Die Wochenheiligen

27 neue Selige aus dem Dominikanerorden

Papst Franziskus würdigte im Hinblick auf die neuen Seligen ihr Zeugnis der Treue zu Christus und die Vergebung gegenüber ihren Mördern.
Seligsprechung von 27 Märtyrern aus dem Dominikanerorden
Foto: photoauszeit/wu | Blutzeugen aus dem Dominikanerorden, die im Spanischen Bürgerkrieg ihr Leben ließen, wurden jetzt im Dom von Sevilla seliggesprochen.

Etwa 300 Mitglieder des im 13. Jahrhundert vom heiligen Dominikus gegründeten Predigerordens wurden im Laufe der Zeit selig- oder heiliggesprochen. Zu ihnen kamen in der vergangenen Woche 27 neue Selige hinzu, die alle als Märtyrer im Spanischen Bürgerkrieg ihr Leben hingegeben haben: 20 Dominikaner aus Almagro, sechs weitere – darunter ein Laie – aus Almeria und eine Dominikanerin aus Huéscar wurden am 18. Juni in der Kathedrale von Sevilla seliggesprochen.

Am 21. Juli 1936, drei Tage nach dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs, stand in der zentralspanischen Stadt Almagro die Kirche „Madre de Dios“ in Flammen, von Revolutionären angezündet. Vom Fenster ihres Klosters aus sahen die Dominikaner den Feuerschein und eilten hin, um bei den Löscharbeiten zu helfen. Sie wurden von den Revolutionären barsch zurückgewiesen; diese drohten, ihr Kloster ebenfalls in Brand zu setzen. Der Bürgermeister legte den Dominikanern nahe, die Stadt heimlich zu verlassen, und bot ihnen seinen Schutz an.

Der Prior und seine Ordensbrüder

Der Prior P. Ángel Marina Álvarez und seine 19 Ordensbrüder wurden zunächst in einem verlassenen Haus untergebracht, um von dort aus der Stadt geschmuggelt zu werden.

Am 30. Juli bestiegen die ersten drei Dominikaner den Zug nach Ciudad Real. Die Revolutionäre hatten jedoch Wind von der Sache bekommen, folgten ihnen und erschossen sie, kurz nachdem sie am Ankunftsort den Zug verlassen hatten. Am 3. August folgte die nächste kleine Gruppe von Dominikanern. Am Bahnhof Manzanares in Ciudad Real wurden sie von drei Bahnbeamten festgehalten, dann ins Gefängnis gebracht, gefoltert und fünf Tage später auf dem Friedhof erschossen.

 

In der Zwischenzeit beriet sich der Bürgermeister mit der Polizei in Madrid, wie man die restlichen Ordensbrüder sicher aus der Stadt bringen könne. Aber es war zu spät: Am 13. August stürmten die Revolutionäre das Haus. Die verbliebenen Dominikaner, darunter auch der Prior, wurden auf ein Feld vor der Stadt geführt und dort erschossen.

Verfolgung der Ordensleute

Auch in der andalusischen Hafenstadt Almería begann die Verfolgung der Ordensleute schon im Juli 1936. Die Dominikaner sahen sich gezwungen, ihr Kloster zu verlassen, und fanden Unterschlupf bei verschiedenen Familien. Bis September wurden fünf von ihnen nach und nach aufgespürt und erschossen. Hinzu kam in Almería ein angesehener Journalist, Fructuoso Pérez (siehe Foto links), der als Laie dem Drittorden der Dominikaner angehörte. Er wurde am 26. Juli unter Hausarrest gestellt und anschließend in ein Frauenkloster gebracht, das provisorisch als Gefängnis diente. Von hier aus wurde er auf ein Gefangenenschiff verfrachtet. Im Morgengrauen des 15. August wurde er am Strand unweit der Stadt hingerichtet.

Gott trotz Folter nicht gelästert

Ebenfalls in Südspanien, in der Provinz Granada, liegt der Ort Huéscar. 14 Dominikanerinnen mussten dort zu Beginn des Bürgerkrieges ihr Kloster verlassen und wurden in Familien untergebracht. Eine von ihnen, Schwester Asunción, fand Zuflucht bei der Familie einer Cousine. Am 16. Februar 1937 verließ die 75jährige Ordensfrau das Haus in Zivilkleidung, wurde aber festgenommen, da sie eine Halskette mit einem Kreuz trug. Mit der Absicht, sie zur Gotteslästerung zu bringen, wurde sie gefoltert, antwortete aber nur mit Gebeten. Schließlich wurde sie zusammengeschlagen und in einer Blutlache liegengelassen. Am nächsten Tag befahl man ihr, einen Lastwagen zu besteigen, aber ihr fehlten die Kräfte. So wurde sie hineingeladen und zusammen mit anderen Gefangenen zum Eingang des Friedhofs gefahren, wo einige Gefangene, darunter ein Verwandter von Schwester Asunción, vor ihren Augen erschossen wurden. Wieder befahl man ihr, Gott zu lästern; wieder weigerte sie sich. Schließlich legte man ihren Kopf auf einen Stein und zerschmetterte ihn mit einem anderen Stein. Auf diese grausame Weise starb sie am frühen Morgen des 17. Februar 1937.

Papst Franziskus sagte beim Angelusgebet am 19. Juni im Hinblick auf die neuen Seligen: „Ihr Zeugnis der Treue zu Christus und die Vergebung gegenüber ihren Mördern weisen uns den Weg der Heiligkeit und ermutigen uns, das Leben zu einem Geschenk der Liebe für Gott und für unsere Geschwister zu machen.“

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