Plötzlich hält Führerin Farah inne und legt den Zeigefinger vor den Mund. Wortlos reicht sie ein Fernglas nach hinten und deutet voraus ins Geäst der Mangroven. „Ein Großer Brachvogel“, flüstert sie ihrem Grüppchen zu. Eine schöne Beobachtungsbeute. Charakteristisch ist der lange, nach unten gekrümmte Schnabel des Vogels. Dann steigt er auf und zieht sich ins tiefere Dickicht zurück. Im Hintergrund glitzert das Blau des Roten Meers.
„Statt der Mangroven hätten viele hier lieber einen Strand für Touristen“, bedauert Farah und stellt die Bedeutung der Pflanzen heraus: als Kinderstube für Fische, natürlicher Filter, Schutz vor der Verschlammung von Korallenriffen. Für Farah ist wichtig, Besuchern die Augen zu öffnen: „Sie sollen mehr über Ägypten lernen.“
Ökotourismus gewinnt an Bedeutung
Eine ökologische Sicht auf die Dinge, wie in den Mangroven an der Küste bei Safaga und der populären Ferienstadt Hurghada, ist neu in Ägypten. Farah Kamel, 36, steht an der Spitze des kleinen Unternehmens „Dayma“, das sich dem Ökotourismus und verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt verschrieben hat.
Entscheidende Anstöße verdankt „Dayma“ einem Schulungsprogramm der „TUI Care Foundation“, einer als gemeinnützig anerkannten Stiftung mit Sitz in den Niederlanden. Sie betreibt weltweit über 80 Hilfsprojekte in 30 Ländern, im Wesentlichen finanziert durch Spendengelder. Es geht stets um soziale Aspekte und die Kernfragen: Wie können lokale Bewohner und Gemeinschaften vom Tourismus profitieren, wie lässt sich der Erhalt von Natur und Kultur unterstützen?
Mit Mut zum Erfolg
Im Falle von „Dayma“ – und vor dem Hintergrund einer Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 40 Prozent in Ägypten – bekommen auch jüngere Frauen wie Mariam Amr Tawila eine Chance zum Einstieg in die Arbeitswelt. Die 23-Jährige stammt aus Hurghada, hat ihr Studium der Meereswissenschaft abgeschlossen und gehört zum Team der Natur-Guides. In den Mangroven fühlt sie sich in ihrem Element, spürt Krabben und Stachelschnecken auf, deutet auf Möwen und Seeadler. „Dayma gibt mir die Chance, auch selbst mehr zu lernen“, sagt Mariam bescheiden.
Das Geschäft von „Dayma“ liegt in den Händen von Frauen. „Wir schließen Männer nicht grundsätzlich aus, aber die wollen oft nur schnelles Geld machen und mehr verdienen. Wir sind ein sozialer Betrieb“, stellt Managerin Farah klar. Stolz ist sie darauf, dass „Dayma“ mittlerweile sogar in der Hauptstadt Kairo erfolgreich Touren anbietet: Birdwatching auf dem Nil. Eine pfiffige Idee, die Fuß fassen konnte. „Anfangs war oft nur ein einziger Teilnehmer da, aber wir haben uns nicht entmutigen lassen“, blickt Farah zurück.
Im Reich der Beduinen
Szenenwechsel. Sand und Steine. Töne braun in braun. Hitzeflimmern. Eine Fata Morgana. Das Gefühl von Weite, die alles aufsaugt. Irgendwo verliert sich eine Kamelherde vor schroffen Felskulissen. Hier, westlich der zubetonierten Küstenstreifen von Hurghada, breitet sich die Arabische Wüste aus – und damit der Lebensraum des Beduinenstamms der Maaza.
Dort greift ein andersartiges Hilfsprojekt. Es soll den Fortbestand des kulturellen Erbes und der Traditionen sichern, denn durch die rasche Ausweitung des Massentourismus haben die Sichtbarkeit und Relevanz der Maaza innerhalb der lokalen Tourismuswirtschaft abgenommen.
Vor dem Hintergrund der Förderung der Beduinenkultur durch die „TUI Care Foundation“ ist zu Jahresbeginn im Wüstendorf El Rada eine moderne, gemeinschaftsorientierte Einrichtung entstanden: ein Ausbildungszentrum für Kunsthandwerk, verbunden mit einem kleinen Markt für die lokalen Produkte und einem Ort der Begegnung.
