Lebensart

Alte Krippentradition in Garsten

Garsten legt Wert auf eine gewachsene, traditionelle und bodenständige Adventszeit. Nein, hier findet man keinen Jingle Bell-Schnickschnack oder Weihnachtskitsch. Von Gabi Dräger
Tradition Wachs-Jesuskindlein
Foto: Dräger | Tradition Wachsjesuskindlein.

Rund um die prächtige barocke Stiftskirche des ehemaligen Benediktinerklosters in Garsten ist der Weihnachtsmarkt aufgebaut. Der Geruch von Weihrauch verbreitet eine weihnachtliche Stimmung und von Punschstandln lockt der Geruch von Zimt und Nelken. Der Höhepunkt des Marktes „Am Platzl“ ist jedoch die Ausstellung „Krippen in der Prälatur“. Im Mittelpunkt stehen Nagelschmiedkrippen, die ab 1800 von Schmieden in der Region Garsten gebaut wurden. Die Figuren zu den Krippen bestanden zu der Zeit zumeist aus gebrannten und bemalten Lehmfiguren. Doch die Garstner Krippentradition geht schon in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück, die Barockbildschnitzer Hans Spindler und Marian Rittinger haben damals schon kunstvolle Krippen geschnitzt. Die „Buchsbaumkrippe“ des Garster Laienbruders Marian Rittinger von 1705 steht heute im Stiftsmuseum Garsten. Von 1782 an bis 1804 verbot König Maximilian I. das öffentliche Aufstellen von Krippen. Doch das Verbot führte nur dazu, dass Krippen nun in privaten Häusern aufgestellt wurden. Deshalb wurden viele kleine und preiswertere Krippen, wie Papierkrippen und kleine Kastenkrippen, hergestellt und in der Weihnachtszeit aufgestellt. Trotz Verbot wurden die Krippentradition weitergeführt.

Elfriede und Dr. Karl Mayer sind beide in Pension und widmen sich ganz der Krippenkultur in Garsten. 1980 begannen sie sich erstmals mit Krippen zu beschäftigen. Sie wollten mit Krippen für das Jubiläumsjahr „1 000 Jahre Garsten“ zur Ausstellung beitragen. Der Großvater von Karl Mayer schrieb 1926 über seine Familienkrippe: „Die Krippe ist circa 100 Jahre alt, ein Nagelschmied hat sie gemacht.“ Elfriede und Karl Mayer gingen dieser Spur der bodenständigen Kastenkrippe oder „Nagelschmiedkrippe“ im „Krippenland an der Eisenstraße“ nach. Seitdem gilt ihre gemeinsame Vorliebe der Krippenforschung, dem Restaurieren alter Krippen und dem Bauen neuer Krippen. Dabei konzentrieren sie sich besonders auf mechanische Krippen. Sie sind auch die Mit-Initiatoren und Mit-Organisatoren des Garstner Advents mit der Krippenschau in der Prälatur.

Besonders beeindruckend in der Ausstellung ist eine Papierkrippe aus dem 18. Jahrhundert. Die handbemalten Figuren sind aus Karton und Papier gefertigt. Es ist erstaunlich, mit wie wenig Material man eine festliche und ergreifende Krippe herstellen konnte. Simone Rossacher führt die Krippentradition fort, sie zeigt in einem Nebenraum die schönsten Krippen der Jetztzeit, die in Kursen der Krippenschule in Garsten hergestellt wurden.

In der Ausstellung „Handwerkskunst und Kunst“ in Garsten stehen Weihnachtsbäume traditionell geschmückt. Einer ist mit Strohsternen, Äpfeln und Nüssen dekoriert, das waren schwere Zeiten, da hatte man kein Geld für Weihnachtsschmuck. Ein anderer Weihnachtsbaum ist mit Engeln, die bestickte Kleider aus Brokat tragen, geschmückt. Ihre Köpfe und Hände sind aus Wachs geformt. Ein weiterer Baum ist edel mit Biedermeierschmuck behängt und an dem nächsten Baum sind Kränze aus Heidekraut und Mascherln dekoriert. Der Garstner Advent ist bekannt für gelebtes Kunsthandwerk und Handwerkskunst.

In der Verkaufsausstellung wird mit der Zither, Hackbrett, Gitarre und Maultrommel aufgespielt. Keramik, Patchwork, Strickwaren, Schmuck, Kerzen, Stickereien, Stofftiere und Puppen kann man erstehen. Etwas ganz traditionelles sind „Wachskindl im Glassturz“ und Kastenkrippen, die man auch kaufen kann. Ganz typisch für die Region sind Klappmesser, das „Trattenbacher Taschenfeitl“, das auch „Zaukerl“ genannt wird. Für die weltlichen Genüsse gibt es Geselchtes, Kaspressknödel und Palatschinken.

In Garsten sind 49 künstlerisch bemalte Bretterfiguren in Lebensgröße nach den alten „Loahmmandeln“ aufgestellt. Sie weisen den Weg zur Krippenausstellung.

www.garstner-advent.at

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