Budapest

Kirche ist gegen LGBTIQ-Propaganda

Die von der EU heftig kritisierten Kinderschutzgesetze der Regierung Orbán verteidigt der Vorsitzende der Ungarischen Bischofskonferenz, Bischof András Veres, im „Tagespost“-Exklusivinterview.
Papst in Budapest
Foto: Uncredited (Vatican Media via AP) | Ministerpräsident Viktor Orbán und Staatspräsident János Áder (verdeckt in der Mitte) begrüßten den Papst am Sonntag in Budapest. Der von manchen Journalisten erwartete Rüffel des Papstes für Orbán blieb aus.

Exzellenz, sind Sie mit dem Ertrag des Internationalen Eucharistischen Kongresses in Budapest zufrieden?

Leider ist aufgrund der Pandemie nicht alles so gelungen, wie zunächst geplant. Dennoch sind wir sehr zufrieden. Viele Ausländer konnten wegen der Corona-Krise nicht kommen, aber die Ungarn nahmen in sehr großer Zahl teil. Es kamen auch viele Bischöfe, etwa aus Kanada, Australien, Afrika oder Myanmar. Leider war der deutsche Sprachraum schwach vertreten. Zwei deutsche und ein österreichischer Bischof waren hier. Darüber sind wir überrascht.

Zeitweise scheint der Kongress zu einer Stadtmission geworden zu sein.

Bischof András Veres

Die Regierung hat uns sehr viel geholfen, damit wir an unterschiedlichen Plätzen Programme durchführen konnten. Damit wurden nicht nur die Gläubigen erreicht, sondern auch andere Menschen. Das hat sicher einen missionarischen Effekt.

Warum treffen sich Katholiken eine volle Woche, um Vorträge, Katechesen und Predigten zur Eucharistie anzuhören?

"Im Leben der Katholiken
ist die Eucharistie ganz zentral"

Im Leben der Katholiken ist die Eucharistie ganz zentral. Auch die Suchenden sehen auf diese Weise, was die Begegnung mit Christus in der Eucharistie für uns bedeutet.

Kirchenpolitik oder Reformideen spielten keinerlei Rolle. War das Absicht?

Das kommt in der nächsten Phase, denn der Papst hat ja einen synodalen Vorgang initiiert. Jetzt aber wollten wir uns auf die Eucharistie und den Glauben konzentrieren und die Liturgie feiern. Deshalb gab es auf dem Budapester Messegelände neben einer Vortragsaula eine Anbetungs-Kapelle, wo ständig Beter waren. Das ist wichtig.

Was bedeutet der Besuch von Papst Franziskus in Budapest für Ungarn?

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Zunächst ist es eine Nachricht für die ganze Welt, dass der Papst die Heilige Messe zum Abschluss des Eucharistischen Kongresses feierte. Meist haben die Päpste einen Delegaten dafür entsandt. Das Kommen von Papst Franziskus ist somit ein Zeichen vor der ganzen Welt, wie bedeutsam die Eucharistie für uns Katholiken ist. Für Ungarn ist der Besuch wichtig, weil er dem Papst zeigt, dass die ungarische Nation an den christlichen Werten festhält. Unabhängig davon, ob man im Westen anders denkt: Uns ist es wichtig, die christliche Ehe, die Familie und das Recht auf Leben zu bewahren!

Im Vorfeld gab es Missbehagen, weil der Papst wenige Stunden in Ungarn war, aber drei Tage lang die Slowakei bereist.

Das war seine Entscheidung. Wir sind dankbar, dass er kam. Einige Journalisten interpretierten das als Signal gegen die Regierung. Ich kann das nicht beurteilen. Der Papst ist frei, zu entscheiden.

Ungarn ist ein multikonfessionelles Land. Wie reagierten andere Konfessionen oder Ungläubige auf den Papst?

"Die Ungläubigen können ja ihre Programme organisieren,
die wir tolerieren. Aber sie müssen auch tolerieren,
dass die Gläubigen Rechte haben"

Die anderen Konfessionen sind sehr damit einverstanden, dass der Papst kam und ihre Vertreter empfing. Die Ungläubigen können ja ihre Programme organisieren, die wir tolerieren. Aber sie müssen auch tolerieren, dass die Gläubigen Rechte haben.

Ungarns Regierung setzt sich für eine Stärkung der Familie ein. Wie beurteilt das die Bischofskonferenz?

Es sind Christen in der Regierung, die in eigener Verantwortung solche Gesetze machen. Wir Bischöfe sind sehr damit zufrieden, dass die Regierung Ungarns die Ehe und die Familie hochhält und sich für den Schutz des menschlichen Lebens einsetzt.

Aus der EU wurde scharfe Kritik an den ungarischen Kinderschutzgesetzen geübt. Der Vorwurf lautete, diese würden LGBTIQ-Personen diskriminieren.

Das ist eine falsche Interpretation. Wer die Gesetze liest, kann das nicht behaupten. Die ungarische Regierung hat nichts gegen diese LGBTIQ-Personen unternommen. Sie haben ihre Rechte. Vielmehr geht es darum, dass diese Propaganda nicht in den Schulen stattfinden darf. Damit ist die Kirche ganz einverstanden. Hier geht es um das Erziehungsrecht der Eltern. Alle Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Das sehen die Eltern am besten – nicht die Lehrer oder die LGBTIQ-Organisationen.

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