Zielgruppe sind Wüstenausflügler, die aus ihren All-inclusive-Hotelblasen in Hurghada ausbrechen und auf organisierte Geländewagentouren gehen. In der neuen Einrichtung in El Rada genießen sie den gemütlichen Empfang auf bunten Teppichen und Kissen, nehmen an Miniworkshops wie Fladenbrotbacken teil, erstehen authentische Souvenirs ohne Zwischenhändler und „Made in China“-Etiketten, können sich traditionelle Henna-Tattoos auftragen lassen. Sprachbarrieren überwinden Guides mit Übersetzungen – oder alle zusammen mit einem Lächeln.
Faire Chancen für die Maaza
Etwa hundert Einheimische erhalten in El Rada eine Ausbildung in Handwerksfähigkeiten und -techniken. Zudem sollen Ende dieses und des nächsten Jahres die ersten Auflagen des mehrtägigen Maaza-Kulturfestivals steigen und insgesamt tausend Besucher anlocken. Geplant sind musikalische Vorführungen, Workshops.
So skizziert es Mahmoud Atiya (38), der Gründer der Partnerorganisation „Green Planet“, dem noch etwas anderes am Herzen liegt: die Beduinen stärker am Business zu beteiligen. Für sie werden künftig statt Krümeln größere Stücke vom satten Touristenkuchen abfallen. Bislang bekämen sie bei Empfängen in Dörfern von den Tourveranstaltern mitunter nur zehn ägyptische Pfund pro Besucher, umgerechnet 16 Eurocent, so Atiya. Ein beschämend geringer Betrag.
„Wir möchten ihren Lebensstil höher wertschätzen“, stellt Atiya heraus und verspricht bei Touren, die im Schnitt 50 Euro kosten, eine Beteiligung von 15 Prozent. Das würde wesentlich mehr Gelder in die Kassen der Beduinen spülen, die sie gut für die Bildung verwenden könnten. Die Einnahmen der Maaza bestehen ansonsten aus dem Kamelhandel und der Kamelzucht.
Unverfälschte Einblicke
Profitieren sollen vom Aufschwung weitere Dörfer der sesshaft gewordenen Maaza, so wie Kharaz Malki, wo einige Großfamilien leben. Essen ist ein wichtiger Faktor, um Besucher länger zu binden. Heute gibt es beim Besuch kaltes Grillhuhn mit Reis und Hummus, dazu Tee. Danach zeigen freundliche Kinder den Fremden ihre Hütte. Die Sonne fällt durch die Ritzen des Palmstrohdachs. Der sandige Boden ist mit Teppichen bedeckt. Drei Sofas stehen dort und auf einer Kommode ein Fernseher und ein Käfig mit zwei Kanarienvögeln.
Die Einblicke setzen sich bei der Begegnung mit Scheich Mari fort, der sein genaues Alter nicht kennt. „Ich dürfte etwa fünfzig Jahre alt sein“, so der Lenker der regionalen Gemeinschaft. Dann fällt ein Satz, mit dem er sich in westlichen Kulturen ins machistische Abseits manövrieren würde: „Das hier ist das Paradies für Männer. Die Frauen arbeiten viel mehr“, sagt er und lacht.
Wie sieht eine junge Frau das Rollendenken, die Gleichberechtigung in ihrem Land? Studentin Rodaina Khaled (21), die einen Schleier trägt und bei den Naturtouren von „Dayma“ mitarbeitet, sagt: „In meiner Generation sind wir auf einem guten Weg, haben aber noch einige Herausforderungen zu bewältigen.“ Dann stellt sie sich wie ein Model in Fotopose, lächelt und legt den Kopf leicht schief.
Unterdessen hält ihre Chefin Farah Ausschau nach weiterem Wildlife in den Mangroven, erklärt deren Stelzwurzeln, findet Salzpflanzen. Ihre Kenntnisse der Natur hat sich die studierte Psychologin akribisch selbst angeeignet.
