Umgang mit Russlands Präsidenten

Afrika uneins über Putin

Im Juli wird Papst Franziskus Afrika besuchen – doch der Kontinent ist durch den Ukraine-Krieg gespalten von.
Erster Afrika-Russland-Gipfel
Foto: Valery Sharifulin (POOL TASS Host Photo Agency) | Russland unterstützt autoritäre Regime in Afrika schon lange mit Waffenlieferungen. Afrika leidet auch jetzt unter dem Ukraine-Krieg.

Afrika, Mitte der 1970er Jahre: An allen Enden und Ecken wird geschossen. In Mosambik und Angola wütet ein blutiger Bürgerkrieg - entfacht vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Ähnlich die Lage im benachbarten Rhodesien, heute Simbabwe. Dessen Regierung unter dem früheren Bomberpiloten Ian Smith wird vom südafrikanischen Apartheidsregime gestützt. Mit der kommunistischen Guerilla unter Robert Mugabe und Joshua Nkomo lieferte sich Smith manch verlustreichen Kampf in der Savanne des südafrikanischen Hochlandes.

Wie auf einer Zeitreise

50 Jahre später fühlen sich viele in Afrika wie auf einer Zeitreise. Wieder ist es eine Front im fernen Europa, die den Kontinent spaltet: Auf der einen Seite jene, die sich dem Westen verbunden fühlen, auf der anderen Seite die Sympathisanten Russlands. Mit großer Eindringlichkeit hat das die Abstimmung zur Ukraine-Resolution in der UN-Vollversammlung am Mittwoch vergangener Woche gezeigt. Eritrea stimmte gegen eine scharfe Verurteilung des russischen Angriffs und immerhin 17 afrikanische Staaten enthielten sich. Zuvor hatten europäische und amerikanische Diplomaten mit Nachdruck versucht, afrikanische Regierungen auf ihre Seite zu ziehen.

Lesen Sie auch:

Die offene (oder geheime) Unterstützung Russlands in Afrika überrascht aber nur auf den ersten Blick. Tatsächlich ist Moskau seit langem schon der größte Waffenlieferant Afrikas. Während heute vor allem über Chinas Engagement in Afrika diskutiert wird, hat Moskau seine Fühler längst nach Süden ausgestreckt. Für den Kreml zählen die Stärkung autoritärer Regime und vielfach auch die Verbreitung von Desinformation zu den zentralen Strategien seiner Afrikapolitik. Man denke an Mali.

Russland stärkt autoritäre Regime mit Waffen

Die Militärjunta dort könnte sich ohne die Präsenz russischer Söldner im Land kaum halten. Niemand kann sagen, ob diese den islamistischen Terror – wie erhofft – erfolgreicher bekämpfen können als die westlichen Truppen es taten. Sicher ist, dass die Russen den Machthabern in Bamako nicht mit unangenehmen Fragen zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit auf die Nerven gehen, ähnlich wie es bei den Chinesen vielerorts in Afrika ist. Auch die Lage nach dem Putsch in Burkina Faso oder in Mosambik ähnelt diesem Muster. Im Südosten Afrikas mischen russische Militärs im Kampf gegen Dschihadisten kräftig mit.

Ebenso dürfte sich manch ein afrikanischer Staatschef an historische Beziehungen zur früheren Sowjetunion erinnern. Von 1960 bis zum Ende des Kalten Kriegs hatte die Sowjetunion den Befreiungsbewegungen nicht nur im Süden des Kontinents, sondern auch in Algerien, dem Kongo, Äthiopien, Guinea oder Marokko finanziell, mit Trainingslagern und mit Waffen angedient.

Dennoch: Die Verbundenheit aus historischen oder aktuellen Gründen erscheint zugleich voller Widersprüche. Mit Putins Angriff auf die Ukraine kehrt der Imperialismus zurück. Was passiert als Nächstes, wird der Landhunger Putins anhalten (etwa mit Blick auf die baltischen Staaten)? Imperiale Gelüste müssten in Afrika nach den eigenen historischen Erfahrungen eigentlich alle Alarmglocken schrillen lassen. Nicht ohne Grund ist es in ehernes Gesetz der Afrikanischen Union (AU), die seit Ende der Kolonialzeit gezogenen Grenzen zu akzeptieren. Dieses Prinzip bildet das Herzstück der AU als größter Staatengemeinschaft des Kontinents. Tatsächlich ist die Unantastbarkeit staatlicher Demarkationslinien eine Art Friedensgarant in Afrika. Der Biafra-Krieg in Nigeria in den 1960er Jahren ist eines der fürchterlichsten Beispiele aus der jüngeren Geschichte Afrikas, das zeigt, welches Leid die Missachtung von Grenzziehungen hervorrufen kann. Jetzt spaltet mit Russland erneut ein Land Afrika, das auf brutale Weise eine Grenzziehung missachtet (und darüber hinaus das Selbstbestimmungsrecht eines Nachbarn, wofür in Afrika ebenfalls lange Zeit hart gerungen wurde).

