Das Mercosur-Abkommen ist beschlossene Sache. Was für die einen ein Grund zur Freude ist, ist für die anderen der Untergang der europäischen familiengeführten Landwirtschaft. Für die einen bedeutet der Freihandel, der durch dieses Abkommen kommen soll, ein Mehr an Wohlstand, die Gegner hingegen befürchten eine Zerstörung heimischer Landwirtschaft, die Untergrabung menschenwürdiger Produktionsweisen und eine Senkung allgemeiner Standards für den Klimaschutz. Doch führt diese Debatte nicht am Wesentlichen vorbei? Das Mercosur-Abkommen bedeutet in erster Linie Freihandel – und damit den Abbau von Handelsbarrieren.
Freihandel, das lehrt die Geschichte, hat immer zu einem Mehr an Wohlstand geführt, aber auch, und das ist deutlich, ist dies mit Opfern verbunden; Opfer, die man nicht akzeptieren muss, die aber stets akzeptiert wurden. Die europäische Landwirtschaft hat nicht selten die Debatte verpasst. Was vor Jahrzehnten mit Effizienzsteigerung durch Mechanisierung und damit einhergehender physischer Arbeitserleichterung begann, hat zu einem schrittweisen Verschwinden der familiengeführten Landwirtschaft zugunsten immer größerer Produktionsbetriebe geführt und damit zu einer ökonomisch immer effizienteren Produktion von Nahrungsmitteln. Nicht der Freihandel, sondern letztlich wir selbst haben dies befördert. Erst dadurch wurden Nahrungs- und Genussmittel in der Breite leistbarer und das dort eingesparte Kapital für andere Konsumbereiche frei.
Der Respekt vor der regionalen Landwirtschaft, der heimischen Produktion jedoch, verschwand. „Was nichts kostet, ist nichts wert“, pflegten die Altvorderen zu sagen, und dabei reden wir noch nicht einmal über die Herabstufung von Lebewesen zu Waren. Damit einher ging ein Verfall einer ganzen ländlichen Kultur, familiärer Strukturen und gelebter Landbindung, befördert jedoch letztlich von uns allen, die wir die Konsumenten sind. Die Landwirtschaft befindet sich seit Jahrzehnten in einem tiefgreifenden Wandel, die Konzentration der Produktion von Saatgut, Pflanzen, Dünger und tierischem Genpool ist längst Realität, ebenso das Verschwinden der kleinräumigen Landwirtschaft. Der unabhängige Kleinlandwirt ist eine Chimäre. Wenn wir etwas brauchen, dann ist es weniger die Verhinderung von Freihandel, sondern eine Debatte, wie und was wir essen, und damit das Bewusstsein: Wir alle entscheiden durch unser Kaufverhalten. In der Zwischenzeit wird Mercosur zu mehr Handel führen, das scheint gewiss.
Johannes Auer ist Landwirt und Publizist.
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