Wachstumslücke

Chinas Wirtschaft unter Druck

Das Reich der Mitte sieht sich einer Vielzahl von Problemen ausgesetzt.
Coronavirus - China
Foto: Mark Schiefelbein (AP) | Stillstand im Wachstum, ein Albtraum für Xi's ambitionierte Pläne.

Bis 2030 möchte China sowohl die führende Wirtschaftsmacht als auch der große Künstliche-Intelligenz-Vorreiter auf Erden werden – doch zwischen Wünschen, gerade wenn sie in Diktaturen ausgeheckt werden, und der Wirklichkeit klaffen manchmal große Lücken.

Mini-Wachstum um 0,4 Prozent im 2. Quartal

Denn der (Alp-)Traum von der die ganze Welt beherrschenden Hypermacht China scheint zumindest bis auf weiteres ausgeträumt zu sein – die chinesische Wirtschaft befindet sich gegenwärtig nämlich auf regelrechter Talfahrt. So legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die zweitgrößte Volkswirtschaft im zweiten Quartal nur noch um 0,4 Prozent zu, wie das Pekinger Statistikbüro mitteilte. Es ist das schwächste Quartalswachstum seit dem Beginn der Corona-Pandemie – zumal im ersten Quartal die Wirtschaft noch um 4,8 Prozent gewachsen ist. Ein riesiger Absturz – und zu wenig für die chinesischen Ambitionen.

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Ein wichtiger Grund für die wirtschaftliche Eintrübung: Die restriktive Anti-Corona-Politik von Xi Jinping, die nicht nur die einheimische Wirtschaft ausbremst, sondern auch immer mehr Investoren davon abhält, im Reich der Mitte zu investieren. Laut „Bloomberg“ werden neben der als knallhart geltenden und willkürlich empfundenen Lockdown- und Wirtschaftspolitik der kommunistischen Partei zudem die sich immer stärker ausbreitende Immobilienkrise sowie Chinas positive Haltung gegenüber Russland und Wladimir Putin angesichts des Ukraine-Krieges als wichtigste Gründe für den Rückzug westlicher Investoren aus dem chinesischen Markt genannt. Kurzgefasst: In einen unberechenbaren und zudem als Systemgegner Nr. 1 geltenden Wirtschaftsraum möchten immer weniger Kapitalgeber investieren.

Immobilienkrise, Proteste und Jugendarbeitslosigkeit

Die unmittelbaren Auswirkungen der drohenden Rezession zeigen sich immer deutlicher: Der überhitzten Immobilienbranche, einer der zentralen Säulen der einheimischen Volkswirtschaft, droht eine Abwärtsspirale. Derzeit weigern sich zehntausende Chinesinnen und Chinesen, ihre Hypotheken für festgefahrene Bauprojekte zu bedienen – und schrecken aus Angst vor einem großen Bankensterben auch vor offenem Protest gegen Peking nicht mehr zurück. Gleichzeitig wächst die Jugendarbeitslosigkeit: Fast jeder fünfte Chinese zwischen 16 und 24 Jahren hat derzeit kein Einkommen – die Jugendarbeitslosigkeit beziehungsweise diejenige der jungen Erwachsenen liegt somit bei sehr hohen 19,3 Prozent. Auch der Autokrat und unumschränkte Macht gewohnte Xi Jinping dürfte wissen: Die gegenwärtige ökonomische Situation birgt enorme soziale Sprengkraft.

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