Es mag manchen afrikanischen Staatschef mit einer gewissen Genugtuung erfüllen, dass der Ukraine-Krieg zu einem Perspektivwechsel geführt hat: Erstmals seit langem ist Europa Schauplatz von Gewalt, nicht mehr Afrika. Doch Ursachen und Umstände des Kriegs in der Ukraine sollte für Alarmstimmung sorgen zwischen Kairo und Kapstadt.

Katholiken sind von Papstbesuch bestärkt

Die katholische Kirche in Afrika ist sensibilisiert. Etwa in der Demokratischen Republik Kongo, einem Land, das lange Jahre schwer gelitten hat unter Grenzkonflikten – vor allem im Osten des Landes. Dort freuen sich die Gläubigen zurzeit über den für Juli 2022 angekündigten Papstbesuch.
So sieht der Präsident der Zivilgesellschaft von Süd-Kivu, Adrien Zawadi, in der Visite des katholischen Kirchenoberhaupts im Ost-Kongo eine „großartige Nachricht für Tausende der jüngeren Generation, die die Besuche des Papstes nur im Fernsehen verfolgen“. Zuletzt sei mit Johannes Paul II. im Mai 1980 ein Papst im Land gewesen. Die Zivilgesellschaft im Ostkongo hoffe auf eine „starke Botschaft der Hoffnung und des wahren Friedens für die gesamte Region der Großen Seen, die von Bruderkriegen und Gräueltaten zerrissen ist.“

Franziskus hätte für einen Besuch auch ein Nachbarland mit besserer Infrastruktur wählen können, habe sich aber für ein Land entschieden, „das wegen seiner Verwaltung stark in der Kritik steht: Dies ist bereits eine starke Botschaft der Ermutigung, für die wir dem Heiligen Vater danken", sagte Zawadi. Die Region grenzt an Ruanda, das seit dem Völkermord 1994 einen beachtlichen Entwicklungssprung gemacht hat.

Neben der Demokratischen Republik Kongo wird Franziskus auch den Südsudan besuchen. Auch dort haben Grenzüberschreitungen und die Missachtung des Selbstbestimmungsrechts eine lange, sehr blutige Tradition. Aber im Großen und Ganzen hat das Prinzip der Anerkennung einmal gezogener Grenzen Afrika vor noch größeren Katastrophen bewahrt. So gesehen kann Europa heute manches lernen von seinem Nachbarn.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Der Horror aus den russisch besetzten Gebieten der Ukraine erreicht mit den Flüchtlingsströmen auch die westukrainische Metropole Lemberg.
22.07.2022, 06  Uhr
Stephan Baier
Der Moskauer Patriarch macht seine Kirche zum Paria. Franziskus und der Vatikan sollten auf Distanz bleiben.
24.09.2022, 07  Uhr
Stephan Baier
Der Dogmatiker Manfred Hauke analysiert die Bedeutung der Weihe Russlands und der Ukraine an das Unbefleckte Herz Mariens im Licht der Botschaft von Fatima.
07.09.2022, 11  Uhr
Thomas Vollmer
Themen & Autoren
Michael Gregory Bürgerkriege Dschihadisten Johannes Paul II. Papst Franziskus Päpste Robert Mugabe Russische Regierung Wladimir Wladimirowitsch Putin

Kirche

Kardinal Kurt Koch weist den Vorwurf von Bischof Georg Bätzing zurück, er habe den Synodalen Weg mit einem Nazi-Vergleich heftig kritisiert. Die Stellungnahme im Wortlaut.
29.09.2022, 20 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Der Kirchenlehrer Franz von Sales (1567–1622) war Bischof von Genf und reformierte die Kirche, indem er die Menschen zum Gebet hinführte und geistliche Schriften verfasste.
01.10.2022, 19 Uhr
Uwe Michael Lang C.O.
Der Vorsitzende der deutschen Bischöfe fordert vom Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates eine „umgehende Entschuldigung“ für kritische Interviewäußerung.
29.09.2022, 15 Uhr
Meldung