Glosse: Verlust der eigenen Mitte

Dass man keiner Statistik glauben sollte, die man nicht selbst gefälscht hat, ist bekannt. Dass man eine Untersuchung nicht so lesen sollte, wie sie einem am besten in den politischen Kram passt, lernt man nun bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Dort wollte man mit der Studie „Verlorene Mitte – Feindliche Zustände“ wohl ein wenig für gesellschaftspolitische Aufregung sorgen: Warnung vor Rechtspopulismus, zunehmende Demokratiefeindlichkeit – eigentlich ein medialer Selbstläufer. Bei der Präsentation der Studie im „Heute Journal“ wurde es sogar Claus Kleber zuviel: „Ist schon Rechtspopulist, wer Recht und Ordnung will?“ Eine Frage, die leider der ZDF-Zeit-Schere zum Opfer fiel. Aber immerhin. Inzwischen hat der frühere Außenminister und SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel auf vielen Plattformen sein Missfallen über die Studie und die Interpretation der Stiftung geäußert: „Wenn 86 Prozent der Deutschen sich zu Demokratie und 80 Prozent zu Europa bekennen, kann man nicht behaupten, die Mitte in Deutschland sei gefährdet“, sagte Gabriel gegenüber der „Bild“-Zeitung. Erstaunlich ist aber auch, dass ein Mitwirkender der Studie eine sehr große Nähe zu der Amadeu Antonio-Stiftung besitzt, die nicht gerade als Verkörperung der Mitte gilt. Um noch einmal Gabriel zu zitieren: „Es ist bei den alarmistischen Interpreten der Studie offenbar mehr die eigene Mitte verloren gegangen, ....“

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