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Kostbare Muschel des Baskenlandes

San Sebastián hat nicht nur einen weltberühmten Sandstrand, sondern auch ein reiches Kulturleben zu bieten.
Santa Clara
Foto: Wolfgang Hugo | Blick von der Insel Santa Clara auf die Bucht von San Sebastián.

Nur von unserer schönen Bucht und der reichen Vergangenheit können wir nicht leben“, betonten Eneko Goia, der Bürgermeister von San Sebastián (baskisch: Donostia), und Ana López, seine Dezernentin für Offenheit, Digitalisierung und Zusammenarbeit.

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Stattdessen müsse man die „Angebote und Möglichkeiten ständig weiterentwickeln, damit San Sebastián eine attraktive Destination bleibt“, hieß es unlängst bei der Generalversammlung der Europapreisträgerstädte, die in der drittgrößten Stadt des Baskenlandes stattfand. San Sebastián erhielt die begehrte Auszeichnung 2019.

Die „Concha“, die muschelförmige Bucht mit Sandstrand, hat San Sebastián den Beinamen „bester Stadtstrand der Welt“ eingetragen. Den idealen Blick auf die einmalige Lage der Stadt am Golf von Biscaya hat man vom Monte Igueldo, dem westlichen „Hausberg“, auf den eine kurvige Straße und eine seit 1912 verkehrende „Funicular“ hinauffährt.

Dann der Rundblick: Die Mündung der Bucht des Flusses Urumea wird von den Felsmassiven des Monte Igueldo und des Monte Urgull begrenzt, in der Ausfahrt liegt die Felseninsel Santa Clara, Ziel der blauen Ausflugsboote, die im Hafen starten.

493 Kilometer nördlich von Madrid gelegen, beginnt die Karriere von San Sebastián als Seebad Ende des 19. Jahrhunderts, als die spanische Königin Maria Cristina die an der baskischen Küste gelegene Stadt „entdeckte“. Auch heute noch ist die „Perle des Kantabrischen Gebirges“ Treffpunkt der Spanier, die im Sommer der Hauptstadt Madrid entfliehen wollen.

Filmfestspiele und Sommerfestwoche

Mehrere Filmfestspiele und die große Sommerfestwoche „Semana Grande“ gehören zum kulturellen Leben, wenngleich die Strände eine deutliche Verbreiterung des Publikums widerspiegeln, das den Weg zum Meer in der Hauptstadt der baskischen Provinz Guipúzcoa findet.

Seit dem Mittelalter und für über 500 Jahre bestimmten Fischer und die damit verbundenen Gewerbe das Leben am, im und um den Hafen, zu Füßen des 120 m hohen Monte Urgull. Im Puerto von San Sebastián dominieren heute die Boote und Jachten von Besuchern. Entlang des Weges promenieren Touristen, die sich in den Fischlokalen niederlassen, das Baskische Meeres-Museum besuchen oder den Blick auf die Bucht und das weite Meer suchen, etwa bei der Stahlfigur „Construcción Vacía“ von Jorge Oteiza (2002), die unterhalb des Monte Urgull dem Wind und der See ausgesetzt ist.

Nur einen Katzensprung ist es vom Hafen zum majestätischen Ayuntamiento, dem Rathaus, ursprünglich ein 1887 eröffnetes Casino. Erst seit 1947 ist das ockergelbe Gebäude mit zwei Türmen Sitz der Stadtverwaltung. Zuvor war 1927 unter Primo de Rivera das Glücksspiel verboten worden, während des Bürgerkriegs (1936–1939) war es ein Hospital.

Der durchbohrte Märtyrer

Durch die Reste eines alten Stadttores gelangt man vom Hafen in die Altstadt von San Sebastián: Hier findet man schmale Gassen und mehrstöckige, mit Balkonen versehene Häuser, die nach dem Brand von 1813 wieder aufgebaut wurden. Unzählige Lokale werben in den Gassen der Altstadt um die Gunst der Besucher. Pintxos heißen im Baskenland die Tapas, die unterschiedlich belegten kleinen Happen, die in vielen Lokalen verführerisch auf dem Tresen stehen. Der baskische Wein hört auf den Namen Txakoli.

In der Altstadt befindet sich auch die barocke Basilika Santa María del Coro mit ihrer monumentalen Fassade, auf der der Stadtheilige San Sebastián als von Pfeilen durchbohrter Märtyrer zu sehen ist.

