Adventszeit

Salzburg in der Vorweihnachtszeit: Magie des Advents

Adventssingen, Glockenläuten, Christkindlmarkt: Das vorweihnachtliche Salzburg bezaubert Jung und Alt.
Christkindlmarkt vor dem Dom in Salzburg
Foto: Günter Breitegger | Für ganz besondere Momente am Christkindlmarkt vor dem Dom sorgen jeden Donnerstag und Samstag Trompetenklänge.

Der Advent gehört zur schönsten Zeit in Salzburg. Inmitten der barocken UNESCO-Altstadt und zu Füßen der Festung Hohensalzburg entsteht eine stimmungsvolle und zauberhafte Märchenwelt. Hier schmeckt der Advent nach Keksen und Punsch, verursacht gleichermaßen Gänsehaut und Freudentränen und klingt nach Liedern aus der Kindheit.

Pater Alois Schwarzfischer vom kirchlichen Gästehaus der Pallottiner auf dem Mönchsberg schwärmt vom Salzburger Adventssingen, das an den ersten drei Adventswochenenden im Festspielhaus aufgeführt wird. „Die Veranstaltung geht auf den österreichischen Schriftsteller Karl Heinrich Waggerl zurück, der bekannt für seine Weihnachtsgeschichten ist. Das Adventssingen ist für mich die Botschaft von Weihnachten, die damit biblisch und musikalisch zum Ausdruck gebracht wird“, erklärt er. Das eineinhalbstündige Konzert wird von rund 2 000 Gästen besucht. „Insgesamt werden 35 000 Karten verkauft. Ich habe meinen Einlass für den dritten Advent gesichert.“

Das Adventsläuten gehört dazu

Und was für den 82-Jährigen noch zur Einstimmung auf die Salzburger Weihnachtszeit gehört, ist das Adventsläuten am Vorabend des ersten Adventssonntags. Alle Glocken in der Salzburger Altstadt läuten ab 18 Uhr für zehn Minuten. Die etwa vierzig Kirchen halten sich damit an das Verordnungsblatt als offizielles Organ der Erzdiözese. Besucher, die über den ersten Advent in Salzburg sind, können somit nicht nur dem beeindruckenden Glockenklang, sondern auch dem Adventssingen beiwohnen. Der gebürtige Regensburger, der seit fünfzig Jahren im Katholischen Apostolat der Pallottiner dient, verrät sein ganz persönliches Ritual: „Ich stehe beim Adventsläuten immer auf Glockenhöhe, zum Beispiel auf der Plattform des Museums der Moderne auf dem Mönchsberg. Der Klang dort ist gehaltvoll und wunderschön.“

Für ganz besondere Momente am Christkindlmarkt sorgen jeden Donnerstag und Samstag Trompetenklänge. Um 18.30 Uhr werden die Lichter gedimmt, und Bläser aus dem ganzen Land spielen abwechselnd von den Dom-Arkaden herab, von der Terrasse des Salzburger Weihnachtsmuseums und vom Glockenspielturm. Apropos Weihnachtsmuseum am Mozartplatz: Die Ausstellung ist nicht nur für Kinder eine Augenweide. In einem eigenen Kapitel wird hier auch der Krampus vorgestellt. Im Adventsbrauchtum gilt er als Schreckgestalt in Begleitung des Heiligen Nikolaus.

Himmel auf Erden

In den Szenen lässt sich die Furcht erahnen, die er bei Groß und Klein verursacht. Das Salzburger Weihnachtsmuseum strahlt insgesamt 365 Tage im Jahr. Was für den einen Besucher kitschig klingen mag, ist für den anderen der sprichwörtliche Himmel auf Erden. Schließlich darf die Geschichte vom Christkind, den Hirten, dem Krampus und sogar der Bedeutung von Adventskalendern nicht nur im Dezember erzählt werden, sondern das ganze Jahr über.

Mehr als 1 000 Jahre war Salzburg ein Kirchenstaat, dessen weltliche und kirchliche Macht in der Person des Fürsterzbischofs vereint war. Immer wieder zeugen beim Gang durch die Stadt barocke Plätze, kleine Passagen und eine beeindruckende Fülle an Kirchen, Klöstern und Friedhöfen vom Erbe dieser Fürsterzbischöfe sowohl in der Architektur als auch in Kunst und Kultur. Dazu kommen Unterkünfte in den Klöstern, die die Kirchenstadt Salzburg für Reisende ganz besonders erlebbar machen.

