Wien

Rudolfina-Redoute: Die Rückkehr der Masken

Mit der Rudolfina-Redoute findet die Wiener Ballsaison wieder ihren – noch dazu katholisch geprägten – Höhepunkt.
Rudolfina- Redoute
Foto: © Andreas Lepsi / Vienna Austria | Die FFP2–Maske wird endlich wieder gegen die venezianische Maske eingetauscht.

Es waren zweieinhalb harte Jahre für die Freunde von schönen, großen Bällen. Derer gibt es in der österreichischen Hauptstadt Wien traditionell sehr viele, vom Opernball über den Jägerball bis hin zu den Bällen der Kaffeesieder, der Philharmoniker und der Zuckerbäcker, um nur einige der herausragendsten zu nennen. Unter ihnen stach einer stets besonders hervor: Die Rudolfina-Redoute.

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Ball im katholischen Milieu 

Das hat mehrere Gründe: Zum ersten ist die Rudolfina-Redoute einer der wenigen einem bestimmten Milieu zuordenbaren, denn Veranstalterin ist die Katholisch-Österreichische Studentenverbindung Rudolfina, eine Verbindung aus dem Österreichischen Cartellverband, der katholische Hochschulverbindungen aus Österreich und Südtirol umfasst. Die Rudolfina entstand 1898, anlässlich des 50-jährigen Thronjubiläums von Kaiser Franz Josef, als Farben wählte sie gold-weiß-rot, als Verschmelzung der Farben Österreichs (rot-weiß-rot) und des Heiligen Stuhls (gold-weiß). Damit (und das ist das zweite Sondermerkmal) ist das katholische Akademikermilieu auch klar erkennbares Einzugsgebiet des Balles, der die Säle der Wiener Hofburg mit über 3 000 Besuchern zu füllen vermag.

Zum dritten ist die Redoute der letztverbliebene große Maskenball Wiens. Dabei handelt es sich aber glücklicherweise nicht um FFP2- oder andere Atemschutzmasken, sondern um solche, die die Augenpartie umrahmen und so das Gesicht der sie tragenden Damen ein gutes Stück weit verbergen. Maskenbälle dieser Art waren in der Neuzeit besonders im venezianischen Bereich beliebt, einige Elemente davon haben sich in die Wiener Ballkultur übertragen.

Rudolfina- Redoute
Foto: Faber David | Damenwahl

Damenwahl bis Mitternacht 

Die maskentragende Dame hat auf der Rudolfina-Redoute ein besonderes Vorrecht: Sie, und nur sie, fordert zum Tanz auf, es herrscht also „Damenwahl“. Während auf Bällen sonst traditionell der Herr die Dame zum Tanz auffordert, ist dies auf der Rudolfina-Redoute jedenfalls bis Mitternacht umgedreht. Zu Mitternacht findet sich die tanzfreudige Gesellschaft dann im großen Festsaal zur Mitternachtsquadrille ein, die auch „Demaskierungsquadrille“ genannt wird. Dort nehmen die Damen die Masken ab, ab dann herrscht bis zum Ballende gleichermaßen Damen- und Herrenwahl. Auch in unserer Zeit, die es nicht mehr mit allen alten Traditionen so genau nimmt, ist dies ein Alleinstellungsmerkmal der Rudolfina-Redoute.

Mit all dieser Walzerseligkeit haben die Rudolfinen, die den Ball seit jeher ehrenamtlich organisieren, über ein Jahrhundert Erfahrung. Bereits zum ersten Gründungstag, im Mai 1899, fand ein „Kränzchen“ statt. Nach dem Ersten Weltkrieg wanderte der Termin in die Faschingszeit, und ab 1923 hieß das Kränzchen dann „Redoute“. Die nächste Unterbrechung war der Zweite Weltkrieg, da die Rudolfina, wie alle katholischen Verbindungen, in der Zeit des Nationalsozialismus verboten wurde. 1947 fand die erste Redoute der Nachkriegszeit statt – den Umständen der Zeit geschuldet in kleinem Rahmen und bei selbst mitgebrachtem Wein, Würsteln und Schwarzbrot.

 

Rudolfina- Redoute
Foto: © Andreas Lepsi / Vienna Austria | Gegen diese Masken gibt es keine Einwände.

