Würzburg

Tod, wo ist dein Stachel?

Scheintodhypothese, Grabraub, Massenhalluzination: Auch nach 2000 Jahren gibt es keine überzeugende Widerlegung der Auferstehungsbotschaft.

 

Herr Professor Wehr, Sie sind Neutestamentler, arbeiten nach wissenschaftlichen Kriterien. Genügt das Neue Testament wissenschaftlichen Ansprüchen in Bezug auf die Auferstehungsbotschaft?

Ja. Die Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments in dieser Frage rührt vor allem von zwei Tatsachen her. Zum einen haben wir es bei den Überlieferungen zu Tod und Auferstehung Jesu mit sehr alten Schichten des Neuen Testaments zu tun. Die Evangelien sind zwar erst zwischen 70 und 100 n. Chr. verfasst worden, aber sie enthalten ältere Überlieferungen. So kann man allein schon an den vielen konkreten Angaben und Details in der markinischen Passionserzählung deren hohes Alter erkennen. Der Evangelist hat hier eine schriftliche Quelle aufgenommen. Auch die Glaubensformel, die Paulus in 1 Kor 15,3–5 zitiert, ist sehr alt. Sie ist wahrscheinlich schon wenige Jahre nach Tod und Auferstehung Jesu formuliert worden.

Und zweitens?

Eine weitere Tatsache, die das Neue Testament glaubwürdig macht, ist das Zeugnis des Paulus. Der Apostel kommt in seinen Briefen immer wieder auf seine Begegnung mit dem Auferstandenen bei Damaskus zu sprechen. So immer dann, wenn er sich „berufener Apostel“ nennt. Darüber hinaus sagt er, Christus sei ihm erschienen (1 Kor 15,8); Gott offenbarte ihm seinen Sohn (Gal 1,15f); er habe Jesus erkannt (Phil 3,8). In Gal 1,17f ordnet er dieses Erlebnis sogar räumlich und zeitlich genau in sein Leben ein. Er nennt als Ort des Geschehens Damaskus und sagt, dass diese Christusbegegnung drei Jahre vor seiner Reise zu Petrus nach Jerusalem stattfand. Dies zeigt, es geht bei der paulinischen Christuserfahrung um ein konkretes Ereignis.

Der Apostel Paulus kennt das leere Grab aber nicht, jedenfalls spricht er nie davon. Dabei sind seine Schriften vor den Evangelien verfasst worden. Ist das leere Grab eine spätere Ausschmückung?

Paulus scheint sich nicht für das Grab interessiert zu haben. Als Paulus von seinem ersten Jerusalembesuch nach seiner Berufung berichtet, erwähnt er nur sein Gespräch mit Petrus und eine Begegnung mit Jakobus (Gal 1,18f). Von einem Besuch des Grabes Jesu sagt er nichts. Sein Glaube an die Auferstehung Jesu beruht auf seiner persönlichen Christusbegegnung. Das leere Grab hat für ihn deshalb keinen Erkenntniswert. Außerdem kann das leere Grab sehr unterschiedlich gedeutet werden. Nach dem Johannesevangelium meint Maria Magdalena zunächst, der Gärtner habe den Leichnam Jesu weggenommen (Joh 20,15). Das leere Grab ist kein Beweis für die Auferstehung Jesu. Der Osterglaube entzündet sich an der Begegnung mit dem lebendigen Herrn.

Das heißt, wenn die sterblichen Überreste Jesu heute gefunden würden: Dann würden Sie am Sonntag trotzdem Ostern feiern?

Mit dieser Frage spielen Sie auf ein vieldiskutiertes Thema an, ob nämlich der physische Leichnam Jesu, der im Grab bestattet wurde, in das Auferstehungsgeschehen einbezogen war. Ob also der Leichnam Jesu von Gott in eine verklärte Leiblichkeit verwandelt wurde oder ob er im Grab geblieben ist und nur die Seele Jesu auferstand. Diese wäre dann in einen von Gott neu geschaffenen verklärten Leib aufgenommen worden. Vom Alten Testament her kennt das Judentum keine Unterscheidung von Leib und Seele. Der Mensch wird ganzheitlich gesehen. Unter der Voraussetzung dieses Menschenbildes bedeutet Aufweckung eine Wiederbelebung des Leibes, aber in einer verwandelten, verklärten Gestalt. Dieses Menschenbild setzen die biblischen Ostererzählungen voraus. Das Grab ist leer. Die Jünger können die Wundmale am Leib des Auferstandenen sehen (Joh 20,20.27). Deshalb bin ich sicher, dass die Gebeine Jesu nicht gefunden werden, und brauche mir deshalb auch nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, ob ich dann noch Ostern feiern könnte.