Schatzkammer für Entdeckungen

Auf besonders feinsinnige Weise lässt sich die Welt hinter Salzburgs Kirchentoren auf einem Spaziergang erkunden. Jenseits der Fassaden der Gotteshäuser verbergen sich oft besondere Details. Der Dom zu Salzburg ist eine wahre Schatzkammer für Entdeckungen. Im Taufbecken wurde nicht nur Wolfgang Amadeus Mozart getauft, sondern auch Joseph Mohr, der Texter von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“. Das berühmteste Weihnachtslied der Welt entstand im Jahr 1816. Einen besonderen Tipp für Weihnachtsbesucher hat Dom-Mesner Roland Hellrigl: „Die Rorate-Messe mit dem Erzbischof und alpenländischen Harfen am 24. Dezember um sieben Uhr morgens ist ein schöner und ruhiger Gottesdienst. Engelamt hat man sie früher genannt.“ Außerdem ertönt in der Weihnachtszeit jeden Freitag und Samstag um 16 Uhr besinnliche Adventsmusik.

Auch die geschichtsträchtigen Stiftskirchen von Stift Nonnberg und St. Peter, die imposante Franziskanerkirche, die ganz in Weiß gehaltene Kollegienkirche oder der prächtige Friedhof von St. Sebastian laden zum Verweilen ein. In der Nacht vom 24. Dezember 1818 erklang das berühmte Weihnachtslied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ zum ersten Mal in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Oberndorf bei Salzburg. Seine Melodie und sein Text berühren die Herzen der Menschen schon seit Jahrhunderten auf eine ganz besondere Art und Weise. Schon beim Erklingen der ersten Töne macht sich bei den Zuhörern eine weihnachtliche Stimmung breit. Der in Salzburg geborene Texter des Liedes und spätere Priester Joseph Mohr stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Gemeinsam mit dem Lehrer und Komponisten Franz Xaver Gruber, der ihn musikalisch begleitete, erlangte das Lied Weltruhm.

 

„Stille Nacht“ in 300 Sprachen

Heute wird es in mehr als 300 Sprachen gesungen, darunter auch in Javanesisch, Samoisch und Zulu. Die Stille Nacht-Gedächtniskapelle als Nachfolgebau der Nikolauskirche ist nur wenige Kilometer von der Landeshauptstadt entfernt und mit Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Genau in dem Jahr, als das Lied erstmals erklingen sollte, war in der Oberndorfer Pfarrkirche die alte Orgel nicht bespielbar. Zur musikalischen Umrahmung der Christmette komponierte Gruber somit den Text für zwei Solostimmen und Chor. Gruber sang den Bass, während Priester Mohr den Tenorpart mit Begleitung auf seiner Gitarre übernahm.

Danach geriet das Lied zunächst in Vergessenheit. Erst der Oberndorfer Orgelbau verbreitete es 1825 weiter. Der Orgelbauer Carl Mauracher brachte es in seine Tiroler Heimat, von wo es eine Tiroler Sängergruppe in Europa bekannt machte. „Rund um die Kapelle gibt es in der Adventszeit einen Weihnachtsmarkt. Im Alten Pfarrhof, wo Joseph Mohr einst wohnte, ist heute das Museum untergebracht“, ergänzt Clemens Konrad, Geschäftsführer von Stille Nacht Oberndorf. „Regelmäßige Gottesdienste finden zwar in der Gedächtniskapelle nicht statt, doch die meisten Pilgergruppen bringen eigene Priester mit.“

Vertraute Geborgenheit

Für Pater Alois Schwarzfischer bedeutet das berühmte Lied Vertrautheit und Geborgenheit. „Am liebsten höre ich es am Schluss der Christmette. Mir gefallen besonders die Urworte ,Stille‘ sowie ,das Heilige‘. Beide kommen in dem Lied vor. Diese Ausdrücke sind heute fast in Vergessenheit geraten.“ Den Frieden im Herzen zu tragen sei nicht nur in der heutigen Zeit wichtiger denn je. „Wir alle müssen selbst Botschafter des Friedens werden. Friede ist mehr als nur das Schweigen der Waffen. Das ist mein ganz persönlicher Friedensgruß.“

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