Walzerpause

Doch die Rudolfinen, deren Wahlspruch „Nec aspera terrent“ (Widrigkeiten schrecken uns nicht) lautet, blieben beharrlich dabei und bauten ihre Redoute wieder auf – bis hin zu jenem gesellschaftlichen Großereignis, das die Prominenz des christlich-konservativen Lagers Österreichs und Mitteleuropas stets anzog. Bundeskanzler wie Leopold Figl, Josef Klaus (selbst Rudolfine) oder Sebastian Kurz, Bundespräsidenten wie Thomas Klestil, Nationalratspräsidenten wie Andreas Khol und Wolfgang Sobotka, zahllose Minister, die Publizistinnen Eva Demmerle und Birgit Kelle, Spitzenvertreter aus der Wirtschaft wie Christoph Neumayer und Georg Feith oder kirchliche Würdenträger wie Missio-Generaldirektor Karl Wallner und Probst Petrus Stockinger waren immer wieder gerne Gäste.

Doch all die Wiener Walzerseligkeit musste in jüngerer Vergangenheit aus bekannten Gründen pausieren. Fand 2020 gewissermaßen am Vorabend der Lockdowns noch eine Redoute statt, so machten es die Umstände 2021 und 2022 unmöglich. Dies sieht nun anders aus. Seit Mitte November läuft der Vorverkauf, und Ballchef Oliver Hödl freut sich darauf, dass die Arbeit der Vorjahre nun wieder von Erfolg gekrönt sein wird.

Auch Hödl muss die aktuellen Teuerungsraten bedenken, doch er ist frohen Mutes. So wurde bekannt, dass manche Zulieferer ihre Preise drastisch erhöhten. Hödl wollte dies aber nicht an die Gäste weitergeben, die reduzierten Studentenkarten kosten 50 Euro, eine normale Ballkarte 120. Im Vergleich zu anderen Wiener Nobelbällen ist dies deutlich im unteren Bereich.

Sozialer Gedanke am Rande

Auch bei der Damenspende, die bei Wiener Nobelbällen klassischerweise zu Ball-ende den Damen als Geschenk mitgegeben wird, hat sich Hödl etwas einfallen lassen: Über eine Kooperation mit den päpstlichen Missionswerken in Österreich, Missio Austria, wird es etwas Besonders geben. Was, wollte Hödl nicht verraten, nur soviel: „Es wird von Hand gefertigt und der Erlös kommt zur Gänze und zu garantiert fairen Löhnen den fertigenden Handwerkerfamilien in Indien zugute“, was das Qualitätssiegel der Missio garantiert „Daher arbeiten wir gerne mit Missio Austria zusammen, um sicherzustellen, dass auch wirklich jeder Euro dort ankommt, wo er ankommen muss. Für uns ist wichtig, gerade auch in diesen Zeiten an jene zu denken, denen es nicht so gut geht wie uns“, so Hödl. Die Damenspende wird aus den Gesamterträgen der Redoute finanziert. Das sei für Rudolfina ein leichtes wirtschaftliches Risiko, „aber das ist es wert und das muss sich ganz einfach ausgehen“.

Gerade für Besucher, die nicht in Wien leben, bietet die Rudolfina ein besonderes Rahmenprogramm, was für Bälle wiederum nicht selbstverständlich ist. Während die extra im Vorfeld veranstalteten Tanzkurse die in der Pandemiezeit vielleicht eingerosteten Tanzkünste wieder auf Vordermann bringen, sind die Stadtführung durch die Wiener Innenstadt sowie eine private Heilige Messe in der Hofburgkapelle am Sonntag vor dem Ball sicherlich herausstechende Highlights. Für Angehörige von Studentenverbindungen ist die extra eingerichtete und mittlerweile schon traditionelle Europakneipe in den Räumlichkeiten der Rudolfina eine Möglichkeit, alte Freunde wiederzutreffen und neue zu finden. Nicht umsonst veranstaltet der europäische Dachverband der christlichen Studentenverbindungen (EKV) seine Frühjahrstagung immer am Wochenende vor der Redoute, um diese Veranstaltungen miteinander verbinden zu können.

Vor der Fastenzeit

Traditionell findet die Rudolfina- Redoute also 2023 wieder am Faschingsmontag (auch als Rosenmontag bekannt – diesmal der 23. Februar 2023) statt, dem letzten Montag der Faschingszeit, kurz, bevor die Fastenzeit einsetzt. Eine wundervolle Möglichkeit, die Faschingszeit im Kreise elegant gekleideter und buntbemützter Ballbegeisterter ausklingen zu lassen – spätestens zum Schlusswalzer, dem berühmten „Brüderlein fein“, um 4.30 Uhr geht man beschwingt entweder nach Hause, ins Hotel – oder noch in die Räumlichkeiten der Rudolfina zum Ballfrühstück.


Datum: 23. Februar 2023, Saaleröffnung ab 19.30h
Ort: Wien, Hofburg


Informationen und Kartenbuchung: www.rudolfina-redoute.at

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