Eine spiritualistische Auslegung, wie sie heute vielfach versucht wird – Jesus ist zwar nicht mit seinem Leib, aber seiner Leiblichkeit und ihrer sozialen Dimension nach auferstanden: Das geben die Evangelien also nicht her.

Natürlich gehört zur Auferstehung auch die soziale Dimension, aber diese ist an die wirkliche Auferstehung des Leibes gebunden. Nur deswegen bleibt die Beziehung Jesu zu seinen Jüngern und zu seiner Kirche über seinen Tod hinaus bestehen. Jesus ist als der leiblich Auferstandene der mächtige Herr seiner Kirche, der seine Gläubigen beschützt, durch diese Zeit begleitet und durch die Sakramente stärkt, bis sich unser Leben in der Herrlichkeit Gottes und in der ewigen unzerstörbaren Gemeinschaft mit Christus vollendet.

Wie kommt es aber zu der Auffassung, die Gebeine Jesu seien trotz seiner Auferstehung im Grab geblieben?

In der griechischen Philosophie gibt es die Vorstellung, dass der Mensch aus Leib und Seele besteht. Der Leib vergeht mit dem Tod, nur die Seele überlebt und hat ein – allerdings nicht individuell gedachtes – ewiges Leben. Griechisches Denken war zur Zeit Jesu tief in das Judentum eingedrungen. So gibt es auch einzelne jüdische Texte, die eine Zweiteilung des Menschen in Leib und Seele kennen und von einer Auflösung des Leibes im Tod auszugehen scheinen, während die Seele von Gott einen neuen Leib erhält. Wie schon gesagt teilen die Evangelien in Bezug auf die Auferstehung Jesu diese Sicht nicht.

In der Zwischenzeit hat die Alte Kirche aber den Dialog mit der griechischen Philosophie gesucht.

Ja. Unser heutiger Auferstehungsglaube hält in Bezug auf unsere persönliche Zukunftshoffnung an der Leiblichkeit der Auferstehung fest und übernimmt zugleich die Aufteilung des Menschen in Leib und Seele. Nach dem Tod trennt sich die Seele vom Leib, wird aber am Ende der Zeit mit dem verklärten individuellen Leib vereint. Der Katechismus sagt dazu (KKK, Nr. 999), dass wir alle mit den eigenen Leibern auferstehen werden, die wir jetzt tragen. Unser Leib wird in einen überirdischen Leib verwandelt werden. Das „,Wie‘ übersteigt unsere Vorstellung und unser Verstehen; es ist uns nur im Glauben zugänglich“ (Nr. 1000).

Was genau meint das Neue Testament, wenn es von Auferstehung spricht?

Um diese Frage zu beantworten, ist es wichtig, sich den alttestamentlich-jüdischen Hintergrund zu vergegenwärtigen. Der Glaube an eine Auferstehung der Toten ist keine Erfindung des Neuen Testaments. Zwar gibt es diesen Glauben im Alten Testament weithin noch nicht; den Lohn Gottes für ein Leben nach seinen Geboten sah man in einem langen irdischen Leben und im Kindersegen. Erst in den Spätschriften des Alten Testaments, insbesondere im Buch Daniel, kommt der Glaube an ein Leben nach dem Tod auf. Hier heißt es: „Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu. Die Verständigen werden glänzen wie der Glanz der Himmelsfeste und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, wie die Sterne für immer und ewig“ (Dan 12,2f). Die Gerechten leben also in der von Gottes Gegenwart verklärten Welt des Himmels. Auch im zweiten Makkabäerbuch ist der Auferstehungsglaube bezeugt (2 Makk 7,9.11.23; 12,43–45). Zur Zeit Jesu hat sich im Judentum dieser Glaube weithin durchgesetzt. Einige Gruppen des Judentums teilen ihn aber nicht. Dazu gehören die Sadduzäer, mit denen Jesus genau über die Frage der Totenauferstehung streitet (Mk 12,18–27).

