Mittelmäßigen vorbehalten, und zu denen zählt der Wiener Arzt Christian Fiala wohl nicht. Was er tut, das tut er mit vollem Einsatz. Abtreiben etwa, denn das ist sein Job. Der „Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe“ und Gründer des „Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch“ (MUVS) ist nicht irgendein Abtreibungsarzt, sondern Österreichs bekanntester, lautester Abtreiber.

Zu Weihnachten eine Abtreibung finanziert

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Viele Jahre war er Vorsitzender der „Internationalen Vereinigung von Fachkräften und Verbänden zu Schwangerschaftsabbruch und Kontrazeption“ (FIAPAC), was viel seriöser klingt, als wenn man ihn als einen der global führenden Abtreibungslobbyisten bezeichnen würde. Im Advent 2019 lud er zu einem Benefizabend in Wien, um einer Frau zu Weihnachten eine Abtreibung zu finanzieren.

Auf der Internetseite seines Ambulatoriums wird Fiala so zitiert: „Mit jedem Schwangerschaftsabbruch rette ich das Leben einer Frau.“ Offenbar sieht sich der Mann mit einem Vierteljahrhundert Abtreibungserfahrung als Wohltäter. Zuletzt trat er als Werbeträger für Euthanasie auf, denn Fiala exponiert sich für die „Österreichische Gesellschaft für humanes Lebensende“, welche für eine „Entkriminalisierung der Sterbehilfe“ eintritt.

Derzeit macht Fiala als Corona-Kritiker Furore. Im Interview mit dem Online-Magazin des Ex-Politikers Peter Pilz meint er, Corona sei „nicht besonders ansteckend“, würde keine besonderen Maßnahmen rechtfertigen und sogar in Italien gebe es kaum Probleme. Eine von Fiala unterstützte Demonstration gegen die Regierungsmaßnahmen wurde in der Vorwoche von der Polizei aufgelöst. Zuvor hatte der Arzt die Maßnahmen als „medizinisch so unglaublich himmelschreiend kontraproduktiv“ bezeichnet.

Mit den Kirchen eher wenig am Hut

Aus diesem Mund ist der Ausdruck „himmelschreiend“ irgendwie irritierend. Tritt er nicht – beruflich wie ehrenamtlich – für all das ein, was der liebe Gott verboten hat? Zumindest dann, wenn es um den Gott geht, den die christlichen Kirchen beschreiben und verehren. Aber mit den Kirchen hat der Wiener Abtreibungsarzt eher wenig am Hut. Im Gegenteil: Fiala war einer der sieben Initiatoren der „Initiative gegen Kirchen-Privilegien“. Und wer sich auf einer recht praktisch angelegten Internetseite, die den Kirchenaustritt bewirbt, bis zum Impressum vorarbeitet, findet da Name und Adresse von Dr. Christian Fiala. Es handle sich um „eine private Initiative, um Menschen den Behördenweg bei einem Austritt aus jeglicher Religionsgemeinschaft zu erleichtern“, steht da. Wieder einmal purer Idealismus?

 

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