Erfurt

Glosse: Nicht jedem gratulieren

Gratulationen an falscher Stelle können fatale Folgen haben.
Ministerpräsidentenwahl Thüringen - Staatskanzlei
Foto: Martin Schutt (dpa-Zentralbild) | Thomas Kemmerich (FDP), nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten von Thüringen vor der Staatskanzlei in Erfurt.

Das Jahr ist noch relativ frisch. Viele Geburtstage, Namenstage und Jubiläen stehen an. Nicht zu vergessen Beförderungen und Amtseinführungen. Doch: Weiß man, was die jeweilige Person alles auf dem Kerbholz hat oder noch haben wird? Wie sehr ihre Gesinnung den demokratischen Richtlinien entspricht? Könnte eine solche Gratulation vielleicht eines Tages gegen Sie verwendet werden?

Auf Wünsche verzichten

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Der Fall des Ost-Beauftragten Christian Hirte, der den Fehler beging, dem 72- Stunden-Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich zu gratulieren, sei uns allen ein Lehrstück. Oder, wie es der SPD-Vize Kevin Kühnert treffend formuliert hat: „Der erste Trittbrettfahrer der blau-schwarz-gelben Schande muss gehen. Ihm werden viele folgen.“ Genau!

Und wenn doch mal etwas schiefgeht, weil Sie einem autoritären Regime gratuliert haben, wie 2019 (und jetzt versehentlich) der Bundespräsident dem Iran? Dann bleiben Sie ruhig, schieben den Fehler am besten auf einen anderen ab oder stellen den ganzen Sachverhalt als Beitrag zum kritischen Dialog dar im Dienste der Demokratie. Noch besser: Sie verzichten auf Wünsche. Demokratie lebt schließlich von einer gesunden Kultur des Misstrauens und des gegenseitigen Verdächtigens.

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