Gibt es religionsgeschichtliche Parallelen zum christlichen Auferstehungsglauben?

Religionsgeschichtliche Parallelen gibt es vor allem in antiken Mythen, die von Irrfahrten von Göttern handeln oder deren Tod und Wiederbelebung andeuten. Auch im römischen Kaiserkult gibt es die Vorstellung, dass verstorbene Kaiser, die vom Senat zu Göttern erklärt wurden, aus dem Grab verschwinden und in den Himmel aufgenommen werden.

Aber sind diese Analogien nicht ein Einwand gegen die Historizität des Auferstehungsereignisses?

Ein Einwand gegen die christliche Auferstehungsbotschaft wären solche Parallelen nur, wenn die frühen Christen sich bei diesen Mythen bedient und sie auf Christus übertragen hätten. Dies ist aber dadurch ausgeschlossen, dass der Osterglaube auf dem Bekenntnis der Osterzeugen beruht. Die Verkündigung von Tod und Auferstehung Jesu hat in der antiken Welt sogar Anstoß erregt. Wenn sie vertraut gewesen wäre, wäre sie nicht weiter aufgefallen. Aber die christliche Verkündigung von Kreuz und Auferstehung ist gerade etwas Einmaliges – bis heute.

Im Zuge der rationalistischen Bibelkritik gab es auch Hypothesen, wonach beispielsweise der Leichnam Jesu von Anhängern oder Anderen entwendet worden sei. Warum schließen Sie das aus?

Der Vorwurf, Jesu Anhänger hätten den Leichnam Jesu in betrügerischer Absicht aus dem Grab fortgeschafft, um dann die Auferstehung Jesu zu behaupten, findet sich schon in neutestamentlicher Zeit. Das Matthäusevangelium muss sich bereits damit auseinandersetzen (Mt 28,15). Wenn die Jünger einen Betrug begangen hätten, hätten sie sicher nicht unter Lebensgefahr den Glauben verkündet. Viele haben das Martyrium erlitten. Außenstehende können den Leichnam Jesu kaum gestohlen haben; warum sollten sie es tun?

Vielleicht haben sie gar nicht bewusst betrogen, sondern waren Opfer einer Massenhalluzination. Der evangelische, dann aus der Kirche ausgetretene Exeget Gerd Lüdemann jedenfalls nimmt das an. Das klingt psychologisch zunächst nicht unplausibel.

Paulus erwähnt im 1. Korintherbrief eine Erscheinung Jesu vor „mehr als 500 Brüdern zugleich“ (1 Kor 15,6). Für diese außergewöhnliche und geradezu spektakuläre Erscheinung des Auferstandenen vor einer großen Zahl seiner Anhänger könnte man vielleicht eine Massenhalluzination annehmen. Jedoch weist Paulus gleich darauf hin, dass die meisten dieser Zeugen noch leben und deshalb befragt werden könnten. Lüdemann meint auch, die Jünger hätten ihre Trauer über den Tod Jesu damit bewältigt, dass sie sich eingebildet hätten, Jesus würde noch leben. Petrus sei als Erster auf diese Idee gekommen. Aber Begegnungen mit dem lebendigen, von den Toten auferstandenen Herrn machten ja nicht nur die Jünger. Paulus kannte Jesus wahrscheinlich gar nicht, hat jedenfalls die Kirche verfolgt und die christliche Botschaft zunächst abgelehnt. Er sagt sogar, dass er die Kirche vernichten wollte (Gal 1,13; vgl. 1 Kor 15,9; Phil 3,6). Paulus hatte in dieser Phase seines Lebens sicher keine Trauer über den Tod Jesu zu verarbeiten. Trotzdem bezeugt er auf einmal: Jesus lebt. Ich habe ihn gesehen (1 Kor 9,1). Paulus stellt diese Christusbegegnung bei Damaskus als die entscheidende Wende in seinem Leben heraus. Alles, was er als Apostel ist, verdankt er diesem Ereignis. Diese tiefgreifende Erfahrung kann man nicht einfach als „Christuskomplex“ interpretieren, wie Lüdemann es tut. Immerhin war Paulus bereit zum Martyrium für seine Glaubensüberzeugung.

Und was weiß man über die anderen Osterzeugen?

