Es ist das Jahr 1199: Ein Aufruhr weht durch die Straßen der lombardischen Hauptstadt Cremona, denn ihre Bürger hatten Papst Innozenz III. zu etwas bewegt, das noch nie zuvor in der Kirchengeschichte geschehen war: Ein Laie wird heiliggesprochen. Es handelt sich um den heiligen Homobonus, einen cremonischen Tuchhändler, der die Schneiderei seines Vaters erbte und massiv expandierte. Er war ganz ein Heiliger seiner Zeit, denn das zwölfte und dreizehnte Jahrhundert waren in Italien keineswegs finsterstes Mittelalter, sondern standen unter dem Zeichen des Aufschwungs – die Städte wuchsen, die Geschäfte florierten, die Handelsnetzwerke entfalteten sich.
Handel und Heiligkeit
Kapitalismus muss nicht moralisch neutral sein: Wirtschaftswachstum kann und soll ein Ort der sozialen Tugend sein. Wie das geht, lehrt der heilige Homobonus.