Das Innere der über 800 Jahre alten Kirche birgt eine Orgel von Cavaillé-Coll und zeitgenössische Skulpturen, darunter von Eduardo Chillida (1975). Im Reigen der Gassen öffnen sich zwei Zugänge zur Plaza de la Constitución, ein bei Touristen beliebter Platz mit Lokalen, von den Einheimischen „La Consti“ genannt. Der rechteckige Platz, auf allen Seiten von dreistöckigen Häusern eingerahmt, war früher Austragungsort von Stierkämpfen, daher die Zahlen an den Balkonen für die Logenplätze.

Wer weitergeht, trifft auf die festungsähnlich wirkende Kirche San Vicente, in deren Innerem sich ein sehenswerter Hochaltar (1586) mit Szenen aus der Passionsgeschichte befindet.
Neben der Kirche, angelehnt an den Monte Urgull, ist das Museo San Telmo, das sich der baskischen Gesellschaft und Kultur widmet.

Das ehemalige Dominikanerkloster mit seinem Kreuzgang (11. Jahrhundert) ist eines der wenigen Gebäude, die den Brand von 1813 überstanden. 2011 wurde es von den Architekten Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano umgebaut und mit einer modernen Fassade versehen, die von den Bildhauern Leopoldo Ferrán und Agustina Otero gestaltet wurde.

Feuerwerk-Festival

Der Name „Kursaal“ ist geblieben, das einstige Kasino von 1921 wurde 1972 abgerissen. Rafael Moneo schuf mit zwei riesigen Glaskörpern das neue Musik- und Kongresszentrum von San Sebastián (1992). Es liegt am Strand von Zurriola, mit 800 Metern Länge und 110 Metern Breite wegen der Wellenbildung bei Surfern beliebt.

Die Puente de Zurriola mit ihren markanten Pfeilern führt über den Fluss Urumea in die Stadtteile Gros und Atotxa. Dort kommen Freunde zeitgenössischer Kunst auf ihre Kosten im Kulturzentrum Tabakalera. Es belegt, wie es der Stadt gelingt, ihr industrielles Erbe für kulturelle Zwecke umzuformen. Die einstige Tabakfabrik mit ihren wechselnden Ausstellungen ist aus dem Kulturleben der Stadt nicht mehr wegzudenken.

Einheimischer mit Baskenmütze
Foto: Wolfgang Hugo | Einheimischer mit Baskenmütze an der Theke eines Cafés in San Sebastián.

Unübersehbar liegt in einem 34 000 Quadratmeter großen Park oberhalb der Bucht von Donostia der Palacio de Miramar, 1893 für Königin Maria Cristina im englischen Landhausstil errichtet, die hier gerne im Sommer Urlaub machte. Nach deren Tod 1929 ging der Besitz an König Alfons XIII., dieser wurde 1931 enteignet.

Ab 1933 war der Palacio de Miramar Sommerhaus des Staatschefs und so verbrachte auch Diktator Franco viele Urlaube in San Sebastián. Heute im Besitz der Stadt, finden im Palacio Miramar Sommerkurse der Universität und der Musikschule statt, mit prachtvollem Blick auf die Concha von San Sebastián, die Isla Santa Clara und die zwei Hausberge der Stadt.

Traditionen und Festivals prägen das kulturelle und kirchliche Leben der Stadt: Anfang September geht es bei den „Euskal Jaiak“ um typisch baskische Sportarten wie Wett-Holzhacken und Steinestemmen, dazu kommen Regatta-Fahrten durch die La-Concha-Bucht. Bereits seit 1953 verlängert das Internationale Filmfestival Zinemaldia ab Mitte September die Saison.

Seinen Patron feiert San Sebastián am 20. Januar intensiv mit der „Tamborrada“, einem Trommelmarathon lokaler Musikgruppen, der 24 Stunden lang durch Mark und Bein geht.

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Beachtung findet auch das einwöchige Kino-Festival de Cine y Derechos Humanos zum Thema Menschenrechte weltweit sowie das 1966 gegründete Jazzfestival Jazzaldia, das sich im Juli auf Straßen und in Konzertsälen abspielt. Die große Festwoche („Semana Grande“) um Mariä Himmelfahrt findet ihren Höhepunkt im Feuerwerk-Wettbewerb am Strand.


Der Autor ist freier Reisejournalist.

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