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Wo die Berge ins Meer fallen

Zwischen türkisblauer Adria und den schroffen Gipfeln des Biokovo-Gebirges zeigt sich die Makarska Riviera im Frühling von ihrer besten Seite. Duftende Küstenpfade, spektakuläre Panoramablicke und stille Berglandschaften machen diese Region Kroatiens zu einem idealen Ziel für Wanderer.
Makarska_Riviera
Foto: Delia Bösch | Schreit geradezu nach Urlaub: die Makarska Riviera in Kroatien.

This is the best“, sagt unser Fahrer und deutet nach einer langgezogenen Kurve auf die Küste. Vor uns öffnet sich eine Landschaft wie aus einem Bilderbuch: tiefblaues Meer, grüne Inseln am Horizont und darüber eine dramatische Bergkulisse. Er übertreibt nicht. Die dalmatinische Riviera zwischen Split und Dubrovnik zählt zu den schönsten Küstenregionen Europas.

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Nur eine gute Flugstunde von München entfernt landen wir in Split bei strahlendem Sonnenschein. Palmen säumen die Straßen, zwischen Olivenbäumen blühen Zitronen- und Orangenbäume. Schon beim Anflug wird deutlich, warum dieser Landstrich so beliebt ist: eine zerklüftete Küstenlinie mit kleinen Buchten, vorgelagerten Inseln und die mächtigen Kalksteinberge des dalmatinischen Hinterlands.

Pinien, Promenaden und Panoramawege

Die Makarska Riviera zieht sich über rund 60 Kilometer entlang der Adria. Türkisfarbenes Wasser trifft hier auf helle Kiesstrände, darüber steigen die Hänge des Biokovo-Gebirges dramatisch aus dem Meer auf. Während im Hochsommer Badegäste dominieren, gehört die Region im Frühling und Herbst Wanderern und Naturfreunden.

Im Frühjahr liegt eine angenehme Leichtigkeit über der Küste. Die Cafés entlang der Hafenpromenade von Makarska stellen ihre Tische wieder ins Freie, Fischerboote, schmucke Yachten und historische Ausflugsschiffe schaukeln im Hafen, und die ersten Urlauber flanieren entlang der Promenade. Auf der kleinen Halbinsel Sveti Petar führt ein schmaler Weg durch einen Pinienwald zu Aussichtspunkten über Stadt und Meer.

Eine Küste, die verzaubert

Ein alter Leuchtturm wacht hier über die Bucht, nur wenige Schritte entfernt steht die kleine Kirche St. Peter. Sie hat eine ungewöhnliche Geschichte: Nach dem schweren Erdbeben von 1962 wurden die Ruinen der Kirche aus dem 13. Jahrhundert während der sozialistischen Tito-Zeit einfach abgetragen und die Steine ins Meer geworfen. Erst Jahrzehnte später besann man sich auf die historische Bedeutung des Ortes. Anfang der 1990er-Jahre wurde die Kirche auf den alten Fundamenten wieder aufgebaut und dem heiligen Petrus geweiht.

Heute steht sie schlicht und weiß über den Felsen der Halbinsel – ein stiller Aussichtspunkt, von dem sich ein weiter Blick über Hafen, Stadt und das Biokovo-Gebirge öffnet. Von dort aus blickt man über das glitzernde Wasser bis zu den Inseln der mittleren Adria. Ein idealer Ort, um anzukommen – und um zu verstehen, warum diese Küste seit Jahrhunderten Reisende fasziniert.

Katholische Zeugnisse

Die dalmatinische Küste ist nicht nur landschaftlich, sondern auch kulturell reizvoll. Religiöse Traditionen spielen im Alltag vieler Kroaten bis heute eine wichtige Rolle. Gerade im Frühling, wenn die Saison langsam beginnt, sind in den Altstädten an den Festtagen kleine Prozessionen mit erstaunlich vielen jungen Menschen zu sehen – Zeugnisse einer langen katholischen Tradition.

Der Glaube gewann besonders nach dem Zerfall Jugoslawiens in den 1990er-Jahren wieder an Bedeutung. Für viele Kroaten wurde die Kirche zu einem Symbol nationaler Identität und kultureller Kontinuität. Doch im Alltag mischen sich Tradition und modernes Leben ganz selbstverständlich: Nach dem Kirchgang trifft man sich im Café, diskutiert über Politik oder Fußball und genießt den Blick aufs Meer.

Wandern zwischen Pinien und Karst

Unsere erste Wanderung führt uns auf Küstenwegen durch den bewaldeten Naturpark Osejava südlich von Makarska. Der Weg schlängelt sich durch Pinienhaine, Zedern und Macchia, immer wieder öffnen sich Aussichtspunkte über das glasklar schimmernde Wasser. Der Duft von Harz und wilden Lilien liegt in der Luft, während unten in den Buchten das Meer leise gegen die Felsen schlägt.

