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Erbe und Erwartungen

Leo XIII., Vater der Katholischen Soziallehre, beklagte „verwerfliche“ Neuerungen. Sein Nachfolger steht vor einer ähnlichen Situation.
Leo XIII.
Foto: Imago/Kena Images | In seiner Sozialenzyklika „Rerum novarum“ beklagt Papst Leo XIII. Missstände, die auch heute noch vorherrschen.

Bei Jubiläen wird meist in Erinnerungen geschwelgt. Das war auch vergangenen Samstag beim 80. Walberberger Buß- und Bettagsgespräch nicht anders, zu dem das Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg unter der Überschrift „Leo XIII. / Leo XIV. – Erbe und Erwartungen“ ins Ameron Hotel Königshof nach Bonn geladen hatte. In seiner humorigen Begrüßung memorierte der Vorsitzende des Instituts, Pater Wolfgang Ockenfels OP, denn auch dessen Gründungsgeschichte und lobte viele seiner längst verstorbenen Mitbrüder. Angefangen bei den Begründern der bis heute vom Institut herausgegebenen Zeitschrift Die neue Ordnung, Laurentius Siemer und Eberhard Welty, bis hin zu Basilius Streithofen.

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Ohne Rückblick kam auch Tagespost-Herausgeber Norbert Neuhaus nicht aus, der der Frage nachging, was die berühmte Sozialenzyklika „Rerum novarum“ Papst Leos XIII. aus dem Jahre 1891 heute Lebenden zu sagen habe. In ihr beklage Leo XIII. den „Geist der Neuerungen“ und dessen „verwerfliche Wirkungen“ sowohl im „politischen“ als auch im „volkswirtschaftlichen“ Bereich, die Vermögenskonzentration in den Händen weniger und die Verarmung der großen Menge, den „Niedergang der Sitten“ sowie die „bange Erwartung der Gemüter gegenüber der Zukunft“.

All das treffe, so Neuhaus, auch heute zu. Erstmals lebe unter uns ein US-Dollar-Billionär, gebe es weltweit 3028 Milliardäre, die im Schnitt 5,3 Milliarden US-Dollar besäßen, während „breite Schichten des Mittelstandes“ allmählich verarmten. Klagen über den „Niedergang der Sitten“ gebe es auf allen Gebieten. „Krieg, Klimawandel, wirtschaftlich-technologische Umbrüche“ sowie die „Verschiebung globaler Machtstrukturen“ ließen Menschen erneut „mit banger Erwartung in die Zukunft blicken“.
Im Zentrum von Neuhaus’ Ausführungen standen jedoch die „Irrtümer der heutigen Zeit“, für die der promovierte Volkswirt vor allem die UNO verantwortlich machte. Die habe nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die Möglichkeit gesehen, eine neue Weltordnung zu etablieren und zu ihrem Aufbau eine Reihe internationaler Konferenzen organisiert, von denen die wichtigsten 1992 in Rio, 1994 in Kairo und 1995 in Peking stattgefunden hätten.

Die „neue globale Ethik“ verspreche „nachhaltige Entwicklung“ durch Förderung „reproduktiver Gesundheit“, „women empowerment“, „gender“ und „Kinderrechten“. Tatsächlich gehe es jedoch um Abtreibung und die Entmündigung von Eltern. Mit der Förderung der „partizipativen Demokratie“ drohe der Staat „zum Büttel bestimmter Gruppen“ zu werden, die ihre Interessen lautstark verträten. Wer sich diesen nicht beuge, stehe außerhalb des „Konsens“ und werde als „rechts“ gelabelt.
Heilung verspreche die Besinnung auf die Transzendenznatur des Menschen, die Beachtung des natürlichen Sittengesetzes und des Subsidiaritätsprinzips, das den Vorrang der Familie vor dem Staat einschließe, sowie das Streben nach Tugend, das Unrecht reduziere. Statt um Konsens müsse es um Eintracht gehen.

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Im Anschluss an Neuhaus skizzierte die in Rom arbeitende TV-Journalistin Claudia Kaminski mögliche Eckpfeiler des Pontifikats Leos XIV. Neben der Option für die Armen sei dies vor allem die Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz, die der Papst für wirkmächtig genug halte, um eine „Zweite Industrielle Revolution“ auszulösen.

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