Eine schöne Beobachtungsbeute
Plötzlich hält Führerin Farah inne und legt den Zeigefinger vor den Mund. Wortlos reicht sie ein Fernglas nach hinten und deutet voraus ins Geäst der Mangroven. „Ein Großer Brachvogel“, flüstert sie ihrem Grüppchen zu. Eine schöne Beobachtungsbeute. Charakteristisch ist der lange, nach unten gekrümmte Schnabel des Vogels. Dann steigt er auf und zieht sich ins tiefere Dickicht zurück.
Im Hintergrund glitzert das Blau des Roten Meers. „Statt der Mangroven hätten viele hier lieber einen Strand für Touristen“, bedauert Farah und stellt die Bedeutung der Pflanzen heraus: als Kinderstube für Fische, natürlicher Filter, Schutz vor der Verschlammung von Korallenriffen. Für Farah ist wichtig, Besuchern die Augen zu öffnen: „Sie sollen mehr über Ägypten lernen.“
Natur schützen, Perspektiven schaffen
Eine ökologische Sicht auf die Dinge, wie in den Mangroven an der Küste bei Safaga und der populären Ferienstadt Hurghada, ist neu in Ägypten. Farah Kamel, 36, steht an der Spitze des kleinen Unternehmens „Dayma“, das sich dem Ökotourismus und verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt verschrieben hat.
Entscheidende Anstöße verdankt „Dayma“ einem Schulungsprogramm der „TUI Care Foundation“, einer als gemeinnützig anerkannten Stiftung mit Sitz in den Niederlanden. Sie betreibt weltweit über 80 Hilfsprojekte in 30 Ländern, im Wesentlichen finanziert durch Spendengelder. Es geht stets um soziale Aspekte und die Kernfragen: Wie können lokale Bewohner und Gemeinschaften vom Tourismus profitieren, wie lässt sich der Erhalt von Natur und Kultur unterstützen?
Im Falle von „Dayma“ – und vor dem Hintergrund einer Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 40 Prozent in Ägypten – bekommen auch jüngere Frauen wie Mariam Amr Tawila eine Chance zum Einstieg in die Arbeitswelt. Die 23-Jährige stammt aus Hurghada, hat ihr Studium der Meereswissenschaft abgeschlossen und gehört zum Team der Natur-Guides.
Ein Geschäft in der Hand von Frauen
In den Mangroven fühlt sie sich in ihrem Element, spürt Krabben und Stachelschnecken auf, deutet auf Möwen und Seeadler. „Dayma gibt mir die Chance, auch selbst mehr zu lernen“, sagt Mariam bescheiden.
Das Geschäft von „Dayma“ liegt in den Händen von Frauen. „Wir schließen Männer nicht grundsätzlich aus, aber die wollen oft nur schnelles Geld machen und mehr verdienen. Wir sind ein sozialer Betrieb“, stellt Managerin Farah klar.
Stolz ist sie darauf, dass „Dayma“ mittlerweile sogar in der Hauptstadt Kairo erfolgreich Touren anbietet: Birdwatching auf dem Nil. Eine pfiffige Idee, die Fuß fassen konnte. „Anfangs war oft nur ein einziger Teilnehmer da, aber wir haben uns nicht entmutigen lassen“, blickt Farah zurück.
Im Reich der Beduinen
Szenenwechsel. Sand und Steine. Töne braun in braun. Hitzeflimmern. Eine Fata Morgana. Das Gefühl von Weite, die alles aufsaugt. Irgendwo verliert sich eine Kamelherde vor schroffen Felskulissen. Hier, westlich der zubetonierten Küstenstreifen von Hurghada, breitet sich die Arabische Wüste aus – und damit der Lebensraum des Beduinenstamms der Maaza. Dort greift ein andersartiges Hilfsprojekt. Es soll den Fortbestand des kulturellen Erbes und der Traditionen sichern, denn durch die rasche Ausweitung des Massentourismus haben die Sichtbarkeit und Relevanz der Maaza innerhalb der lokalen Tourismuswirtschaft abgenommen.
Vor dem Hintergrund der Förderung der Beduinenkultur durch die „TUI Care Foundation“ ist zu Jahresbeginn im Wüstendorf El Rada eine moderne, gemeinschaftsorientierte Einrichtung entstanden: ein Ausbildungszentrum für Kunsthandwerk, verbunden mit einem kleinen Markt für die lokalen Produkte und einem Ort der Begegnung.
