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Katholische Unternehmer: Das Vertrauen in die Wirtschaft ist futsch

Die Berliner Diözesangruppe des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) und die Konrad-Adenauer-Stiftung schauen gemeinsam auf die wirtschaftliche Lage: Die Stimmung ist mies.
Bergsteiger und Unternehmer haben viel gemein.
Foto: IMAGO/Zoonar.com/Ian Iankovskii (www.imago-images.de) | In der Wirtschaft ist es wie beim Bergsteigen: Wer den Gipfel erreichen will, benötigt Kraft, Mut und Leistungsbereitschaft. Und vor allem: Das Vertrauen, es schaffen zu können.

Die Stimmung ist noch schlimmer als die schon katastrophale Lage.“ Ein Teilnehmer der Veranstaltung brachte in seinem Statement die Stimmung gut auf den Punkt, die sich bei einer Veranstaltung der Berliner Diözesangruppe des BKU zusammen mit der Adenauer-Stiftung Anfang der Woche mit Blick auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland zeigt. So lauteten denn auch die am meisten gebrauchten Vokabeln an diesem Abend: „Mut“ und „Vertrauen“. Es hatte schon etwas von Autosuggestion. Schließlich hat Wirtschaft auch viel mit Psychologie zu tun. Ohne Vertrauen in stabile Rahmenbedingungen sinkt die Investionsbereitschaft. Ein Rattenschwanz von negativen Konsequenzen folgt.

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Von mehreren Referenten an diesem Abend wurde diese Entwicklung mit entsprechendem Daten-Material unterfüttert. Aber der Abend war vor allem deswegen interessant, weil er dem Beobachter ein Stimmungsbild vermitteln konnte, das in gewisser Weise typisch ist für die politischen Probleme, die das, wenn man so will, Milieu umtreibt, das sich hier versammelte. BKU und KAS, also katholische Unternehmer und ein der Union nahestehendes Auditorium, da wäre in klassischen Zeiten klar gewesen, wem hier das Vertrauen gilt. Aber die Zeiten sind eben anders. Großer Konsens herrscht über das politische Versagen der Ampelparteien, insbesondere des grünen Wirtschaftsministers Robert Habeck, aber bei der Frage, welche Mitschuld die Union für die negative Entwicklung in den vergangenen Jahren trägt, zeigen sich die Unterschiede.

Skepsis gegenüber der CDU-Selbstkritik

Auch Gitta Connemann, CDU-MdB und als Bundesvorsitzende der Mittelstand- und Wirtschaftsvereinigung so etwas wie die „Mrs. Wirtschaft“ der Union, redet gar nicht lange drumherum. Natürlich habe die CDU in der Ära Merkel ihren Markenkern vernachlässigt, in der Großen Koalition sich von dem roten Partnern gängeln lassen und überhaupt die ordnungspolitische Kompetenz vernachlässigt. Aber Connemann, die gewiss keine politische Freundin der Alt-Kanzlerin ist, wie zwischen den Zeilen immer wieder durchscheint, warnt vor vernichtender Pauschalkritik. Stattdessen will sie den Blick auf die, wie sie sagt, „geläuterte CDU“ richten. Unter Friedrich Merz und ihrem Vorgänger in der Mittelstandsvereinigung, dem Generalsekretär der Partei, Carsten Linnemann, würden doch nun die Weichen in eine ganz andere Richtung gestellt. Das sei anzuerkennen.

Und die von ihr recht wuchtig vorgetragene Liste, mit zehn Punkten, wo sofort Wirtschaftspolitisches zu ändern sei – etwa Kernkraftewerke wieder hochfahren –, wurde denn auch lebhaft beklatscht. Aber es zeigte sich auch Skepsis. Andreas Ritzenhoff, ebenfalls CDU-Mitglied, Unternehmer aus Marburg, 2021 warf er sogar seinen Hut bei der Kandidatur um den Bundesvorsitz in den Ring, meldete Zweifel an, ob die notwendige Selbstkritik der Union mit Blick auf die Ära Merkel, denn wirklich in dem notwendigen Umfang ausfallen werde. Als er dann noch Reformen im politischen Betrieb – Stichwort: Minister sollten Experten sein – forderte, erhielt er von der einen Seite durchaus stürmischen Applaus, bekam von der anderen aber auch Gegenwind zu spüren. „Populismus“, rief etwa eine Teilnehmerin, bezeichnenderweise eine ehemalige Abgeordnete, die gewiss eine spezielle Binnensicht hat. Gitta Connemann hatte allerdings zu diesem Zeitpunkt die Veranstaltung schon verlassen. Sie hätte sonst merken können, dass es gar nicht so leicht werden wird,  den Slogan von der „geläuterten CDU“ durchzusetzen.

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