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Das Grunderbe ist der falsche Ansatz

Mit einem Grunderbe wird es nicht gelingen, die Wohlstandschancen zu verbessern, schreibt Marco Bonacker. Investieren muss man in Bildung.
Plädoyer gegen Grunderbe
Foto: IMAGO/Zoonar.com/Maren Winter (www.imago-images.de) | Geldregen für alle, so lautet der Wunschtraum der Jusos.

Immer wieder in den letzten Jahren ist die Forderung nach einem Grunderbe erhoben worden. Zuletzt auf dem Bundeskongress der Jusos: Jeder Jugendliche, unabhängig vom Aufenthaltsstatus in Deutschland, der das 18. Lebensjahr vollendet hat, soll mit 60.000 Euro Grunderbe bedacht werden. Auch renommierte Wirtschaftswissenschaftler haben diese Idee unterstützt, so etwa Marcel Fratscher, der allerdings im Jahr 2022 von 20.000 Euro spricht. Unabhängig von der exakten Höhe (wer legt die am Ende wohl fest?) sind die Argumente ähnlich: Als Mittel der Umverteilung von Alt zu Jung sei das Grunderbe geeignet, gesellschaftliche Ungleichheit zu reduzieren, Chancen anzugleichen und allen jungen Menschen Raum für Freiheit und Kreativität in ihren Lebensentwürfen zu ermöglichen.

Keine Steuermittel verschwenden

Es sei, so Fratscher, eine wichtige und proaktive Investition in die jungen Bürger dieses Landes und ein Baustein eines aktiven Sozialstaats. Man darf schon hier skeptisch anfragen, ob durch ein Grunderbe ein Großteil anderer sozialer Förderungen zugleich entfallen würde. Zudem: Wieso sollten Steuermittel in dieser Höhe an Jugendliche aus sehr unterschiedlichen sozialen Verhältnissen ausgezahlt werden? Von Vorgaben, für was dieses Geld ausgegeben werden soll, ist darüber hinaus auch nichts zu lesen. Es wird lediglich das Ideal von Kreativität und Freiheit bemüht, das sich ergeben würde. Aber wieso sollten diese Steuermittel denn unterschiedslos für alles Mögliche ausgegeben werden können, anstatt sich zumindest auf Kultur, Bildung und Ausbildung zu fokussieren? Das destruktive, ja sinnlose Potenzial, ist kaum von der Hand zu weisen – bei allem Zutrauen in die junge Generation.

Chancen und Potenziale ergeben sich doch nicht in erster Linie durch die Vergabe von finanziellen Mitteln, die mit der Gießkanne verteilt werden. Sie werden nur dort auf fruchtbaren Boden fallen, wo Verantwortung, Kreativität und der umsichtige und kenntnisreiche Umgang mit Geld schon vorher vorhanden sind. Es ist keine gewagte Prognose, dass ein Großteil dieser Mittel völlig sinnlos verpuffen würde.

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„Wohlstand für alle“

Wer wirkliche Eigenverantwortung stärken und Wohlstandschancen erhöhen will, sollte finanzielle Bildung fördern: Welche finanzielle Absicherung sollte ich mir aufbauen und wie funktioniert das ganz konkret? Welche Anlagemöglichkeiten gibt es und wie funktionieren Investitionen am Aktien- oder Zinsmarkt? Wer diese Fragen zumindest in Grundzügen beantworten kann, wäre überhaupt erst in der Lage, mit welchem Geldbetrag auch immer sinnvoll umzugehen.

So könnten sich wirkliche Chancen auf einen „Wohlstand für alle“ einstellen. Gerade in einer Gesellschaft, die latent marktkritisch ist und über wenig Finanzbildung verfügt, wären wohl auch 20.000 oder 60.000 Euro für jeden Jugendlichen schnell verbraucht. Das Grunderbe, bei allen hehren Zielen, die als Begründung dafür ins Feld geführt werden, könnte aus sich heraus keines davon erfüllen.

Der Autor

Der Autor ist Leiter der Abteilung Erwachsenenbildung im Bistum Fulda. Die Kolumne erscheint in Kooperation mit der KSZ in Möchengladbach.

kolumne: Grunderbe –  der falsche Ansatz
Foto: privat | Marco Bonacker

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