Zielgruppe sind Wüstenausflügler, die aus ihren All-inclusive-Hotelblasen in Hurghada ausbrechen und auf organisierte Geländewagentouren gehen. In der neuen Einrichtung in El Rada genießen sie den gemütlichen Empfang auf bunten Teppichen und Kissen, nehmen an Miniworkshops wie Fladenbrotbacken teil, erstehen authentische Souvenirs ohne Zwischenhändler und „Made in China“-Etiketten, können sich traditionelle Henna-Tattoos auftragen lassen. Sprachbarrieren überwinden Guides mit Übersetzungen – oder alle zusammen mit einem Lächeln.
Beduinen stärker am Business beteiligen
Etwa hundert Einheimische erhalten in El Rada eine Ausbildung in Handwerksfähigkeiten und -techniken. Zudem sollen Ende dieses und des nächsten Jahres die ersten Auflagen des mehrtägigen Maaza-Kulturfestivals steigen und insgesamt tausend Besucher anlocken. Geplant sind musikalische Vorführungen, Workshops.
So skizziert es Mahmoud Atiya (38), der Gründer der Partnerorganisation „Green Planet“, dem noch etwas anderes am Herzen liegt: die Beduinen stärker am Business zu beteiligen. Für sie werden künftig statt Krümeln größere Stücke vom satten Touristenkuchen abfallen. Bislang bekämen sie bei Empfängen in Dörfern von den Tourveranstaltern mitunter nur zehn ägyptische Pfund pro Besucher, umgerechnet 16 Eurocent, so Atiya. Ein beschämend geringer Betrag.
„Wir möchten ihren Lebensstil höher wertschätzen“, stellt Atiya heraus und verspricht bei Touren, die im Schnitt 50 Euro kosten, eine Beteiligung von 15 Prozent. Das würde wesentlich mehr Gelder in die Kassen der Beduinen spülen, die sie gut für die Bildung verwenden könnten. Die Einnahmen der Maaza bestehen ansonsten aus dem Kamelhandel und der Kamelzucht.
Unverfälschte Einblicke
Profitieren sollen vom Aufschwung weitere Dörfer der sesshaft gewordenen Maaza, so wie Kharaz Malki, wo einige Großfamilien leben. Essen ist ein wichtiger Faktor, um Besucher länger zu binden. Heute gibt es beim Besuch kaltes Grillhuhn mit Reis und Hummus, dazu Tee. Danach zeigen freundliche Kinder den Fremden ihre Hütte. Die Sonne fällt durch die Ritzen des Palmstrohdachs. Der sandige Boden ist mit Teppichen bedeckt. Drei Sofas stehen dort und auf einer Kommode ein Fernseher und ein Käfig mit zwei Kanarienvögeln.
Die Einblicke setzen sich bei der Begegnung mit Scheich Mari fort, der sein genaues Alter nicht kennt. „Ich dürfte etwa fünfzig Jahre alt sein“, so der Lenker der regionalen Gemeinschaft. Dann fällt ein Satz, mit dem er sich in westlichen Kulturen ins machistische Abseits manövrieren würde: „Das hier ist das Paradies für Männer. Die Frauen arbeiten viel mehr“, sagt er und lacht.
Wie sieht eine junge Frau das Rollendenken, die Gleichberechtigung in ihrem Land? Studentin Rodaina Khaled (21), die einen Schleier trägt und bei den Naturtouren von „Dayma“ mitarbeitet, sagt: „In meiner Generation sind wir auf einem guten Weg, haben aber noch einige Herausforderungen zu bewältigen.“ Dann stellt sie sich wie ein Model in Fotopose, lächelt und legt den Kopf leicht schief. Unterdessen hält ihre Chefin Farah Ausschau nach weiterem Wildlife in den Mangroven, erklärt deren Stelzwurzeln, findet Salzpflanzen. Ihre Kenntnisse der Natur hat sich die studierte Psychologin akribisch selbst angeeignet.
Der Verfasser ist freier Autor und Journalist. Seine Recherche erfolgte im Rahmen einer von der „TUI Care Foundation“ organisierten Reise
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