„Pflicht.“ Das neue Unwort im politischen Berlin. Ob man über Selbstbehalt beim Zahnarzt diskutiert, eine Stunde Mehrarbeit fordert oder den Verzicht auf einen Urlaubstag vorschlägt – der Aufschrei folgt prompt. Wir haben uns in einer Komfortzone der Work-Life-Balance eingerichtet, wo jede Anstrengung als Angriff auf das Wohlbefinden gilt. Wer die Wiedereinführung von Karenztagen oder die Rückkehr zur Wehrpflicht ins Spiel bringt, wird behandelt wie ein Folterknecht. Wir pflegen die Teilzeit als Sakrament der Selbstverwirklichung, während die Welt aus den Fugen gerät. Doch in den multiplen Krisen – vom Klima über den Krieg bis zum Kollaps der Sozialsysteme – kommen wir mit Wellness-Wünschen nicht weiter.
Warum wir eine Renaissance der Pflicht brauchen
Jesus Christus hat in Gethsemane nicht über seine Work-Life-Balance verhandelt. Sein „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ ist der Urknall einer Pflicht, die aus Liebe geboren ist.
