Würzburg

Kolumne: Über Roboter in der Pflege

In der Pflege ist eine effiziente, durch Roboter assistierte Pflege nützlich und wünschenswert.
Roboter
Foto: Axel Heimken (dpa) | Roboter erlangen zunehmend auch in der Gesundheitspflege Bedeutung. Foto: Axel Heimken/dpa

Die nächsten drei Jahre werden darüber entscheiden, ob Deutschland in 30 Jahren Weltmarktführer oder Entwicklungsland sein wird. So resümierte der deutsche K.I. Pionier Chris Boos seinen Vortrag bei einem Seminar mit dem Titel „K.I. als Konkurrenz zum Menschen“. Eindrucksvolle Worte, mit denen er nicht die Angst vor apokalyptischen Szenarien schüren, sondern an unser Verantwortungsbewusstsein appellieren wollte. Entwicklung bedarf einer gemeinwohlorientierten Steuerung, damit die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleibt.

Didi der Roboter

Als Höhepunkt des Seminars wurde „Didi“ vorgestellt, ein drolliger humanoider Roboter, dessen Anwendungsbereich unter anderem in der sozialen Interaktion mit Pflegebedürftigen liegt. Zum Verdruss seines Programmierers fiel es der Maschine schwer, die einfachsten Sprachbefehle zu befolgen. Amüsiert über „Didis“ vorprogrammierte Tanzeinlagen und die simulierten Gefühlsausbrüche, war allen schnell klar, dass diese Technologie keine Konkurrenz zum Menschen darstellt. Kulleraugen ohne Mitleid, nichts weiter. Können Roboter angesichts des akuten Fachkräftemangels in der Pflege trotzdem die Lösung sein?

Eine Robotisierung verspricht eine effizientere Pflege nach einem strengen, weil maschinellen Ablauf. Damit stellt man den Wert der Effizienz über den der Empathie. Andererseits räumt man in der ethischen Güterabwägung, den Werten, die den Kern des Menschseins berühren, einen Vorrang ein. Also doch Empathie vor Effizienz? Zur Vermittlung dieses Konflikts hilft eine Unterscheidung zwischen dem reinen Überleben und dem guten Leben.

Zum Überleben gehören die technischen Bedürfnisse des Alltags, im Pflegebereich zum Beispiel Medikamentengabe, motorische Assistenz, medizinische Grundversorgung. In diesem Bereich ist eine effiziente, durch Roboter assistierte Pflege nützlich und wünschenswert.

Wir brauchen zwischenmenschliche Beziehungen

Damit das Leben gelingt, sind wir aber auf zwischenmenschliche Beziehungen angewiesen. Wer „Didi“ in die Kulleraugen schaut, empfindet Empathie und projiziert eigene Emotionen auf eine geistlose Maschine, die in unserer Vorstellung dadurch zum „Leben“ erweckt wird. Diese jedoch kann nur im engen Reaktionsfeld ihrer vorprogrammierten Algorithmen reagieren. Beziehungsfähigkeit, die von den freien und spontanen Reaktionen eines personalen Gegenübers lebt, ist damit von vornherein ausgeschlossen und damit auch die Möglichkeit einer realen Zuneigung.

In der Komplexität einer Pflegesituation gehören die Sorge um das Überleben und das gute Leben zusammen, bedingen einander und gehören zum Ganzen jeder Person. Aufgabe von Technik ist es, im Hintergrund zu bleiben und zu nützen, nicht zu fühlen.

Technik schafft Freiräume, um Beziehungen zu intensivieren und zu verbessern.

Die so gewonnene Zeit bleibt dann frei für die entscheidenden Dinge im Leben, gemeinsam zu lachen und zu weinen. In diesem Bereich können uns die von künstlicher Intelligenz gesteuerten Roboter niemals Konkurrenz machen.

Der Autor ist katholischer Moraltheologe und Promotionsstipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Kolumne erscheint in Kooperation mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach.

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Marius Menke Empathie Künstliche Intelligenz Technik

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