Wallfahrt

Die Kuppel von Braga

Das von Sameiro ist nach Fátima der bedeutendste Marienwallfahrtsort Portugals.
Sameiro Sanctuary, Sanctuary do Sameiro, Sameiro, Braga, Portugal, Europe (Salva Garrigues)
Foto: IMAGO / agefotostock | Anmutig angelegte Grünflächen umfassen die Basilika, die auf 570 Metern Höhe die Landschaft dominiert.

Die bedeutendste Stadt der Region Minho ist das südlich gelegene Braga. Wir befinden uns im Nordwesten Portugals. Von hier nach Porto an der Atlantikküste sind es gut 50 km. Auch Guimaraes, die „Wiege der Nation“ und erste Hauptstadt des Landes aus dem 13. Jahrhundert, ist in etwa einer Stunde erreichbar.

Es wird wieder warm werden an diesem Oktobertag, eine gute Voraussetzung für eine Erkundung der drittgrößten Stadt Portugals. Die Rezeptionistin des im historischen Zentrum befindlichen Hotels Bracara Augusta gibt eine Empfehlung: „Waren Sie schon auf dem Sameiro? Das Heiligtum gehört zur Gemeinde Espinho – etwa 7 km entfernt – und ist der höchste Punkt Bragas. Von dort hat man einen wunderbaren Panoramaausblick.“ Sie holt einen Stadtplan hervor, kreist das anvisierte Ziel mit einem Finger ein und hat auch noch die Buslinie parat: „Die Nr. 88, Rua da Raio, werktags jede Stunde! Von dort fährt ein Bus auch wieder zurück.“ Eine Geste gibt die einzuschlagende Marschrichtung vor. Der Hotelgast dankt und schultert seinen Rucksack.

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Geschäftiges Treiben

Nach wenigen Gehminuten ist ein beliebter Treffpunkt im Umkreis von Arkaden erreicht. In Cafés herrscht bereits ein geschäftiges Treiben. Kellner begrüßen frühe Gäste, Garderoben werden bestückt und Speisekarten ausgehändigt. Vor einem Kiosk debattieren Einheimische beim Blick auf Sportzeitungen sehr emotional über das letzte Spiel von Sporting Braga. Tauben flattern auf und suchen das Weite, während eine eben noch beruhigend plätschernde Fontäne, als Auftakt zu lebhafteren Wasserspielen, auf einmal rauschend in die Höhe schießt.

An der Bushaltestelle angekommen, studiert ein hilfsbereiter älterer Herr den Fahrplan: „Dort steigen viele aus, die Station ist nicht zu übersehen. Da vorne, dort kommt er schon!“ Nach einiger Zeit erreicht der Bus eine Anhöhe und der Fahrer erhöht das Tempo. Nun geht es, Kurve um Kurve, zügig voran, bis der große Höhenunterschied überwunden und der Beginn eines weiträumigen Geländes erreicht ist.

Ein erster Blick hinab auf das Häusermeer Bragas in der Ferne lässt verstehen, warum der Sameiro auch als „Kuppel der Stadt“ bezeichnet wird, befinden wir uns doch hier in einer Höhe von fast 570 Metern. Doch auch die mächtige und hohe Kuppel des jährlich von über einer Million Pilgern besuchten Sanktuariums ist schon in Sichtweite.

Berühmte Persönlichkeiten

Auf dem Weg zur Basilika fallen zunächst vier Statuen auf. Mit diesen wird an berühmte Persönlichkeiten erinnert, die in besonderer Weise die Marienverehrung gefördert haben und deshalb auch „marianische Doktoren“ genannt werden. Eine Ordensfrau, die mit einer Büchse „für benachteiligte Jugendliche“ sammelt, hilft bei der Namensfindung: Cyrill von Alexandrien, Antonius von Lissabon (meist „Antonius von Padua“ genannt), Bernhard von Clairvaux und Alfons Maria von Liguori. Die Ordensschwester nimmt eine kleine Spende entgegen, wünscht einen guten Aufenthalt und schon steuert sie auf weitere Besucher zu.

Grundstein von 1863

Die Grundsteinlegung des Gotteshauses geht auf das Jahr 1863 zurück. Zwei Jahrzehnte danach wurde die erste Kirche unter nicht zweifelsfrei geklärten Umständen – durch einen Blitz, ein Unwetter in Verbindung mit schlechter Konstruktion oder durch einen Sprengstoffanschlag? – zerstört. Doch schon nach wenigen Jahren machte man sich ans Werk und begann mit dem Neubau. Als einer der Höhepunkte in der Geschichte des Wallfahrtsortes bleibt der Besuch von Papst Johannes Paul II. am 15. Mai 1982 unvergessen.

Im Inneren der im neoklassizistischen Stil erbauten einschiffigen Basilika minor beeindruckt der von roten Marmorsäulen umgebene Hochaltar aus Granit. Über dem silbernen Tabernakel besticht die von dem italienischen Bildhauer Eugénio Maccagnani geschaffene Marienstatue aus Holz durch ihre Schönheit. Sie wurde von Papst Pius IX. gesegnet und 1880 aus Rom hierher transportiert. Ein anrührendes Kunstwerk, das sich dem Betrachter durch den ernsthaften und zugleich anteilnehmend-warmherzig wirkenden Gesichtsausdruck Mariens ebenso einprägt wie durch ihre Haltung: Die rechte Hand hält sie, mit drei nach oben weisenden Fingern, in die Höhe, die linke liegt über dem Herzen, auf dem Saum eines tiefblauen Mantels, der über ihre linke Schulter fällt. Unter dem Mantel ist ein helleres Kleid zu sehen. Schön abgestimmte Farben tragen zu dem wohltuenden Gesamteindruck bei.

Wieder im Freien kann man sich am Anblick anmutig angelegter kleiner Grünflächen und Bäume ebenso erfreuen wie an der friedlich-ruhigen Atmosphäre des Ortes. Nach einem grandiosen Ausblick, hinab über monumentale Freitreppen, laden Bänke zum Ausruhen ein. Dann aber heißt es weiterziehen und diesmal scheinen die vor einem Gebäude stehenden Engel den Weg zu weisen: „Recordacoes do Sameiro“ steht weiß auf tiefblauem Grund, einem baldachinartig ausgespannten Tuch über dem Eingang. Zeit für den Souvenirladen; der Aufenthalt soll in Erinnerung bleiben.

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