GLOSSE: Comeback für Merz?

Kaum naht der Sommer, verhageln manch einem die Zeugnisnoten gehörig die Ferien. Einige Sitzenbleiber machten aus der Not allerdings eine Tugend und wurden Nobelpreisträger, Albert Einstein zum Beispiel oder Thomas Mann. Dagegen hat es anderen, die nicht sitzen blieben, später die Sprache verschlagen. Zählt Annegret Kramp-Karrenbauer dazu? „Ich verstehe und spreche Französisch und Englisch. Aber beides nicht so gut, wie ich es selbst möchte“, hat sie der „Saarbrücker Zeitung“ in dieser Woche anvertraut. Tja, manchmal versteht man nur Bahnhof. Dabei gibt es Vorbilder genug. Günther Oettinger beispielsweise beherrscht den fremdsprachlichen Fauxpas in bestem Flädle-Englisch, „We are all sitting in one boat.“ Carola Rackete hatte er dabei wohl nicht im Sinn. Oder Heinrich Lübke, Bundespräsident der Roaring Sixties, bescheinigte der Queen: „You are heavy on the wire.“ Schwer auf Draht war auch Helmut Kohl, als er Margaret Thatcher, eine der Vorgängerinnen von Brexit-Boris, vorschlug: „You can say you to me.“ So gesehen hat AKK viel Luft nach oben. Die Versetzung ins Kanzleramt dürfte dennoch gefährdet sein. Allen Verständnisproblemen zum Trotz gilt das Verteidigungsministerium als Abschiebebahnhof. Sollte am Ende doch noch Friedrich Merz triumphieren? Immerhin ist er, wie Einstein, in der Schule sitzengeblieben. Und, wie dieser, inzwischen ziemlich polyglott. Beim nächsten Rede-Duell könnte er auf Englisch antreten.

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