Kolumne: Europas soziale Verantwortung

kolumne: Europas soziale Verantwortung
| Die Autorin ist Professorin für Globalisierung, Entwicklungspolitik und Ethik an der Cologne Business School und Mitglied im Sachbereich Nachhaltige Entwicklung und globale Verantwortung des ZdK.Die Kolumne erscheint ...

Am 26. Mai wird ein neues europäisches Parlament gewählt. Das Parlament hat wichtige Aufgaben. Es ist an fast allen Entscheidungen auf europäischer Ebene beteiligt. Und sehr viele Entscheidungen, die alle Mitgliedsstaaten betreffen sowie viele Entscheidungen, die die ganze Welt betreffen, werden auf europäischer Ebene abgestimmt.

Nach dem 2. Weltkrieg wollten die Völker in Europa vor allem eins: Frieden. Um diesen Frieden zu erreichen, vereinbarten sie eine politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit, die auf gemeinsamen Werten beruhen sollte. Zu diesen gemeinsamen Werten gehören Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Achtung der Menschenrechte. Die Zusammenarbeit auf dieser Basis wurde mehr und mehr ausgebaut. Kriege innerhalb der Europäischen Union sind undenkbar geworden. Am 9. Mai 1950, als der französische Außenminister Robert Schuman eine gemeinsame Autorität über die französische und deutsche Kohle- und Stahlindustrie vorschlug, damit Kriege untereinander unmöglich würden, galt seine Idee noch als revolutionär und wurde sicher von vielen als unrealistisch eingeschätzt. Sie setzte jedoch die Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich, Italien und den Benelux-Staaten in Gang. Seitdem sind mehr und mehr Länder in die Europäische Zusammenarbeit integriert worden. Der Wohlstand in der Europäischen Union und gerade auch in Deutschland ist enorm gewachsen. Die Einschnitte aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise sind in Deutschland überwunden, in den südlichen europäischen Ländern aber besonders für die Jugend noch sehr stark spürbar beispielsweise durch schlechte Arbeitsperspektiven. 2012 hat Europa für das gemeinsame Friedensprojekt den Friedensnobelpreis erhalten. Jetzt ist es an der Zeit, sich noch mehr für Frieden, Gerechtigkeit und Wohlstand nicht nur in Europa, sondern auch weltweit einzusetzen und Politiker und Politikerinnen zu wählen, die diesen Weitblick haben. Als Christen und Christinnen gehören wir alle zu der einen Menschheitsfamilie. Alle Menschen sind nach dem Bild Gottes geschaffen und alle sind von Gott mit der gleichen Würde ausgestattet worden. Papst Franziskus hat vor wenigen Tagen in Bulgarien die christlichen Wurzeln hervorgehoben, die die „Berufung zur Begegnung“ zwischen verschiedenen Kulturen, Völkern und Religionen begründet. Anlässlich der Feierlichkeiten zum sechzigsten Jahrestag der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft erklärte der Papst vor zwei Jahren, dass „Europa eine Familie von Völkern ist“, die „alle in dem Maße wachsen können, wie sie geeint sind“. Er hob hervor, dass viele Länder in der Welt Interesse an dem europäischen Projekt haben. Deshalb ist es so wichtig, dass immer mehr Länder in gute und als gerecht empfundene politische und wirtschaftliche Beziehungen mit Europa einbezogen werden, damit immer mehr Länder an dem Friedensprojekt teilhaben können und ein Zusammenleben in der Welt möglich wird, das christlichen Maßstäben mehr und mehr gerecht wird.

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Christentum Europäische Union Papst Franziskus Päpste Robert Schuman Wahrung der Menschenrechte Wirtschaftsbeziehungen

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