Automobilwirtschaft

Toyota trotzt dem E-Auto-Dogma

Der größte Automobilhersteller der Welt möchte seinen Kunden echte Wahlfreiheit ermöglichen.
Schnäppchen-Stromer: E-Auto aus zweiter Hand oder neu kaufen?
Foto: dpa | Im vergangenen Jahr wurden 194 000 E-Autos in Deutschland zugelassen.

Die E-Mobilität schreitet auch in Deutschland voran und erlebt gegenwärtig sogar einen Boom: Wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 194 000 E-Autos zugelassen – über 200 Prozent mehr als noch in 2019. Doch im Vergleich zur Gesamtmenge der neu zugelassenen Fahrzeuge mutet selbst diese Rekordmenge an neuen E-Autos auf Deutschlands Straßen wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein an: Denn laut autozeitung.de wurden alleine im Juni 2021 insgesamt 274 152 neue Fahrzeuge zugelassen – E-Autos, Hybride, Diesel und Verbrenner zusammengenommen.

Diese Zahlen veranlassen den japanischen Automobilkonzern Toyota trotz steigender Absatzzahlen in Zukunft nicht nur auf Elektro-Autos zu setzen, sondern auch weiterhin für Technologieoffenheit zu plädieren. Der größte Autohersteller der Welt, der mit 252, 2 Milliarden Euro eine doppelt so hohe Marktkapitalisierung wie der auf Platz 2 liegende Volkswagen-Konzern aufweisen kann, will es in den kommenden Jahrzehnten seinen Kunden die Wahl überlassen, welche Antriebsart sie lieber haben möchten und sich im Gegensatz zu deutschen Autoherstellern wie VW, BMW oder Mercedes-Benz nicht einseitig auf eine ganz bestimmte Antriebstechnologie einlassen. Doch nicht nur deutsche Automobilhersteller haben bereits die Weichen in batteriebetriebene Mobilität gestellt: auch Honda will ab 2040 nur noch E-Autos verkaufen. Nicht so Toyota.

Aktuell sei es „noch zu früh, um sich nur auf eine Option zu konzentrieren“, erklärt Toyota-Manager Shigeki Terashi gegenüber dem Nachrichten- und Medienunternehmen Bloomberg.

Konkurrierende Antriebsarten

Stattdessen betont er, dass es vielmehr wichtiger sei, verschiedene Antriebsarten wie Hybride oder Verbrenner untereinander konkurrieren lassen, damit letztendlich die besten Optionen übrig bleiben. „Manche Menschen lieben batteriebetriebene Fahrzeuge und wieder andere sehen neue Technologien nicht als praktisch an“, ergänzt zudem Toyota-Technikbeauftragte Masahiko Maeda. Mit Blick auf die gerade von der Politik und Umweltaktivisten bevorzugten Batterieantriebe betont er lapidar: „Am Ende zählt, was die Kunden wählen.“

Doch das eine zu tun, bedeutet nicht, das andere zu lassen: Denn genau wie andere Automobilkonzerne investiert auch Toyota im großen Stil in die Batterieentwicklung. Rund 14 Milliarden Euro plant der Konzern beim Aufbau von Batteriekapazitäten ein, um trotz grundsätzlicher Technologieoffenheit beim Wettlauf um günstigere E-Autos und Plugin-Hybridfahrzeuge nicht ins Hintertreffen zu geraten. Ganz im Gegenteil: Bis zum Jahr 2030 wollen die Japaner eine Batteriekapazität von bis zu 200 Gigawattstunden in ihren dann mutmaßlich acht Millionen elektrifizierten Autos verbaut haben.

Mix an Batterietechnologien

Hinzu kommt, dass anders als andere Automobilkonzerne Toyota stärker auf einen Mix an Batterietechnologien setzt. Zum einen will Toyota eine Lithium-Ionen-Technologie anwenden, bei der Akkuzellen gasförmigen Wasserstoff als aktives Material nutzen und diese Technologie weiter ausbauen. Zum anderen setzt Toyota auf Feststoff- oder Festkörperbatterien: diese gelten als geeignet, um höhere Reichweiten und schnellere Ladezeiten zu erzielen – zudem gelten sie als kostengünstiger und als sicherer, weil sie keine flüssigen, tendenziell feuergefährlichen Lösungen verwenden. Das Ziel ist anspruchsvoll: Mit der Entwicklung leistungsfähigerer und neuartiger Akkus für vollelektrische und elektrifizierte Autos will Toyota die Kosten je Autobatterie bis 2030 um rund die Hälfte senken und die Leistung um bis zu ein Drittel erhöhen. Um das Ziel zu erreichen, wird Toyota die Zusammenarbeit mit Zulieferern wie Panasonic und Toshiba ausbauen.

„Wir haben das Gefühl, dass wir der Kommerzialisierung einen Schritt nähergekommen sind", erklärt Masahiko Maeda. Der Autobauer werde deswegen Festkörperbatterien verstärkt in Hybriden einsetzen, um hierdurch die Technologie schneller auf den Markt zu bringen. Erste Autos mit dem neuen Batterietyp will Toyota im kommenden Jahr auf Testfahrt schicken, ab 2025 könnte dieser Batterietyp dann womöglich bereits Serienreife erreichen.

Während Toyota mit Technologieoffenheit und massiven Investments von sich reden macht, rührt Tesla-Chef Elon Musk unterdessen ganz massiv die Werbetrommel für seine E-Autos in Deutschland: Am 9. Oktober ist die sich noch im Bau befindliche Gigafactory im brandenburgischen Grünheide ganztägig für die Bevölkerung zur Besichtigung geöffnet. Er selbst werde ebenfalls dabei sein, twitterte der umtriebige Tesla-CEO bereits.

Blick hinter die Kulissen

Auf der Internetseite giga-fest.com können sich Interessierte vorregistrieren, teilte das für seine restriktive Öffentlichkeitsarbeit bekannte Unternehmen mit. Tesla lädt demnach „die Bürgerinnen und Bürger aus Brandenburg und Berlin zur Gigafactory County Fair“, um die „fortschrittlichste Serienproduktionsstätte für Elektrofahrzeuge der Welt hautnah“ zu erleben und einen „Blick hinter die Kulissen“ zu werfen. So soll es „zahlreiche Stände rund um Tesla, seine Mission und die Produkte“, dazu ein „abwechslungsreiches Rahmenprogramm“ geben, heißt es von Unternehmensseite aus. Gleichzeitig werde das neue Model Y vorgestellt – ein E-Wagen, der nach Firmenangaben aus dem Stand 3,7 Sekunden bis auf 100 Stundenkilometer braucht.

Tesla weist zudem darauf hin, dass „wegen der Kapazitätsbeschränkungen“ auch mit Voranmeldung Eintrittskarten nicht garantiert sind. Nach den aktuellen Corona-Regeln dürften sich bei solchen Veranstaltungen nicht mehr als 5 000 Menschen gleichzeitig auf dem Areal aufhalten. Einwohner aus Berlin und Brandenburg hätten zudem einen bevorzugten Zugriff auf die vorhandenen Tickets, heißt es weiter.

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