Kolumne

Nachhaltigkeit kann nicht pausieren

Es gibt auch eine positive Rolle für Klimaaktivisten: sie sollten weiter auf die Straße gehen, aber nicht um sich anzukleben, sondern um Geld für den Klimawandel zu sammeln.
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Foto: IMAGO/Jochen Tack (www.imago-images.de) | Unser Kolumnist sieht bessere Lösungen als das Ankleben.

Im Fußball gibt es zwei Halbzeiten – und meist kommt es vor allem auf die zweite Halbzeit an. Im wirklichen Leben ist das anders: Klimakatastrophe und Nachhaltigkeitsziele gestatten weder Aufschub noch Pause; wir müssen am Ball bleiben, unsere Strategie im laufenden Spiel anpassen und bei Rückstand offensiver werden.

Ganzheitliche Ökologie

Vor acht Jahren hat uns Papst Franziskus mit 'Laudato Si‘ ermahnt, eine neue ganzheitliche Ökologie zu entwickeln, welche die menschliche und soziale Dimension mit der Umwelt in Einklang bringt. Mit den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen haben wir uns ebenso in 2015 ein Rahmenwerk geschaffen und Ziele gesetzt, die wir bis 2030 erfüllen wollen. Wir sollten uns in Erinnerung rufen, dass die SDGs ein allgemeiner Aufruf sind, die Armut weltweit zu beenden, unseren Planeten zu schützen und allen Menschen Frieden und Wohlstand zu verschaffen. Besonders wichtig ist die Erinnerung daran, dass sich diese Nachhaltigkeitsziele an alle richten: an die Regierungen weltweit, aber auch die Zivilgesellschaft, die Privatwirtschaft und die Wissenschaft. Es bleiben noch acht Jahre, in denen wir mit unseren Anlageentscheidungen positive Auswirkungen für die Menschen und unseren Planeten herbeiführen können. „Impact Investing“, das heißt Investitionen, die neben der finanziellen Rendite eine messbare soziale und ökologische Wirkung zum Ziel haben, sind hierfür ein Beispiel.

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Lücke zwische  Zielen und Impact

Tatsächlich klafft aktuell aber noch eine Lücke zwischen den Zielen und dem nötigen Impact Investment: Für das Erreichen der 17 SDGs sind 30 Billionen (!) Dollar nötig. Hingegen wird vom Global Impact Investing Network, einer gemeinnützigen Organisation, die sich dafür einsetzt, den Umfang von Impact Investment weltweit zu erhöhen, das Volumen des Impact Investing Marktes aktuell mit 1,164 Billionen Dollar beziffert. Gemessen am Volumen des weltweiten Finanzmarkts von circa 300 Billionen Dollar ist das Impact Investing bisher verschwindend gering! Es heißt also alle Kräfte zu mobilisieren. Um privates und öffentliches Kapital in Billionenhöhe für die Erreichung der Klimaziele und Verwirklichung einer sozial gerechteren Gesellschaft zu mobilisieren, bedarf es noch zahlreicher, wesentlicher Voraussetzungen, die von Regierungen, Aufsichtsgremien und Wissenschaft zu schaffen sind, wie Rahmenbedingungen, Standards, Transparenz, Messbarkeit und Financial Engineering.

Solidarische Anlageentscheidungen treffen

Aber schon jetzt kann jeder Marktteilnehmer – ob privater Investor, Kämmerer der Kommune, Finanzdirektor einer kirchlichen Einrichtung oder professioneller Asset Manager etc. – mit seinen Anlageentscheidungen nach ESG (environmental, social, governance) – Kriterien mitwirken. Gerade zum Jahreswechsel werden die Portfolien überprüft; ein guter Anlass, neue Akzente zu setzen und in Solidarität zu handeln. Es gibt auch eine positive Rolle für Klimaaktivisten: sie sollten weiter auf die Straße gehen, aber nicht um sich anzukleben, sondern um Geld für den Klimawandel zu sammeln.

Der Autor ist Managing Director der Machlaan GmbH in München und Coordinator for Germany der Centesimus Annus Pro Pontifice Foundation im Vatikan. Die Kolumne erscheint in Kooperation mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (KSZ) in Mönchengladbach.

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