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Peter Schallenberg: Katholische Stimme muss weiter zu hören sein

Die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle wird geschlossen: Das Erbe der katholischen Soziallehre gilt es trotzdem zu pflegen.
Obdachloser vor einer christlichen Gemeinde
Foto: IMAGO/Amy Katz (www.imago-images.de) | "Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan" – an diesem Satz des Matthäusevangeliums (25,40) muss sich die katholische Soziallehre auch zukünftig messen lassen.

Dies ist die vorletzte Kolumne, die in gemeinsamer Verantwortung der Tagespost und der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle" (KSZ) erscheint. Denn: Die KSZ wird auf Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz im Verlauf dieses Jahres bis zum 31.12. aufgelöst. Der Grund dafür sind allgemeine Einsparungen, die Immobilie hätte energetisch ertüchtigt werden müssen, nun soll sie verkauft werden. Meine seit 1. April 2010 jeweils dreijährige Amtszeit hätte verlängert werden müssen, nun endet sie am 31.3.2024.

Mit der endgültigen Schließung geht zu meinem größten Bedauern eine lange Tradition des Sozialkatholizismus in Deutschland zu Ende, auch wenn einiges von der Arbeit der KSZ im Sekretariat der Bischofskonferenz, und vielleicht auch im Rahmen der Theologischen Fakultät in Paderborn und in Zusammenarbeit mit dem Paderborner Sozialinstitut Kommende in Dortmund, weitergeführt werden kann.

Verlust einer wichtigen Stimme der katholischen Soziallehre

Aber es wird eine wichtige Stimme der katholischen Soziallehre fehlen, in der Tradition des katholischen Volksvereins seit 1890 in Mönchengladbach, und in der Tradition Joseph Höffners, der noch als Professor für Christliche Gesellschaftslehre in Münster auf die Fortführung der sozialpolitischen Tätigkeit des Volksvereins drängte, und schließlich Erfolg hatte mit der Gründung der KSZ 1963.

Pater Gustav Gundlach SJ und Pater Anton Rauscher SJ waren die ersten beiden verdienstvollen Direktoren. Die Schließung bedeutet leider auch, dass diese sozialpolitische Stimme der katholischen Kirche in Deutschland schwächer wird, und damit auch die Stimme einer katholischen Begründung der Sozialen Marktwirtschaft. Das wäre aber gerade mit Blick auf ein Europa unterschiedlicher Vaterländer mit der gemeinsamen Wertgrundlage christlicher Sozialethik sehr wichtig. Jean-Claude Juncker hat dies im Tagespost-Interview bestätigt: Das christliche Menschenbild in Europa wird wesentlich durch die katholische Soziallehre vermittelt! Deswegen trägt eines der letzten Hefte in der „Grünen Reihe“ der KSZ den Titel: Soziale Marktwirtschaft für Osteuropa.

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Aufgerufen zum Dienst am Menschen

Keine Sorge aber: In Absprache mit der Tagespost geht die Kolumne weiter, mit einem bewährten Kreis von Autoren, die auch in Zukunft mit mir Wirtschaft und Sozialpolitik aus der Sicht der katholischen Soziallehre kommentieren werden. Das ist aus meiner Sicht unbedingt notwendig und in einer zunehmend säkularen Welt noch nötiger als früher. Denn es gilt der warnende Satz von Pater Alfred Delp SJ wenige Wochen vor seiner Hinrichtung durch die Nationalsozialisten in Plötzensee: „Man wird uns kein Wort des Evangeliums mehr glauben, wenn wir uns nicht blutig geschunden haben im Dienst am Menschen!“

Dienst am Menschen ist Treue zu Gott und seiner Menschwerdung, und ist Gottesdienst und notwendige Folge der Liturgie und des Betens. Und das ist nichts anderes, als was der Herr selbst im Matthäus-Evangelium sagt: „Was ihr den Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“ – selbst dann, so dürfen wir wohl ergänzen, wenn das nicht unmittelbar zu Missionserfolgen und zur Bekehrung führt. Und deswegen muss die soziale und politische Stimme der Kirche freundlich, aber laut und vernehmlich bleiben!


Der Autor ist Direktor der KSZ in Mönchengladbach.

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