Ein weiteres Beispiel für einen überraschenden Weg zum Osterglauben ist der sogenannte „Herrenbruder Jakobus“. Es ist ein Verwandter Jesu. „Bruder“ ist hier im weiteren Sinne zu verstehen. Wie Mk 3,21 und 6,4 bezeugen, stand die eigene Familie – wenn man von Maria einmal absieht, die immer als die Glaubende dargestellt wird – Jesus skeptisch gegenüber. Auch für Jakobus dürfte dies gelten, denn er taucht nirgends an der Seite Jesu auf. Offenbar ist auch für ihn – ähnlich wie für Paulus – die Begegnung mit dem Auferstandenen die entscheidende Lebenswende. Sie machte ihn zum mutigen Zeugen in Jerusalem, wo er schließlich das Martyrium erlitt. Es sind Menschen mit sehr unterschiedlicher Lebensgeschichte, die zudem in einem sehr unterschiedlichen persönlichen Verhältnis zu Jesus standen, die aber alle darin übereinkommen, dass sie dem Auferstandenen begegnet sind. Alle Genannten waren zum Martyrium für diesen Glauben an den Auferstandenen bereit.

Unser Glaube an die Auferstehung Jesu gründet also im Zeugnis dieser frühen Osterzeugen.

So ist es. Niemand hat die Auferstehung Jesu gesehen, aber eine ganze Reihe von Menschen ist dem Auferstandenen begegnet und hat daraufhin das eigene Leben ganz in den Dienst des Herrn gestellt. Paulus nennt in 1 Kor 15,5–8 eine stattliche Reihe von Zeugen: Petrus (= Kephas), die Zwölf, die schon genannten 500 Brüder, Jakobus und alle Apostel, und als zeitlich letzten nennt sich Paulus selbst. Wir wissen, dass Paulus hier nicht einmal alle Osterzeugen erwähnt. Die Reihe wäre also noch zu verlängern. Es gibt die beiden Emmausjünger (Lk 24,13–33), die Frauen (Mt 28,9f) und insbesondere Maria Magdalena (Joh 20,18). Natürlich kann man niemanden zum christlichen Glauben zwingen. Letztlich ist es eine persönliche Entscheidung, ob man sein Leben auf das Zeugnis dieser frühen Christen aufbaut. Aber wer glaubt, ist kein Phantast, sondern stützt sich auf eine gute und plausible Grundlage.

Nun sagen die Evangelien bezüglich der Erscheinungen des Auferstandenen Unterschiedliches. Matthäus kennt neben der Erscheinung Jesu vor den Frauen am leeren Grab nur eine Erscheinung vor den Elf in Galiläa; Lukas verwendet nur die Jerusalemer Überlieferung, Johannes weiß von Erscheinungen sowohl in Jerusalem wie in Galiläa zu berichten. Nährt das Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Evangelien?

Nein, keineswegs. Die Evangelisten setzen unterschiedliche Akzente. Wahrscheinlich hat es zunächst in Galiläa Erscheinungen Jesu gegeben. Hierher waren die Jünger nach dem Tod Jesu zurückgekehrt. In Galiläa hatte Jesus die meisten Anhänger. Es hat aber bald auch schon in Jerusalem Erscheinungen gegeben. Hier entsteht die Urgemeinde, deren aramäisch-sprachiger Teil von Jakobus, dem Verwandten Jesu, geleitet wird. Insofern geben die Evangelien insgesamt ein zuverlässiges Bild ab.

Aber ist Jesus überhaupt gestorben? Auch eine Scheintodhypothese ist geäußert worden. Was halten sie davon?

Die Kreuzigung war eine grausame Strafe, die zu einem Erstickungstod führte, wenn der Gekreuzigte keine Kraft mehr hatte, sich aufzurichten, um nach Luft zu schnappen. Die vorausgehende Geißelung hatte Jesus bereits so geschwächt, dass er den Kreuzesbalken nicht mehr alleine zur Hinrichtungsstätte tragen konnte. Simon von Zyrene wurde von den Soldaten gezwungen, den Balken zu übernehmen (Mk 15,21). Bekanntlich trugen die zum Kreuzestod Verurteilten nicht das vollständige Kreuz, wie wir es aus Passionsspielen kennen, sondern nur den Querbalken. Der senkrechte Pfahl war an der Hinrichtungsstätte fest in den Boden eingerammt.

