Kolumne

Die Logik der Tech-Monopole

Tech-Unternehmen wie Amazon und Facebook stehen im Fokus einer erneuerten Debatte um zu viel Marktmacht.
Apple: iPhones und Macs brauchen dringend Update
Foto: Sven Hoppe (dpa) | Apple führt die Liste der wertvollsten Tech-Unternehmen mit 2 628 Milliarden Dollar an.

Effizienter Wettbewerb ist die Grundvoraussetzung eines funktionierenden, innovativen Wirtschaftssystems. Der Markt fungiert dabei als Ort des optimalen, dezentralen Wissens- und Interessenaustauschs, jedenfalls in der Theorie. Weder regelt der Markt alles allein, noch verhindert er ineffiziente Machtverschiebungen und Monopole. Letztere gelten seit jeher als Problem, weil durch sie Wettbewerb verhindert wird, Preisbildung und Markmacht einseitig verteilt sind und Innovationen abgewürgt werden, kurz: Märkte werden durch Monopole ineffizient.

Zerschlagung von Monopolen

Die Verhinderung oder Zerschlagung von Monopolen beziehungsweise die Einschränkung von Marktmacht ist daher schon lange ein Mittel der Wirtschaftspolitik – selbst die Vereinigten Staaten, immer wieder Beispiel eines hochkapitalistischen, freien Marktes – haben bereits seit 1890 mit dem Sherman Antitrust Act häufig in den Markt eingegriffen, um Marktmacht von einzelnen Unternehmen zu beschränken. Einige bekannte US-Unternehmen wurden auf dieser Grundlage bereits gezwungen, Geschäftszweige oder Anteile zu verkaufen: American Tabacco, Standard Oil, DuPont, IBM und AT&T gehören zu den bekanntesten Beispielen der Wirtschaftsgeschichte.

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Die Frage nach der Einschränkung von Marktmacht ist allerdings aktueller denn je. Gerade Tech-Unternehmen wie Amazon und Facebook stehen im Fokus einer erneuerten Debatte um zu viel Marktmacht. Wie viel Marktkapitalisierung diese Unternehmen auf sich vereinen, macht der zeitliche Vergleich deutlich: 1980 war das wertvollste Unternehmen an der Börse IBM mit 40 Milliarden Dollar. Noch im Jahr 2000 fand man unter den fünf teuersten Unternehmen keine der heutigen Tech-Werte: Es führte GE mit 475 Milliarden Marktkapitalisierung. Heute ist jedoch nicht nur die Tech-Dominanz erdrückend, auch die Marktkapitalisierung hat ungeahnte Höhen erreicht: Apple führt mit 2 628 Milliarden Dollar, es folgen Microsoft (2 527), Alphabet (1 938), Amazon (1 723) und Tesla (1 205; eher ein Tech-Unternehmen als ein reiner Autobauer). Dieser Vergleich zeigt sehr deutlich, wie abhängig die Weltwirtschaft von wenigen Tech-Firmen ist und wie stark ihre Marktmacht angewachsen ist. Aber warum ist das so?

Wertschöpfung durch Nutzerzahlen

Die Digitalwirtschaft unterscheidet sich völlig vom bisher dominierenden Industriekapitalismus: Letzterer stellte materielle Dinge her, die nicht beliebig vervielfältigt werden konnten. Ganz anders die Digitalwirtschaft, die im Grunde keinerlei Grenzkosten mehr hat, weil ihre Leistung beliebig kopiert werden kann. Die Wertschöpfung spiegelt sich vor allem in Nutzerzahlen und dem hier tatsächlich möglichen exponentiellen Wachstum. Die Gewinne können so durch die Unternehmen ab einem bestimmten Punkt fast beliebig skaliert werden. Diese Logik strebt immer nach Monopolen und bisher ist noch nicht ausgemacht, wie die internationale Wirtschaftspolitik, trotz erster zarter Versuche, diesem Phänomen wirklich begegnen will. Das Problem, so könnte man zugespitzt sagen, sind nicht die Konzerne selbst, sondern die dahinterliegende Logik der Internet-Ökonomie. Diese Logik stellt für die Zukunft der politischen Gemeinwesen weltweit eine der größten Herausforderungen dar: wirtschaftlich, ethisch und kulturell.

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