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Ökonomin Welter: Handel trägt zum Frieden bei

Die deutsche Volkswirtschaft hat weltweit von der Globalisierung in den vergangenen Jahrzehnten profitiert.
EU-Lok 30 Jahre Europäischer Binnenmarkt
Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Zwei Jahre Krieg in der Ukraine, militärische Auseinandersetzungen rund um Israel – die Welt scheint immer mehr aus den Fugen zu geraten. Angesichts dieser Entwicklung wünschen sich viele Menschen Versöhnung, Zufriedenheit, Wohlstand, kurz gesagt: Shalom – Frieden.

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Auch wenn es immer wieder Kritik an der Globalisierung gibt, trägt letztlich internationaler Handel zu Frieden in der Welt bei. Dies belegt der Blick in die Geschichte des 20. Jahrhunderts und insbesondere auf das Friedensprojekt „EU-Binnenmarkt“: Die Entwicklung der Dampfschifffahrt und Eisenbahn erlaubten es im 19. Jahrhundert, erstmals über weitere Entfernungen große Mengen an Gütern zu transportieren. Hierdurch wurde der internationale Warenhandel und der Kontakt zwischen den Ländern enorm befördert, bevor infolge des Ersten Weltkriegs wieder weltweit militärische Blöcke und Nationalismus die Oberhand gewannen. Erst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm der internationale Handel sowohl in Europa als auch weltweit wieder an Fahrt auf.

Die deutsche Außenhandelsquote stieg laut Angaben der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) von rund 44 Prozent in 1990 auf mehr als 70 Prozent in 2008. Bis 2009 exportierte Deutschland mehr Waren als jedes andere Land auf dieser Welt und galt als Exportweltmeister. Inzwischen hat China diesen Titel übernommen.

Der EU-Binnenmarkt zahlt sich aus

Seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise in 2008/09 belasten jedoch der zunehmende Nationalismus in verschiedenen Staaten, der nicht erst seit der protektionistisch ausgerichteten Präsidentschaft von Donald Trump zu beobachten ist, sowie die russischen Okkupationsbestrebungen und externe Schocks wie die Corona-Pandemie den internationalen Handel. Umso mehr zahlt sich der EU-Binnenmarkt für alle europäischen Wirtschaftsunternehmen aus: Dreiviertel der Industrieunternehmen in Deutschland gaben bei einer Befragung des IfM Bonn für die Studie „Entwicklungstendenzen globaler Wertschöpfungsketten aus Sicht mittelständischer Unternehmen“ an, dass dieser für sie der wichtigste Absatzmarkt sei.

Für knapp 70 Prozent ist er zudem der wichtigste Beschaffungsmarkt. China bleibt zwar generell als Beschaffungsmarkt relevant – nicht zuletzt, weil das Land bei einigen Rohstoffen eine monopolartige Stellung einnimmt. Die politische Entwicklung in diesem Land wird jedoch zunehmend kritisch gesehen. Entsprechend rücken andere asiatische Staaten als mögliche Alternativen in den Fokus.

Um weltweit den Frieden zu wahren, empfiehlt es sich zudem, dass die Europäische Union mithilfe von Freihandelsabkommen den freien (Welt-)Handel stärkt. Auf diese Weise erhalten alle Wirtschaftsunternehmen in den Partnerstaaten Planungssicherheit – und sind bereit, langfristige Investitionen zu tätigen.

Die Autorin

Handel trägt zum Frieden bei
Foto: privat | Friederike Welter ist Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn und u.a. Mitglied der Expertenkommission Forschung und Innovation sowie Member of Academia Europaea.

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