Aber könnte Jesus das nicht überlebt haben?

Josef von Arimathäa bat Pilatus um die Herausgabe des Leichnams Jesu. Als Pilatus von einem Hauptmann der Tod Jesu bestätigt wurde, so steht es im Markusevangelium, entsprach Pilatus der Bitte. Josef nahm den Leichnam Jesu vom Kreuz ab und bestattete ihn (Mk 15,42–46). Auch Paulus erwähnt das Begräbnis Jesu (1 Kor 15,4). Wenn man dies alles berücksichtigt, ist ein Scheintod auszuschließen. Jesus ist wirklich am Kreuz gestorben. Die Kreuzigung war eine Todesstrafe. Es kommt hinzu, dass die Ostererzählungen deutlich erkennen lassen, dass Jesus in einer anderen, himmlischen, verklärten Leiblichkeit vor den Jüngern erscheint. Er kann durch geschlossene Türen gehen (Joh 20,19), er entzieht sich nach seiner Erscheinung plötzlich den Blicken (Lk 24,31). Die Jünger erkennen ihn wieder, aber er lebt nicht einfach in seiner irdischen Leiblichkeit weiter.

Die Scheintodhypothese wirkt bis heute fort. Der Historiker Johannes Fried behauptete kürzlich, Jesus habe den Kreuzestod überlebt, sei dann auf ganz natürliche Weise vor den Jüngern aufgetreten und an einem unbekannten Ort verstorben. Ist am Kreuzigungsbericht der Evangelien vernünftiger Zweifel möglich?

Nein, denn der Tod Jesu am Kreuz ist das historisch am sichersten bezeugte Ereignis aus dem Leben Jesu. Er ist ja nicht nur durch die Evangelien und die Paulusbriefe bestätigt, sondern auch durch außerbiblische Zeugnisse. Letztere stammen von Autoren, die keine Christen waren und dem Christentum distanziert gegenüberstanden. Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet von einigen Ereignissen aus der Amtszeit des Pontius Pilatus, darunter auch von der Verurteilung Jesu zum Tod am Kreuz. Auch Tacitus erwähnt den Kreuzestod. Zudem ist es ausgeschlossen und ohne antiken Beleg, dass ein Mensch die Geißelung und die anschließende Kreuzigung überlebt hätte. Außerdem sucht sich Fried aus den Evangelien die Stellen heraus, die seine These stützen könnten ohne Rücksicht auf die literarische Schichtung der Texte. Er unterscheidet nicht zwischen alten Überlieferungen, deutenden Interpretationen und den Intentionen der Evangelisten. Seine Vorgehensweise ist ein gutes Beispiel dafür, zu welch willkürlichen Auslegungen eine Interpretation führt, die die Erkenntnisse der historisch-kritischen Exegese ignoriert.

Sie halten das neutestamentliche Zeugnis von Tod und Auferstehung also für glaubwürdig. Was bedeutet aber nun der Auferstehungsglaube für den Gläubigen heute?

Zentral sind beim biblischen Auferstehungsglauben zwei Aspekte: Es handelt sich um eine individuelle Auferstehung, das heißt, ich als Person lebe nach dem Tod weiter. Ich löse mich nicht auf. Deshalb ist auch die Leiblichkeit der Auferstehung so wichtig, denn am Leib hängt alles, was mich als Individuum ausmacht. Auch meine Beziehungen zu anderen Menschen drücken sich leiblich aus. Alles, was ich für andere tue, was ich an Gutem, aber auch Schlechtem vollbringe, geschieht durch meinen Leib, meine Handlungen, mein Denken, meine Worte. Zum Glauben an die leibliche Auferstehung gehört deshalb unsere Hoffnung, dass wir die Menschen, die uns nahestanden, wiedersehen werden.

Und zweitens?

Der zweite Aspekt ist, dass Gott mit seiner Macht hinter der Auferstehung Jesu steht und dass er auch unsere Auferstehung bewirken wird. Gott ist mächtiger als der Tod. Welch größeren Trost gibt es für uns Menschen angesichts der Hinfälligkeit unseres Lebens? Der Tod hat seinen Schrecken verloren. „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Kor 15,55) – so kann Paulus den Tod verhöhnen, weil er um den Sieg Jesu über den Tod weiß.