Doch das eigentliche Wanderparadies erhebt sich direkt hinter der Küste: der mächtige Biokovo-Naturpark. Kaum irgendwo in Europa liegen Hochgebirge und Meer so nah beieinander. Innerhalb weniger Kilometer steigt das Gelände von Meereshöhe auf über 1 700 Meter an.

Jahrhundertelang lebten die Menschen hier vom kargen Boden der Berge. „Von fast jedem Haus an der Küste führte früher ein eigener Weg hinauf ins Hinterland“, erzählt unser Wanderführer Albert Strman. Über diese Pfade transportierten Bauern Lebensmittel, Holz oder Wein zwischen Küste und Hochland.

Noch heute zeugen verfallene Hirtenhäuser, Kapellen und alte Steinmauern von diesem Leben zwischen Berg und Meer. Gleichzeitig ist das Gebirge ein Hotspot der Biodiversität: Mehr als 1 500 Pflanzenarten und über 200 Vogelarten wurden hier registriert. Mit etwas Glück begegnet man sogar halbwilden Pferden, die über die Karsthochflächen ziehen.

Beeindruckendes Panorama über der Adria

Ein Bus bringt uns über eine schmale Serpentinenstraße auf rund 1 200 Meter Höhe. Von dort beginnt unsere Wanderung über die von Pinien und Karstfelsen geprägte Landschaft. Gleich zu Beginn wartet ein spektakulärer Aussichtspunkt: der Skywalk Biokovo. Die halbkreisförmige Glasplattform ragt wie ein Balkon über die steilen Felsen hinaus. Unter unseren Füßen fällt das Gelände Hunderte Meter in die Tiefe, während der Blick weit über die Küste und das Meer schweift.

Vor uns liegt die Insel Bra(c), deren Berge im Dunst der Ferne schimmern. Weiter südlich zeichnen sich die Silhouetten weiterer Inseln ab. Es ist eines jener Panoramen, bei denen man lange schweigend stehen bleibt, und die sich einprägen. Von hier wandern wir zu den nächsten Aussichtspunkten. Tief unten erkennen wir die Dächer von Makarska, während über uns nur der Himmel und das leise Pfeifen des Windes zu hören sind.

Nächte über der Küste

Der 1981 gegründete Naturpark zählt zu den beeindruckendsten Schutzgebieten Kroatiens. Auf fast 200 Quadratkilometern wurden Lehrpfade, Aussichtspunkte und Besucherzentren eingerichtet. Gut markierte Wege eignen sich für Spaziergänge bis zu mehrtägigen Trekkingtouren. Gerade im Frühling zeigt sich das Biokovo von seiner schönsten Seite. Die Hitze des Sommers ist noch fern und über den Hängen kreisen Adler.

Wer länger bleiben möchte, findet eine außergewöhnliche Unterkunft hoch über der Küste: die Mountain Lodge Vosac. Wo früher nur eine einfache Schutzhütte stand, empfängt heute eine moderne Lodge mit großer Panorama-Terrasse ihre Gäste. Das Ambiente wirkt fast wie ein alpines Boutiquehotel – rustikale Holzelemente treffen auf modernes Design.

Wanderer können hier übernachten, früh am Morgen zu Touren aufbrechen und abends den Sonnenuntergang oder an der Bar das Kaminfeuer genießen. Auch einige Ruinen der ehemaligen Hirtensiedlungen im Naturpark sind als Cottages wiederaufgebaut worden und bieten sich für naturnahe Übernachtungen an.

Geschichte durch die Berge

Am nächsten Tag führt unsere Wanderung zu einem besonderen historischen Relikt: der sogenannten Franzosenstraße. Dieser alte Weg zieht sich in sanften Serpentinen entlang der unteren Hänge des Biokovo-Gebirges. Erbaut wurde die Straße Anfang des 19. Jahrhunderts unter der Herrschaft Napoleons. Der französische Marschall Auguste Marmont ließ sie zwischen 1808 und 1813 anlegen, um die Küste besser mit dem Hinterland zu verbinden.

Mit einer Steigung von maximal sechs Prozent war sie so konzipiert, dass Pferdekutschen, Reiter und Fußgänger sie gleichermaßen nutzen konnten. Heute ist die teilweise unvollendete Straße ein faszinierendes Freilichtmuseum der Ingenieurskunst. Zwischen alten Stützmauern und überwucherten Kurven lässt sich noch gut erkennen, wie ambitioniert das Projekt einst war.

Moderne Berghütte mit Aussicht

Am Ende unserer Wanderwoche sitzen wir wieder unten an der Promenade von Makarska. Die Sonne versinkt langsam hinter den Inseln, Möwen kreisen über dem Hafen, und aus den Restaurants zieht der Duft von gegrilltem Fisch. Der Frühling hat hier seinen ganz eigenen Rhythmus: nicht zu heiß, nicht zu voll, dafür voller Farben, Düfte und klarer Fernblicke. Wer die Makarska Riviera in dieser Jahreszeit erlebt, entdeckt eine Seite Dalmatiens, die im Sommer oft verborgen bleibt – still, wild und überraschend ursprünglich.


Die Autorin ist Journalistin und Kunsthistorikerin.

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