Würzburg

Glosse: Austria infelix

Österreich hat durchaus seine Probleme.
Hölzerner Hammer auf Richterbank
Foto: Uli Deck (dpa) | Ein hölzerner Hammer liegt auf der Richterbank in einem Verhandlungssaal.

Auch wenn das vielen Touristen aus Japan, Deutschland und anderen exotischen Fernen entgangen sein mag: Österreich hat durchaus seine Probleme. Etwa dass der Enkel des letzten regierenden Kaisers von Österreich, des 2004 seliggesprochenen Karl I., sich auf seiner Internetseite „Karl von Habsburg“ nennt. Das „von“ rief republikanische Selbstverteidigungs-Reflexe wach, denn vor just einem Jahrhundert wurde der Adel abgeschafft, das Führen von Adelstiteln verboten. Das Dreibuchstabenwort sollte „Karl Habsburg-Lothringen“ (wie er republikanisch heißt), „Erzherzog Karl“ (wie historisch Kundige sagen) oder „S. M. Karl II.“ (wie es monarchistisch korrekt wäre) teuer zu stehen kommen. Das Gesetz anno 1919 sieht nämlich 20 000 Kronen Strafe für solcherlei Vergehen vor.

Strafe von 20 000 „Krönchen“ nicht exikutierbar

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Da aber die Republik ihr einstiges Kaiserhaus unter breitflächiger Anwendung der Sippenhaftung restlos enteignete, gibt es keinen K.u.K.-Keller mehr, in dem sich noch alte Kronen fänden, geschweige denn Krönchen. Die Kaiserkrone ist in der Schatzkammer hinter Panzerglas, und die alte Währung ist – wie der Verfassungsgerichtshof nun befand – nicht in Euro umrechenbar. Die Strafe ist somit nicht exekutierbar. Schon fordern Juristen eine Anpassung des Gesetzes. Bald werden Fremdenführer staunenden Japanern in Schönbrunn erklären: „Hier lebte eine großbürgerliche Familie, die jahrhundertelang im europaweiten Regierungs-Business tätig war.“

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